Wirtschaft

Skepsis trotz Kurs-PlusHoffnung auf Iran-Kriegsende treibt US-Börsen an

01.04.2026, 22:46 Uhr
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Der hohe Brentpreis bremst die Euphorie der Anleger. (Foto: picture alliance/dpa/AP)

Die Aussicht auf eine Deeskalation im Konflikt mit dem Iran beflügelt die Kurse an der Wall Street. Doch der Brentpreis bleibt oberhalb der Marke von 100 Dollar. Bei den Einzelwerten gibt es Bewegung bei den Chipkonzernen.

Die "Trump-Rally" hat die US-Börsen am Mittwoch noch weiter nach oben getragen. Der Dow-Jones-Index stieg um 0,5 Prozent auf 46.566 Punkte. Der S&P-500 kletterte um 0,7 Prozent und der Nasdaq-Composite um 1,2 Prozent. An der Nyse wurden 1.841 (Dienstag: 2.148) Kursgewinner gesehen, denen 930 (625) -verlierer gegenüberstanden. Unverändert schlossen 37 (54) Titel. Mit der Hoffnung auf ein baldiges Ende des Iran-Kriegs hatte die Wall Street bereits am Vortag deutliche Aufschläge verzeichnet.

"Wenn man das Gesamtbild betrachtet, ist es eindeutig noch zu früh, um schon jetzt 'Entwarnung' zu geben. Marktteilnehmer werden konkrete Fortschritte in Richtung Deeskalation sehen wollen, und nicht nur positiv klingende Rhetorik, bevor sie das Risikoniveau wesentlich erhöhen", warnte Marktstratege Michael Brown von Pepperstone vor übertriebener Euphorie.

Die bestehende Skepsis konnte man auch an der Ölpreisentwicklung ablesen. Der marktführende Kontrakt für Brent rutschte im Verlauf deutlicher unter die Marke von 100 Dollar. Zum Ende des US-Handels notierte der Brentpreis zwar immer noch 2,9 Prozent im Minus, mit 100,92 Dollar aber wieder oberhalb der Marke von 100 Dollar - und dies, obwohl die Nachrichtenlage eher für einen sinkenden Ölpreis sprach. Denn die US-Rohölvorräte waren in der vergangenen Woche überraschend deutlich gestiegen. Zudem bereiten sich einem Bericht des Wall Street Journal zufolge die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) darauf vor, den USA und anderen Verbündeten zu helfen, die Straße von Hormus mit Gewalt zu öffnen.

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg um 2 Basispunkte auf 4,33 Prozent. Die Hoffnungen auf eine Beruhigung bei den Ölpreisen und in der Folge bei den Inflationserwartungen bremsten die Renditen. Allerdings bleibt die Wiederöffnung der Straße von Hormus für eine längerfristige Beruhigung entscheidend. Eine Wiedereröffnung wäre wahrscheinlich erforderlich, um stärkere Verluste des Dollar auszulösen, mutmaßt ING-Analyst Francesco Pesole. "Wir sind der Meinung, dass mehr Klarheit und ein Zeitplan für eine Wiederöffnung der Straße eine notwendige Bedingung dafür sind, dass der Dollar-Index wieder auf die Tiefststände vom 23. März zurückfällt", so Pesole. Doch büßte der Dollar-Index mit den Deeskalationssignalen schon jetzt 0,4 Prozent ein - der Greenback verlor an Zuspruch als "sicherer Anlegerhafen". Gold profitierte von der Dollar-Schwäche, die Feinunze verteuerte sich um 2 Prozent.

Die Konjunkturdaten des Tages waren zwar überwiegend ermutigend ausgefallen, setzten aber kaum Akzente. Dem ADP-Arbeitsmarktbericht zufolge wurden im März im privaten Sektor 62.000 Stellen geschaffen, während Volkswirte im Schnitt mit 39.000 gerechnet hatten. Der Einzelhandelsumsatz stieg im Februar um 0,6 Prozent und lag damit leicht über der Konsensprognose von 0,5 Prozent. Diese zeige, dass die Inflationsgefahren noch keinen bremsenden Effekt auf den Konsum hätten, kommentiert Andreas Lipkow von CMC Markets.

Der Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes erreichte im März in zweiter Lesung einen Stand von 52,3 Punkten, hier war ein Anstieg auf 52,4 von 51,2 im Vormonat prognostiziert worden. Der ISM-Index des verarbeitenden Gewerbes stieg im März auf 52,7 von 52,4 Punkten im Februar; hier war ein Rückgang auf 52,1 erwartet worden. Die Lagerbestände verringerten sich im Januar um 0,1 Prozent, während Ökonomen mit unveränderten Beständen gerechnet hatten.

Bei Einzelwerten geht Nike die Puste aus

Aktien des Energiesektors stellten den schwächsten Sektor mit Verlusten von durchschnittlich fast 4 Prozent. Der Sektor war mit dem steigenden Ölpreis kräftig nach oben gelaufen und folgte ihm nun nach unten. Exon Mobil verloren 5,2 und Chevron 4,6 Prozent.

Unter den Einzelwerten knickte die Nike-Aktie um 15,5 Prozent ein. Der Sportartikelhersteller hat im dritten Geschäftsquartal einen niedrigeren Gewinn verzeichnet, da die Umsätze in China weiter zurückgingen. Der Konzern erwartet zudem bis Ende 2026 einen Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Für das laufende vierte Geschäftsquartal werde ein Rückgang von 2 bis 4 Prozent erwartet. Analysten hatten einen Anstieg von 1,9 Prozent prognostiziert.

Für die Microsoft-Aktie ging es um 0,2 Prozent nach unten - der Konzern will bis 2029 insgesamt 5,5 Milliarden US-Dollar in Cloud- und KI-Infrastruktur in Singapur investieren, da die Nachfrage nach KI-Kompetenzen und Rechenleistung in dem Stadtstaat weiter wächst. Intel verteuerten sich um 8,8 Prozent. Der Chiphersteller kauft für 14,2 Milliarden Dollar den Anteil von Apollo Global Management an dem irischen Chip-Gemeinschaftsunternehmen Fab 34.

Quelle: ntv.de, bho/DJ

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