Alternative zu Patriot-SystemenHensoldt kooperiert mit ukrainischem Waffenhersteller

Immer wieder treffen russische Raketen die Ukraine schwer. Kiew arbeitet mit Hochdruck an einer stärkeren Flugabwehr - und setzt künftig auch auf deutsche Radare aus Bayern.
Die Unternehmensgruppe Hensoldt hat auf der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris eine strategische Partnerschaft mit dem ukrainischen Waffenbauer Fire Point geschlossen. Ziel des Abkommens ist laut eigener Aussage die Stärkung der ukrainischen Flugabwehr. "Hensoldt ist für die Produktion, Erprobung und Lieferung von Radarsystemen für das ballistische Raketenabwehrsystem (BMD) verantwortlich und unterstützt deren Integration in das System", hieß es. Die Radare seien in der Lage, bis zu 1500 unterschiedliche Luftziele zu erkennen und zu verfolgen, teilte Hensoldt mit.
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen den russischen Angriffskrieg. Das russische Militär beschießt dabei regelmäßig auch das Hinterland des Nachbarstaats mit Drohnen und Raketen. Während die Drohnenabwehr der Ukrainer bereits effektiv arbeitet, richten russische Raketen nach wie vor große Schäden an.
Die vom Westen gelieferten Systeme wie das amerikanische Patriot-System oder der deutsche Iris-T-Komplex reichen nicht aus für einen flächendeckenden Schutz. Zudem sind die Raketen für die Systeme teuer. Daher setzt Kiew auch auf eigene Entwicklungen und Kooperationen mit westlichen Rüstungsfirmen.
Integriert werden sollen die deutschen Radare in das von Fire Point entwickelte Flugabwehrsystem Freyja. "Jetzt können wir vom Konzept zur praktischen Realisierung eines paneuropäischen Abwehrschilds gegen ballistische Raketen übergehen", kommentierte die Chefin von Fire Point, Iryna Terech, ukrainischen Medien zufolge die geplante Kooperation. Über die Anzahl der Radare und den Wert möglicher Lieferungen schweigt das Unternehmen bisher. Fire Point hat sich seit Kriegsbeginn in der Ukraine auf die Entwicklung von Drohnen und Raketen spezialisiert.
Hensoldt ist in Taufkirchen bei München beheimatet und fokussiert sich auf den Bau von Radaren und optischen Systemen. Die Firma entwickelt Sensoren, Elektronik und Software für Heeres-, See-, Luft- und Raumfahrtstreitkräfte und zur Abwehr von Cyberangriffen. Im vergangenen Jahr erzielte das börsennotierte Unternehmen nach eigenen Angaben einen Umsatz von 2,46 Milliarden Euro.