Wirtschaft

Aldi bleibt bei Lieferanten Lidl wirft Tönnies-Fleisch aus dem Sortiment

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Tönnies-Fleisch findet sich vorerst nicht mehr in Lidl-Filialen.

(Foto: imago images/Martin Wagner)

Nach dem Corona-Ausbruch bei Tönnies muss dessen größter Standort in Rheda-Wiedenbrück schließen - kann das Unternehmen noch zuverlässig liefern? Bei Lidl hat man offenbar Bedenken und will auf unbestimmte Zeit kein Fleisch mehr von dem Unternehmen beziehen. Bei Aldi handhabt man das anders.

Nach dem Corona-Ausbruch bei dem Fleischbetrieb Tönnies im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück schränken nun erste Supermärkte die Zusammenarbeit mit dem Schlachter ein - allerdings mehr oder weniger notgedrungen. So will etwa Discounter Lidl temporär auf Tönnies-Fleisch verzichten. Wie eine Sprecherin gegenüber ntv.de sagte, bleibe der Fleischproduzent aber grundsätzlich ein Lieferant. "Es geht darum, dass wir ausreichend Fleisch für unsere Filialen benötigen", sagte die Sprecherin. Offenbar befürchtet man im Unternehmen, dass Tönnies aktuell nicht in der Lage ist, dies zu gewährleisten.

Das dürfte damit zu tun haben, dass der Großschlachthof von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück derzeit seine Arbeit eingestellt hat. Wenn Tönnies wieder ausreichend liefern könne, werde Lidl auch wieder Tönnies-Fleisch anbieten, bestätigte die Sprecherin. Wann das der Fall sein wird, konnte sie nicht sagen. Die Tönnies-Lieferungen ruhen damit auf unbestimmte Zeit. Es gehe aktuell um eine vorsorgliche Maßnahme, sagte die Sprecherin. Vor allem die Lidl-Eigenmarke "Landjunker" besteht aus Tönnies-Fleisch.

Die beiden anderen großen Discounter mit Aldi Süd und Aldi Nord beziehen vor allem für die Eigenmarke "Meine Metzgerei" weiterhin verschiedene Fleischprodukte von Tönnies - mit einer Einschränkung. "Aktuell werden keine Waren mehr aus dem Standort Rheda-Wiedenbrück heraus an uns geliefert", teilte das Unternehmen dem "Handelsblatt" mit. "Um aufgrund der aktuellen Situation Lieferengpässe zu vermeiden, arbeiten wir gemeinsam mit unseren Lieferanten daran, die Versorgung mit den entsprechenden Fleischartikeln auf gewohnt hohem Niveau zu gewährleisten."

Lidl kündigte zusammen mit Kaufland an, künftig in eigenen Werken und bei Lieferanten für Frischfleisch und Frischgeflügel komplett auf Werkverträge zu verzichten. Das betreffe die Kernbereiche Schlachtung, Zerlegung und Verpackung.

Tönnies gilt als der größte Fleischlieferant für deutsche Supermärkte. Eigenen Angaben zufolge werden in den Schlachtbetrieben täglich 750 Tonnen Frischfleisch und 100 Tonnen Tiefkühl-Convenience-Produkte produziert und verarbeitet.

Zu Tönnies gehört auch die "Zur Mühlen"-Gruppe, die seit 2017 vollständig Teil des Konzerns ist. Aus dem Hause "Zur Mühlen" kommen Marken wie Böklunder, Zimbo oder Gutfried. Im Fertiggerichtesegment zählen Tillman's Toastys, die Schnitzelcompany, Tillman's XXL Schnitzel sowie Tillman's Qualitätsmetzgerei zu den Produkten mit Tönnies-Fleisch.

In einer früheren Version dieses Artikels hatte es geheißen, Lidl wolle künftig insgesamt auf Fleisch von Tönnies verzichten. Es geht aber nur um eine vorübergehende Maßnahme.

Quelle: ntv.de, vpe/mba