Wirtschaft

US-Börsen mit Abschlägen Inflationssorgen belasten Wall Street

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Nach einer zwischenzeitlichen Erholung vom schwachen Handelsauftakt schlossen die US-Börsen mit Verlusten.

(Foto: AP)

Zeitweise stark steigende Ölpreise sorgen für Verunsicherung an der Wall Street. Doch besser als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten mildern die Sorgen der Anleger etwas. Gefragt sind die Aktien des Chipherstellers Qualcomm, der Investitionen in die Konkurrenz in Aussicht stellt.

Die US-Börsen haben nach einem verlängerten Wochenende mit Abschlägen geschlossen. Am Montag hatten die Börsen wegen des "Memorial Day" geschlossen. Der Handel war von einem sehr volatilem Umfeld geprägt. Belastet wurde das Sentiment von Inflationssorgen, nachdem die Ölpreise zeitweise kräftig gestiegen waren. Hinzu gesellte sich die Befürchtung, dass die US-Notenbank mit einer zu straffen Geldpolitik die wirtschaftliche Erholung gefährden könnte. Besser als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten milderten die Sorgen etwas.

Der Dow-Jones-Index schloss 0,7 Prozent tiefer bei 32.990 Punkte, der S&P-500 notierte 0,6 Prozent leichter. Der technologielastige Nasdaq-Composite gab 0,4 Prozent nach. Dabei gab es insgesamt 1.249 (Freitag: 2.861) Kursgewinner und 2.053 (468) -verlierer. Unverändert schlossen 114 (78) Titel.

S&P 500
S&P 500 4.250,05

Hintergrund für den Anstieg der Ölpreise war das von der EU beschlossene weitreichende Embargo auf russisches Öl. Dieses betrifft Lieferungen auf dem Seeweg und damit rund zwei Drittel der bisherigen russischen Ölimporte in die EU. Ausgenommen sind Öllieferungen über die Druschba-Pipeline. Im Verlauf kam der Preis für die Sorte WTI jedoch wieder deutlich zurück, nach Meldungen, wonach einige Opec-Mitglieder erwägen, die Teilnahme Russlands an einem Ölförderabkommen auszusetzen, da westliche Sanktionen Moskaus Fähigkeit zum Pumpen von Öl zu untergraben beginne. Eine Befreiung Russlands von seinen Ölförderzielen könnte Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und anderen Produzenten den Weg ebnen, deutlich mehr Rohöl zu fördern. Der Preis für ein Barrel WTI-Öl fiel um 0,1 Prozent, nachdem er zeitweise um über 3 Prozent gestiegen war. Der Brent-Preis legte 1,0 Prozent je Barrel zu.

Konjunkturseitig hat sich der Index des Verbrauchervertrauens zum Vormonat zwar abgeschwächt, jedoch nicht so stark wie von Ökonomen erwartet. Die Stimmung der Einkaufsmanager aus dem Großraum Chicago hat sich indessen im Mai unerwartet aufgehellt. Der Indikator stieg auf 60,3 Punkte, nach einem Stand von 56,4 Punkten im April.

Qualcomm mit Arm-Plänen fester

Rohöl (WTI)
Rohöl (WTI) 89,28

Bei den Einzelwerten legte die Qualcomm-Aktie um 2,5 Prozent zu. Der US-Konzern will offenbar den bevorstehenden Börsengang von Arm nutzen, um sich an dem zum japanischen Technologie-Investor Softbank gehörenden britischen Chipdesigner zu beteiligen. Der US-Chiphersteller sei daran interessiert, an der Seite seiner Konkurrenten zu investieren, sagte Qualcomm-CEO Cristiano Amon der "Financial Times". Qualcomm könne sich außerdem auch mit anderen Unternehmen zusammenschließen, um Arm komplett zu erwerben, sollte sich ein Konsortium für den Kauf finden, das "groß genug" sei, fügte er hinzu. Eli Lilly gaben 3,2 Prozent nach, nachdem der Arzneimittelhersteller bekannt gegeben hatte, dass sein größter Aktionär, Lilly Endowment Inc., Aktien im Wert von fast 64 Millionen Dollar verkauft hatte.

Der Euro gab nach den Verbraucherpreisen für Mai aus der Eurozone etwas nach. Zeitweise war die Gemeinschaftswährung unter die Marke von 1,07 Dollar gefallen. Zuletzt notiert der Euro bei 1,0735 Dollar. Der Dollar-Index legte um 0,1 Prozent zu. Mit 8,1 Prozent zum Vorjahr fiel die Teuerung im Euroraum deutlich höher als mit 7,6 Prozent erwartet aus. Das befeuerte zwar Spekulationen über einen strafferen Kurs der EZB zur Eindämmung der Inflation als bislang signalisiert, aber im Handel blieb man skeptisch: Die Widerstände im EZB-Rat gegen eine schnellere geldpolitische Straffung dürften groß sein, hieß es.

Qualcomm
Qualcomm 148,50

Der Goldpreis gab nach. Belastet wurde die Nachfrage nach dem zinslosen Edelmetall von den gestiegenen Marktzinsen. Für die Notierungen von US-Anleihen ging es deutlich nach unten. Die Rendite 10-jähriger Papiere stieg entsprechend um 11,5 Basispunkte auf 2,86 Prozent. Teilnehmer verwiesen auf Aussagen von Fed-Gouverneur Christopher Waller. Dieser hatte gesagt, Zinserhöhungen um einen halben Prozentpunkt sollten "nicht vom Tisch genommen werden, bis die Inflation unserem Ziel von 2 Prozent näher kommt". Anleger rechnen derzeit damit, dass der Zins dieses Jahr noch um 1,75 Prozentpunkte steigen wird von derzeit 0,75 bis 1 Prozent.

"Die Fed drängt auf weitere Zinserhöhungen, und Wallers Rede dürfte dazu beitragen, die Spekulationen zu zerstreuen, dass die Fed zwei weitere Zinserhöhungen um jeweils 50 Basispunkte nicht vornehmen oder auf der September-Sitzung auf eine Erhöhung verzichten wird", so Tim Duy, Chefökonom für die USA bei SGH Macro Advisers.

Quelle: ntv.de, chf/DJ

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