S&P 500 bleibt auf Rekordkurs Krankenversicherer zerren den Dow ins Minus

Die Bilanzsaison hält die Wall Street weiter auf Trab. Die Zahlen von General Motors kommen gut an, die von Boeing weniger. Trumps neue Zollankündigungen gegen Südkorea scheinen die US-Anleger dagegen relativ kalt zu lassen.
Eine Reihe wichtiger Konzernbilanzen hat am Dienstag zu einem uneinheitlichen Handel an der Wall Street geführt. Beim Dow Jones schlug der Einbruch von United Health ins Kontor, der Standardwerteindex verlor 0,8 Prozent auf 49.003 Punkte. Der technologielastige Nasdaq rückte dagegen 0,9 Prozent auf 23.817 Zähler vor und der breit gefasste S&P 500 legte 0,4 Prozent auf 6979 Stellen zu. Für den S&P war es der vierte Schlussrekord im neuen Jahr.
Nach positiv aufgenommenen Geschäftszahlen waren unter anderem die Aktien des Autobauers General Motors und des Gesundheitsdienstleisters HCA gefragt, die um 8,7 und 7,1 Prozent zulegten. Der Flugzeugbauer Boeing und die Fluggesellschaften American Airlines sowie Jetblue konnten die Anleger mit ihren Finanzberichten hingegen nicht überzeugen. Die Papiere bröckelten um bis zu 6,9 Prozent ab. Am Mittwoch werden die Technologieriesen Microsoft, Meta und Tesla ihre Bücher öffnen. "Wir haben jetzt die Gelegenheit zu sehen, ob Investoren bereit sind, höhere Investitionen in Kauf zu nehmen, um dem KI-Traum hinterherzujagen", sagte Art Hogan, Stratege beim Vermögensverwalter B. Riley Wealth. "Meta ist zuletzt für steigende Investitionsausgaben nicht belohnt worden."
Laut Ipek Ozkardeskaya von der Bankengruppe Swissquote wollen Investoren sehen, dass Geld von Endkunden, Unternehmen und Drittanbietern in das KI-Ökosystem fließt. "Bis die Nachfrage tatsächlich anzieht, könnte ein Teil der Infrastruktur bereits veraltet sein - mit der Folge, dass ein Teil der heutigen Investitionen ins Leere läuft", warnte die Expertin.
Zugleich hat die US-Notenbank Fed heute ihre zweitägige Sitzung begonnen. Ökonomen rechnen damit, dass sie die Zinsen bei ihrer Entscheidung am Mittwochabend unverändert lässt. Die Marktteilnehmer blicken dennoch mit Spannung auf die Pressekonferenz mit Fed-Chef Jerome Powell im Anschluss an die Entscheidung. Der Notenbanker ist jüngst ins Visier der US-Justiz geraten und sieht darin einen Vorwand, ihn zu baldigen weiteren Zinssenkungen zu bewegen. Powells Amstzeit geht im Mai zu Ende, insofern könnte er in seiner Ansprache seine übliche rhetorische Zurückhaltung aufgeben.
Neue US-Zolldrohungen ließen die Anleger erneut bei Gold und Silber zugreifen. Gold legte um 3,2 Prozent zu auf etwa 5176 Dollar je Feinunze, Silber stieg sogar um 8,1 Prozent auf 112,45 Dollar. US-Präsident Donald Trump hatte eine Erhöhung der Zölle auf Importe aus Südkorea angekündigt. Der südkoreanische Leitindex Kospi markierte ungeachtet dessen ein Rekordhoch und zog um 2,7 Prozent an. "Ob es sich letztendlich um eine weitere Tageslaune von Trump handelt, ist unklar", sagte MUFG-Analyst Michael Wan.
Krankenkassen unter Druck
Für Gesprächsstoff sorgten auch die Aktien der Krankenversicherer Humana, United Health, CVS und Elevance mit Kursverlusten von 14,3 bis 21,1 Prozent. Die US-Regierung hat eine Anhebung der Vergütungssätze für den staatlichen Versicherungsplan Medicare Advantage im kommenden Jahr um 0,09 Prozent in Aussicht gestellt. Analysten hatten mit einem Plus von bis zu sechs Prozent gerechnet.
Unter die Räder gerieten zudem die Aktien der Social-Media-Plattformen Pinterest und Reddit, die 9,6 und 8,1 Prozent einbüßten. Pinterest will nach eigenen Angaben knapp 15 Prozent seiner Stellen streichen und die Einsparungen in den Bereich Künstliche Intelligenz (KI) investieren. Auf die Reddit-Aktien drückte indes ein Medienbericht, wonach das Online-Forum als KI-Datenquelle an Bedeutung verliert. Gefragt waren hingegen die Titel des Chipkonzerns Micron, die um 5,3 Prozent zulegten. Das Unternehmen will nach eigenen Angaben eine neue Chipfabrik in Singapur für 24 Milliarden Dollar bauen, um die hohe Nachfrage nach KI-Speicherchips zu bedienen.