Wirtschaft

Goodbye, Kunststoff-Trinkhalme! London prescht mit Plastikverbot vor

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Game over für den Trinkhalm aus Plastik: Ab dem kommenden Jahr müssen sich die Briten für ihren Milkshake eine Alternative suchen.

(Foto: imago images / Westend61)

In Großbritannien landen jedes Jahr Milliarden Trinkhalme und Wattestäbchen aus Plastik auf dem Müll - so wie in vielen Ländern. Auf der Insel soll damit allerdings nun Schluss sein. Die britische Regierung verbietet die kleinen Umweltsünder und ist damit der EU einen Schritt voraus.

Morgens mit Plastikstäbchen den To-Go-Kaffee umrühren, in der Mittagspause den Milkshake durch den Plastiktrinkhalm schlürfen und vorm Zubettgehen noch kurz das Wattestäbchen ins Ohr stecken - dann fliegt alles in den Müll: Jedes Jahr werfen die Briten nach Berechnungen der Regierung fast acht Milliarden dieser Einwegprodukte aus Kunststoff weg. Umweltminister Michael Gove schiebt dem nun den Riegel vor.

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Ab kommendem Jahr dürfen in Großbritannien Plastiktrinkhalme weder verkauft noch in Bars oder Cafés angeboten werden. Das Gleiche gilt für Rühr- und Wattestäbchen aus Plastik. Für Apotheken und Menschen, die aus medizinischen Gründen oder aufgrund einer Behinderung auf die Kunststoff-Produkte angewiesen sind, soll es Ausnahmen geben.

Es bedürfe dringender und entschlossener Maßnahmen zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung durch Kunststoff, sagte Gove in einer Presseerklärung. "Diese Gegenstände werden oft nur für ein paar Minuten benutzt, es dauert aber Hunderte von Jahren, bis sie zerfallen."

Briten versetzen EU einen Seitenhieb

Mit dem neuen Verbot, das in weniger als einem Jahr in Kraft treten soll, will Großbritannien eine Vorreiter-Rolle in der Bekämpfung von Kunststoff-Abfall übernehmen. Vom europäischen Markt sollen die Wegwerfprodukte erst ab 2021 verschwinden. Zumindest die, für die es bereits Alternativen gibt. Darunter fallen unter anderen Plastikteller und -besteck sowie Luftballonstäbe aus Kunststoff.

Dass sich Umweltschutz zu einem wichtigen Thema in Großbritannien entwickelt hat, ist unter anderem der Verdienst des Tierfilmers und Naturforschers Sir David Attenborough: In der BBC-Dokumentationsreihe "Der blaue Planet" zeigte er die verheerenden Folgen der Verschmutzung der Ozeane durch Plastik. Die Bilder haben viele Briten schockiert und zum Umdenken bewegt. Der Schutz der Meere ist gewissermaßen zum Zeitgeist geworden.

Dementsprechend befürworten fast 90 Prozent der Briten laut der Zeitung "The Guardian" das Verbot der Einwegprodukte. Plastiktüten dürfen Supermärkte in Großbritannien bereits seit Oktober 2015, ähnlich wie in Deutschland, nicht mehr kostenlos abgeben. Das Ergebnis ist beeindruckend: Im darauffolgenden Jahr wurden neun Milliarden Tüten weniger ausgegeben - ein Rückgang von fast 90 Prozent. Von dem neuen Plastik-Verbot verspricht sich die Regierung in London nun ähnlich große Erfolge.

"Verbot von Plastikhalmen genügt nicht"

Auch in Deutschland gibt es Bestrebungen, der EU in Sachen Plastik-Verbot zuvorzukommen und einen Alleingang zu wagen. So forderte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller kürzlich ein schnelles Verbot von Plastiktüten, um den Müllexport in Entwicklungs- und Schwellenländer einzudämmen. "Das Verbot von Plastiktrinkhalmen genügt nicht", sagte Müller der "Augsburger Allgemeinen". Deutschland solle nicht auf Europa warten und Einwegplastiktüten sofort verbieten.

Insgesamt geht die Zahl der verbrauchten Plastiktüten auch in Deutschland zwar stark zurück, seitdem Supermärkte und andere Geschäfte dafür Geld verlangen. Die dünnen Beutel für Obst und Gemüse sind allerdings weiterhin kostenlos.

Plastikmüll ist ein globales Problem. Schätzungsweise 150 Millionen Tonnen schwimmen in den Weltmeeren. Trinkhalme rangieren in den traurigen Top 10 an Müll, der regelmäßig bei Strandsäuberungen gefunden wird. Da der billige Kunststoff nicht verrottet, belastet er die Umwelt sehr lange. Jedes Jahr sterben Millionen Vögel und Zehntausende Meeressäuger, indem sie Plastikmüll mit Nahrung verwechseln oder sich darin verheddern.

Quelle: n-tv.de

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