Wirtschaft

USA töten iranischen Top-General Krisenangst erfasst die Finanzmärkte

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Blick aus einem US-Helikopter auf Bagdad: Die Märkte müssen sich kurz nach Jahreswechsel auf ein größeres Krisenszenario einstellen.

(Foto: REUTERS)

Tiefrote Kurse an der Börse: Der US-Luftangriff bei Bagdad versetzt den Handel mit Aktien, Rohstoffen und Devisen in einen Zustand extremer Besorgnis. Der Dax verliert. Lufthansa-Aktien fallen um fast sieben Prozent. Der Konflikt belastet auch die US-Börsen.

Die Furcht vor einer Eskalation der militärischen Gewalt in der Golfregion hat an den Märkten für besorgte Reaktionen gesorgt. Nach der gezielten Tötung des ranghohen iranischen Generals Ghassem Soleimani durch das US-Militär bemühen sich Analysten und Investoren rund um die Welt, die neue geopolitische Lage zu bewerten und in krisensichere Anlagepositionen zu übersetzen.

Besonders schwer getroffen zeigen sich Aktien aus dem Luftfahrtsektor. Hier verzeichneten Händler teils heftige Kursrückgänge. Im deutschen Leitindex Dax etwa büßten die Aktien der Lufthansa fast sieben Prozent. Die Anleger folgten hier einer branchenweiten Bewegung. Auch die Börsenkurse der übrigen großen Fluggesellschaften reagierten überaus sensibel auf die neue Krisenangst am Golf. Auch die Anteilsscheine von Air France-KLM und IAG verloren. Beobachter verwiesen in diesem Zusammenhang auf die deutlich gestiegenen Ölpreise, die sich perspektivisch auch auf die Treibstoffkosten der Airlines auswirken könnten. Der Steigende Ölpreis lastete auch auf den Autowerten.

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Lufthansa 14,81
Preise für Gold und Öl ziehen an

Der Preis für ein Fass der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Februar hatte sich am Morgen sprunghaft verteuert. Aus Furcht vor Lieferausfällen deckten sich Anleger mit Rohöl ein, hieß es. Der US-Ölpreis erreichte im Tagesverlauf zeitweise den höchsten Stand seit Mai 2019. Damit wurde sogar der Höchststand vom September übertroffen, der nach einem Angriff auf saudi-arabische Ölanlagen markiert worden war. Der Preis für Nordseeöl der Sorte Brent kletterte ebenfalls.

Rohöl WTI
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Die Eskalation treibt Anleger verstärkt zum Edelmetall, der Preis für Gold legte kräftig zu. In der Spitze kostete eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) gegen Mittag knapp 1549 US-Dollar und damit so viel wie seit September nicht mehr. Zum Vortag erhöhte sich der Goldpreis um fast 16 Dollar. Schon in den Vortagen hatte das "Antikrisen-Metall" von den Spannungen zwischen den USA und Iran profitiert.

Gold in USD
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"Eskalationsspirale in vollem Gang"

Im Aktienhandel fällt der Stimmungsumschwung besonders ausgeprägt aus: Hier hatten Händler zuvor noch kräftige Kursaufschwünge nach dem Jahreswechsel verzeichnet. Der Dax ging letztlich mit einem Abschlag von 1,2 Prozent aus dem Handel, war zuvor aber noch stärker gefallen. Der MDax der mittelgroßen Werte fiel um 0,6 Prozent.

Für die Finanzmärkte stelle der US-Luftschlag den "ersten geopolitischen Belastungsfaktor in diesem Jahr" dar, fasste Analyst Christian Henke vom Broker IG Markets die Lage zusammen. Sein Kollege Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners sieht "die Eskalationsspirale in vollem Gang". Die entscheidende Frage sei nun, wie weit beide Seiten in dem Konflikt gingen. Der starke Anstieg des Ölpreises sei möglicherweise nur ein Vorgeschmack auf weiteres Ungemach.

Flucht in Dollar und Yen

Auch der Euro geriet vor dem Wochenende kräftig unter Druck. Am Markt war von einer typischen Fluchtbewegung in die Reservewährung Dollar die Rede. Deutliche Kursgewinne verbuchte der japanische Yen, der an den internationalen Finanzmärkten als sicherer Rückzugsort in unwägbaren Zeiten angesehen wird.

Etwas entspannter betrachtet Comdirect-Marktexperte Andreas Lipkow die Lage: "Ich sehe gute Voraussetzungen dafür, dass wir eine Beruhigung im Nahen Osten sehen werden." Derzeit habe kein Land gesteigertes Interesse daran, dass die Rohölpreise lange auf einem hohen Niveau blieben.

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Auch Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets glaubt nicht an eine Zuspitzung des Konflikts. Er verwies darauf, dass politische Börsen gemeinhin "kurze Beine" hätten. Die Investoren wägten derzeit lediglich die Risiken einer größeren militärischen Auseinandersetzung ab, hätten aber noch kein Urteil gefällt.

Wall-Street-Minus hält sich im Rahmen

Die schlagartig veränderte Sicherheitslage hat sich auch an den US-Börsen ausgewirkt. Beunruhigt durch den tödlichen US-Angriff auf einen iranischen General zogen sich die Anleger an der Wall Street zurück.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor im frühen Handel 0,8 Prozent auf 28.653 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 gab 0,7 Prozent auf 3234 Zähler ab. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel um 0,8 Prozent auf 9024 Punkte. Allerdings fielen die Verluste an der Wall Street deutlich geringer aus, als sich dies vorbörslich abgezeichnet hatte. Dies wird von den Anlegern als gewisses Entspannungssignal gewertet. Am Vorabend waren die großen Kursbarometer noch mit kräftigen Kursgewinnen aus dem ersten Handelstag des Jahres 2020 gegangen.

Quelle: ntv.de, mmo/hul/dpa/DJ