Wirtschaft

Eskalierender Handelsstreit Ifo-Chef rät EU zur Doppelstrategie

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Blick auf den Containerhafen im chinesischen Guangzhou.

(Foto: dpa)

Die USA erheben Strafzölle auf chinesische Waren. Peking antwortet in gleicher Härte. Zwischendrin steht die EU. Der Chef des Ifo-Instituts, Fuest, warnt die Europäer nun vor protektionistischen Maßnahmen gegen China. Und rät zu Zöllen gegen die USA.

Das Münchner Ifo-Institut hat angesichts des eskalierenden Handelsstreits zwischen den USA und China die Europäer vor einer Abschottung gegen Peking gewarnt. "Die Strafzölle der USA gegen China werden dazu führen, dass chinesische Produkte verstärkt auf die europäischen Märkte drängen", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

"Die EU sollte darauf nicht mit protektionistischen Maßnahmen gegenüber China reagieren, sondern China drängen, die eigenen Märkte weiter zu öffnen", so Fuest. Nach den Worten des ifo-Chefs ist es wichtig, "dass die Koalition der Gegner der US-Handelspolitik aufrechterhalten bleibt". "Die US-Regierung ist offenbar entschlossen, den Handelskonflikt weiter anzuheizen, obwohl dabei die eigene Wirtschaft leidet und die USA politisch immer mehr isoliert werden."

Die EU sollte mit einer Doppelstrategie antworten, so Fuest. Zum einen sollten Strafzölle auf US-Güter erhoben werden. Ob und wie diese Gegenmaßnahmen Trump beeinflussen, ist aus Sicht des ifo-Chefs kaum vorherzusagen. "Aber den Gegnern des Protektionismus in den USA liefern sie Argumente." Zum anderen sollte die EU Trump anbieten, über den beidseitigen Abbau von Zöllen im Rahmen eines Freihandelsabkommens zu reden.

Der Präsident des Elektroindustrieverbandes ZVEI, Michael Ziesemer, forderte die EU zu maßvollen Reaktionen auf. "Wir sollten besonnen reagieren, an den WTO-Regeln festhalten, die Situation nicht eskalieren, im Dialog bleiben", sagte er dem "Tagesspiegel". Die USA sind nach China der wichtigste Markt der Branche. Im vergangenen Jahr seien Waren im Wert von mehr als 17 Milliarden Euro in die USA ausgeführt und Güter für knapp elf Milliarden Euro von dort importiert worden.

Peking legt erste Liste vor

Nach gegenseitig verhängten Strafzöllen in Milliardenhöhe rückt ein Handelskrieg zwischen den USA und China näher. Auf die von US-Präsident Donald Trump verkündeten neuen Strafzölle auf Waren im Wert von 50 Milliarden US-Dollar aus China reagierte Peking umgehend mit Gegenmaßnahmen in gleichem Umfang.

Konkret sind in einem ersten Schritt Pekings zusätzliche Zölle von 25 Prozent auf 545 US-Waren im Wert von 34 Milliarden US-Dollar geplant. Darunter sind nach einer Aufstellung des chinesischen Finanzministeriums vom Wochenende Sojabohnen, Tabak und Fahrzeuge einschließlich Elektroautos. Zudem stehen Agrarprodukte wie Schweine- und Rindfleisch, Reis und Lachs sowie Dutzende Obst- und Gemüsesorten und Nüsse auf der Liste.

Zu einem späteren - derzeit noch nicht konkreten Termin - plant China neue Zölle auf 114 weitere US-Produkte wie Kohle und Rohöl. Sollten die USA wie angedroht im Gegenzug nochmals zusätzliche Zölle erheben, behalte sich die Regierung "weitere Maßnahmen" vor, hieß es in Peking. Allerdings signalisierte China gleichzeitig die Bereitschaft zu Verhandlungen.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa

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