Wirtschaft

Der Schotte und das Geld Konsumforscher erhält Nobelpreis

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(Foto: dpa)

Macht Geld glücklich - und macht Armut unglücklich? Für die Erforschung der Zusammenhänge von wirtschaftlicher Lage und Konsum mit Gesundheit und gefühltem Glück vergibt die schwedische Reichsbank den Nobelpreis.

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Angus Deaton lehrt in den USA.

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Für seine Analysen von Konsum, Armut und Sozialhilfe erhält der schottische Ökonom Angus Deaton den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. "Um eine Wirtschaftspolitik zu entwerfen, die das Wohlergehen fördert und Armut reduziert, müssen wir zuerst die individuellen Konsumentscheidungen verstehen", begründete die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm ihre Entscheidung. Deaton lehrt seit 1983 an der Princeton University in den USA.

Geld macht glücklich - aber nur bis zu einem bestimmten Jahreseinkommen. Armut hingegen mache Menschen sowohl unzufrieden als auch unglücklich, fand der heute 69-Jährige im Jahr 2010 zusammen mit Kollegen heraus. "Mehr als jeder andere hat Angus Deaton dieses Verständnis verbessert." Deaton nutzte für seine Ergebnisse die Befragung von Haushalten in Entwicklungsländern. Mit Hilfe von Daten zu den Konsumausgaben habe er Lebensstandard und Armut berechnet, teilte die Akademie weiter mit.

Sein System nutzen etliche Länder

"In den letzten vier, fünf Jahrzehnten hat er unermüdlich daran gearbeitet, Konsum zu verstehen - und damit viele Bereiche der Wirtschaft verändert", sagte Nobeljuror Per Strömberg. Deaton habe vor allem geholfen, Armut in Entwicklungsländern zu verstehen. Anstatt diese am Einkommen zu messen, habe er sich angesehen, was die Menschen konsumieren. "Und es stellte sich heraus, dass das ein viel besseres Maß für Armut ist", sagte Strömberg. Für seine Studien arbeitete Deaton mit der Weltbank zusammen.

Der Nobelpreisträger entwickelte außerdem eine Methode, um die Nachfrage zu messen. Wenn eine Regierung zum Beispiel eine Steuer erhöhen will, kann man damit schätzen, wie die Verbraucher darauf reagieren und wen die Veränderung am härtesten trifft. Zuvor hatten Ökonomen über Jahrzehnte große Probleme gehabt, ein System zu finden, das tatsächlich funktionierte. "Deatons System wird von Ökonomen und politischen Entscheidungsträgern auf der ganzen Welt genutzt", sagte Strömberg.

Schwerpunkt der Forschung ist Indien

Auch heute noch sind es die Zusammenhänge von wirtschaftlicher Lage und Konsum mit Gesundheit und gefühltem Glück, die ihn beschäftigen. Einen Schwerpunkt legt er auf das Schwellenland Indien und die Frage, wie Armut sich wissenschaftlich fassen und messen lässt. Der vielfach ausgezeichnete Wissenschaftler kam am 19. Oktober 1945 in Edinburgh zur Welt. Sein schottischer Akzent ist aber kaum noch wahrnehmbar. Eine hartnäckige Skepsis und einen Widerwillen, Glück zu bemerken oder zuzugeben, habe er wohl seiner Herkunft zu verdanken, sagte Deaton,

Deaton ist vom Anruf der schwedischen Jury aus dem Schlaf gerissen worden. "Meine Güte, ich war ganz schön verschlafen", sagte er. "Es war mir natürlich wie vielen anderen Ökonomen bewusst, dass es eine Chance dafür gab." Er freue sich darauf, im Dezember zur Preisverleihung nach Schweden zu kommen.

Der Nobelpreis im Fach Wirtschaftswissenschaften wird erst seit Ende der 60er-Jahre verliehen. Er wird von der schwedischen Notenbank gestiftet und ist mit 8 Millionen Kronen (etwa 860.000 Euro) dotiert. Anders als die traditionellen Nobelpreise geht die Ehrung nicht auf das Testament des Dynamit-Erfinders Alfred Nobel zurück.

Die Reichsbank in Schweden trägt mit dem Preis der wachsenden Bedeutung wirtschaftlicher Fragen Rechnung. 2014 war er an den französischen Forscher Jean Tirole verliehen worden für seine Analysen zu den Themen Marktmacht und Regulierung.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa

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