Wirtschaft

Wann steigt der Leitzins in den USA? "Job Report" lässt Yellen freie Hand

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Bahn frei für die Fed? Die Stundenlöhne steigen, die Arbeitslosenquote bleibt vergleichsweise niedrig.

(Foto: REUTERS)

Ist die US-Wirtschaft bereit für den mit Spannung erwarteten Zinsschritt nach oben? Der offizielle Regierungsbericht zur Lage am Arbeitsmarkt liefert neue Anhaltspunkte zum weiteren Vorgehen der Währungshüter.

Der US-Arbeitsmarkt hat im September ein moderateres Wachstum an den Tag gelegt. Zugleich zogen die Löhne und Gehälter an. Wie das US-Arbeitsministerium berichtete, stieg die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft um 156.000. Im Vorfeld befragte Volkswirte hatten mit einem Stellenzuwachs um 170.000 gerechnet.

Die Zahlen für die beiden Vormonate wurden teils nach oben, teils nach unten revidiert, doch insgesamt änderte sich wenig. Das Ministerium meldete für August nun ein höheres Stellenplus von 167.000 (vorläufig: 151.000). Für den Juli wurde die Zahl spürbar nach unten revidiert, auf ein Plus von 252.000 (vorläufig: 275.000) Jobs.

Die separat erhobene Arbeitslosenquote stieg im September von 4,9 auf 5,0 Prozent, während Ökonomen eine stabile Quote von 4,9 Prozent erwartet hatten. Für diese Statistik werden private Haushalte befragt, für die Beschäftigtenzahl hingegen Unternehmen und Behörden. Im längeren Vergleich liegt die US-Arbeitslosenquote niedrig: Im Mai hatte sie mit 4,7 Prozent den tiefsten Stand seit 2007 erreicht.

Die sogenannte Beschäftigungsquote - also der Anteil der Erwerbspersonen an der Gesamtheit der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter - stieg von 62,8 auf 62,9 Prozent. Die durchschnittlichen US-Stundenlöhne stiegen um 0,2 Prozent oder 0,06 Dollar auf 25,79 Dollar. Im Vergleich zum Vorjahr lagen die Löhne um 2,6 Prozent höher.

Neue Grundlage für die Fed?

Die neuen Daten vom Arbeitsmarkt bieten Analysten Hinweise, um das weitere Vorgehen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) einschätzen zu können: Bekannt ist, dass sich die Währungshüter rund um Fed-Chefin Janet Yellen bei der Beurteilung der Konjunkturlage insbesondere auch an der Lage am Arbeitsmarkt orientieren.

Zudem zählt die Vollbeschäftigung zu den erklärten Zielen der US-Notenbank. Der insgesamt robuste Stellenmarkt spricht nach Einschätzung vieler Beobachter dafür, dass die Fed noch in diesem Jahr einen weiteren Zinsschritt wagen dürfte. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld liegt seit Dezember 2015 in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent. Viele Experten erwarten den nächsten Schritt für das Jahresende.

Bei der zurückliegenden Sitzung hatten die Währungshüter den Leitzins nicht angetastet, aber eine Zinserhöhung später im Jahr signalisiert. Beobachtern rechnen damit, dass die Fed erst nachlegen wird, wenn die US-Präsidentschaftswahl gelaufen ist - um jedweden Verdacht auf eine Einmischung in politische Belange zu vermeiden. Damit wäre die erste und einzige Gelegenheit für einen Zinsschritt noch in diesem Jahr im Dezember.

Hinweis für Mobilnutzer: Die Infografik zur US-Arbeitslosenquote 2000 - 2016 finden Sie hier.

Quelle: ntv.de, mmo/DJ/rts