Wirtschaft

Ifo sieht kräftiges Wachstum "Jetzt geht es schrittweise aufwärts"

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Die deutsche Industrie nähert sich wieder der Wachstumsschwelle.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die deutsche Wirtschaft hat das Tal der Tränen durchschritten. In den kommenden Monaten geht es aufwärts. Allerdings wird das Vorkrisenniveau erst Ende kommenden Jahres erreicht. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt wird sich indes deutlich langsamer erholen.

Die deutsche Wirtschaft wird sich nach Ansicht der Ifo-Experten in den kommenden Monaten aus der Corona-Krise erheben und kräftig zulegen. "Von nun an geht es schrittweise wieder aufwärts", erklärte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Ende kommenden Jahres könnte das Vorkrisenniveau wieder erreicht sein. Allerdings wird die Zahl der Arbeitslosen auch 2021 deutlich über der des vergangenen Jahres liegen.

Im dritten Quartal sei von einem Wirtschaftswachstum von 6,9 Prozent im Vergleich zum Vorquartal auszugehen, teilte das Ifo-Institut weiter mit. Im vierten Quartal seien es voraussichtlich 3,8 Prozent. Für das Gesamtjahr 2020 sagt das Institut dennoch einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um 6,7 Prozent voraus. Die Wirtschaftsforscher stellten ihre Prognose unter Vorbehalt: Bei den Annahmen über den weiteren Verlauf der Epidemie und die politischen Reaktionen bestehe hohe Unsicherheit.

Nachdem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Vierteljahr um 2,2 Prozent gefallen war, rechnen die Experten mit einem Rückgang im zweiten Quartal um 11,9 Prozent. "Die kräftigen Raten in der zweiten Jahreshälfte erklären sich durch die niedrige Produktion an Waren und Dienstleistungen während der Schließung der Wirtschaft. Mittlerweile wurde dies gelockert oder für manche Wirtschaftszweige aufgehoben", führte Wollmershäuser aus.

Nach Ansicht des Markit-Instituts berappelt sich die deutsche Industrie nach dem Corona-Schock etwas und tastet sich langsam Richtung Wachstumszone vor. Der Einkaufsmanagerindex stieg im Juni nach endgültigen Berechnungen auf 45,2 Punkte und nähert sich somit in dem Monat, in dem viele Covid-19-Eindämmungsmaßnahmen schrittweise aufgehoben wurden, wieder der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. "Einerseits zeigen die Daten, dass mehr und mehr Hersteller ihre Produktion weiter hochfahren und dass der Optimismus, an dem es in den letzten Monaten mangelte, wieder zurückgekehrt ist", sagte Markit-Experte Phil Smith. "Andererseits verharrt die Nachfrage auf sehr niedrigem Niveau, was eine rasche Erholung erschwert."

Arbeitslosigkeit sinkt nur langsam

Deutliche Erholung sagen die Ifo-Forscher derweil für das kommende Jahr voraus. Dann lege die Wirtschaft voraussichtlich um 6,4 Prozent zu. Ende 2021 werde damit das Niveau von Ende 2019 wieder erreicht. Beim Arbeitsmarkt gehen die Ifo-Experten davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen in diesem Jahr im Durchschnitt bei 2,7 Millionen liegen wird. 2019 waren es 2,3 Millionen. Für kommendes Jahr rechnet das Institut mit einem Schnitt von 2,6 Millionen Arbeitslosen. Für den diesjährigen Juni meldete die Bundesagentur mehr als 2,8 Millionen Erwerbslose - 40.000 mehr als im Mai und 637.000 mehr als vor einem Jahr.

Der private Konsum dürfte dem Ifo-Institut zufolge in diesem Jahr um 6,4 Prozent abnehmen und 2021 um 5,1 Prozent steigen. Die Ausrüstungsinvestitionen sinken demnach 2020 sogar um fast ein Fünftel, bevor sie 2021 um 18,7 Prozent zunehmen. Im Staatshaushalt würden die Spuren der Corona-Krise deutlich sichtbar sein: Der Saldo von Einnahmen und Ausgaben rutsche von gut 50,4 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf minus 175,8 Milliarden in diesem Jahr. Im kommenden Jahr werde der Staatshaushalt mit minus 76,5 Milliarden Euro weiter in den roten Zahlen sein.

Die deutschen Ausfuhren dürften in diesem Jahr um 13,3 Prozent sinken, die Einfuhren um 7,7 Prozent. Damit werde der international kritisierte Überschuss der Leistungsbilanz von 245,2 Milliarden Euro auf 176,2 Milliarden Euro schrumpfen, also von 7,1 auf 5,4 Prozent der Wirtschaftsleistung. Aber im kommenden Jahr wachsen die Exporte laut der Prognose wieder um 13,4 Prozent und die Importe um 7,8 Prozent. Damit erhöhe sich der Leistungsbilanzüberschuss auf 7,6 Prozent.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/DJ/dpa