Tarifstreit für 4800 AngestellteLufthansa-Piloten streiken am Donnerstag

Wer am Donnerstag eine Flugreise mit der Lufthansa geplant hat, muss wohl umplanen: Die deutsche Airline wird von der Vereinigung Cockpit ganztägig bestreikt. Neben dem Passagier- ist auch das Frachtgeschäft betroffen.
Passagiere der Lufthansa müssen am Donnerstag mit Flugausfällen und Verspätungen rechnen. Grund sind gleichzeitige Arbeitskampfmaßnahmen der Piloten und Flugbegleiter über den ganzen Tag. Bestreikt werden sollen sämtliche Starts ab Deutschland. Auch Frachtflüge sind betroffen. Das genaue Ausmaß der Ausfälle ist noch unbekannt. Man warte auf genauere Informationen vonseiten der Gewerkschaft, erklärte ein Sprecher des Unternehmens.
Aufgerufen haben die Gewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) für die Piloten und die Kabinengewerkschaft Ufo für die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter. Die VC fordert für die rund 4800 Cockpit-Beschäftigten der Kernmarke Lufthansa und der Frachttochter Lufthansa Cargo höhere Beiträge zur Betriebsrente. Das Airline-Management lehnt das wegen hoher Kosten und geringer Profitabilität der Premium-Fluglinie ab. Die VC-Mitglieder hatten sich bereits Ende September in einer Urabstimmung für Streik ausgesprochen. Seither liefen Tarifverhandlungen und Gespräche über andere strittige Themen mit der Lufthansa, allerdings ohne Annäherung.
Ufo will ohne Urabstimmung mit einem Warnstreik Verhandlungen zu Tarifverträgen bei der Kerngesellschaft Lufthansa und der Regionaltochter Cityline erzwingen. Allein dort seien wegen der Konzernstrategie rund 800 Jobs bedroht. Ufo will hier einen tariflichen Sozialplan. Laut einem Mitgliederrundschreiben würden Verhandlungen vom Management verweigert. Bei der Kerngesellschaft warte man bislang vergeblich auf Verhandlungen zum Manteltarifvertrag.
Lufthansa verlangt "Produktivität" und "Flexibilität"
Unter den Schlagworten "Produktivität" und "Flexibilität" verlange Lufthansa im 100. Jubiläumsjahr weiter tarifliche Verschlechterungen, die sich unmittelbar auf die Arbeitsbelastung und die ohnehin stark eingeschränkte Planbarkeit des Privatlebens auswirken würden, kritisiert Ufo-Tarifexperte Harry Jaeger. Gleichzeitig verweigere der Arbeitgeber jede ernsthafte Diskussion über Schutzmechanismen, mit denen die Kabinenbeschäftigten vor den Folgen des vom Konzern eingeschlagenen Kurses abgesichert werden könnten.
Gemeint ist hier die Konzernstrategie, mit neuen Flugbetrieben die etablierten Betriebsteile unter Druck zu setzen. Der Vorstand hat vor wenigen Jahren die Flugbetriebe Lufthansa City Airlines und Discover mit dem erklärten Ziel gegründet, dort zu kostengünstigeren Tarifbedingungen zu fliegen. Dies gelingt vor allem, weil dort die Crews weniger verdienen. Laut Lufthansa-Chef Carsten Spohr kann im Konzern Wachstum nur dort stattfinden, wo Geld verdient wird.
Erst am Vormittag hatte der Lufthansa-Konzern bekanntgegeben, dass die neue Gesellschaft City Airlines nun erstmals auch das Drehkreuz Frankfurt bedient. Bis zum Herbst soll die Flotte am Rhein-Main-Flughafen auf sieben Flugzeuge vom Typ Airbus A320 mit der neuesten Triebwerksgeneration wachsen. Bislang sind 13 Flugzeuge der 2024 gegründeten Plattform am zweiten Drehkreuz in München stationiert.
Für Passagiere ist kaum zu erkennen, mit welcher Gesellschaft sie fliegen, weil City Airlines voll in den Lufthansa-Flugplan integriert ist und auch keine eigenen Tickets verkauft. Ein ähnliches Konzept verfolgt der Konzern bei der Tochter Discover, die auch Fernflüge anbietet. Hier hat die Konkurrenzgewerkschaft Verdi Tarifverträge für Kabine und Cockpit abgeschlossen.
Für das Wachstum der 100-prozentigen Tochter stellt der Konzern in Frankfurt neu ein. 60 Kräfte seien bereits gewonnen, die Einstellung von 280 weiteren Beschäftigten sei geplant. Aktuell beschäftigt die Airline rund 450 Menschen.