Wirtschaft

Unerwartet starkes Wachstum Medienkonzern RTL legt kräftig zu

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Unternehmenszentrale am Stadtrand von Luxemburg: "Wir sind sehr zufrieden."

(Foto: © RTL Group)

Die Erfolge mit Online-Videos und Show-Formaten wie "American Idol" bescheren dem Medienriesen RTL unerwartet kräftigen Rückenwind. Die Aktie legt im MDax zeitweise fast zweistellig zu. RTL-Chef Habets kann die Prognose bestätigen.

Beim europäischen Medienkonzern RTL entwickeln sich die Geschäfte mit selbst produzierten Shows, Serien und Digitalvideos deutlich besser als erwartet. Der Umsatz legte im zweiten Quartal um 3,6 Prozent auf 1,63 Milliarden Euro zu, wie die RTL Group am Konzernsitz in Luxemburg mitteilte.

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Der Betriebsgewinn kletterte um 4,7 Prozent auf 379 Millionen Euro, auch dank starker TV-Sendergeschäfte in den Niederlanden und Frankreich. Branchenexperten hatten einen Umsatz von 1,56 Milliarden Euro und ein Ergebnis von 354 Millionen Euro erwartet.

"Wir sind sehr zufrieden", sagte RTL-Vorstandschef Bert Habets. Das Unternehmen will seine Aktionäre, darunter den Medienkonzern Bertelsmann als Mehrheitseigner, im September mit einer Zwischendividende von 1,00 Euro je Aktie am Gewinn beteiligen. Bertelsmann hält etwas mehr als 75 Prozent der Anteile.

Die RTL Group bestätigte die Prognose für 2018. Der Umsatz soll demnach im laufenden Jahr um 2,5 bis 5 Prozent steigen - dabei sind die Auswirkungen von Wechselkursschwankungen ausgeklammert. RTL spürt den starken Euro vor allem bei der Produktionstochter Fremantle Media, die in London sitzt und einen Teil ihrer Geschäftsergebnisse im Dollar-Raum einfährt.

Steiler Kurssprung im MDax

An der Börse kamen die Geschäftsergebnisse sehr gut an: Die RTL-Titel legten zeitweise um knapp zehn Prozent zu und führten damit die Gewinnerliste im MDax mit großem Abstand an. Die RTL Group ist einer der größten europäischen Unterhaltungskonzerne. Der Schwerpunkt der Geschäfte liegt auf Radio- und Fernsehunterhaltung. Dabei werden sowohl Free-TV, Pay-TV als auch Online-Dienste angeboten.

Zum Netzwerk des Unternehmens gehören rund 60 TV- und mehr als 30 Radiostationen in Deutschland, Frankreich, den Benelux-Staaten, Spanien, Ungarn, Kroatien und Südostasien. Sitz der deutschen Tochter, der Mediengruppe RTL Deutschland, ist Köln. Zur Senderfamilie gehören Namen wie RTL, Vox, Nitro, RTLplus und auch der Nachrichtensender n-tv sowie die dazugehörige Nachrichtenseite n-tv.de.

RTL-Chef Habets kündigte einen weiteren Ausbau der kostenlosen und kostenpflichtigen Videoangebote im Internet an. Die RTL Group steht hier im Wettbewerb mit US-Plattformen wie Youtube, Netflix und Amazon Prime. Angesichts starken Wachstums der RTL-Marke Videoland in den Niederlanden soll auch die deutsche Plattform TV Now ausgebaut werden.

Netflix und Amazon sind gleichzeitig Kunden der RTL-Produktionstochter Fremantle, die ebenfalls zulegte. "Wir haben ein sehr ausgewogenes Wachstum bei vorhandenen und neuen Kunden, fiktionalen Serien, Reality-TV und Unterhaltungsshows", erklärte Habets. So produziert RTL Fortsetzungen der Agentenserie "Deutschland 83" und der US-Fernsehshow "American Idol". Die Zuwächse bei Fremantle, die die Show produziert, glichen das unter anderem wegen der Fußball-Weltmeisterschaft schwache TV-Geschäft in Deutschland mehr als aus. RTL hatte für die WM keine Rechte.

An einem Kauf des "Big Brother"-Produzenten Endemol, für den RTL als Interessent gehandelt worden war, habe der Konzern kein Interesse mehr, hieß es. Prosiebensat1 will den Ausbau seines Online-Videogeschäfts ebenfalls vorantreiben, um den Verlust vor allem junger Zuschauer an die US-Konkurrenz zu stoppen.

Anti-Youtube-Bündnis aus Deutschland?

Zum Angebot des heimischen Konkurrenten Prosiebensat1, sich an einer gemeinsamen Videoplattform zu beteiligen, äußerte sich Habets unverbindlich. "Wir sind immer sehr aufgeschlossen, was das Ausloten von Partnerschaften betrifft", sagte der RTL-Chef.

"Aber Vorrang hat für uns jetzt, sicherzustellen, dass mögliche Gespräche nicht das Wachstum und die Investitionspläne bei TV Now bremsen." Die französische RTL-Tochter M6 hat allerdings bereits eine Gemeinschaftsplattform mit dem privaten Rivalen TF1 und der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt France Television angekündigt.

Die Aktien der RTL Group sind seit dem Börsengang in Frankfurt vor rund fünf Jahren neben Brüssel und Luxemburg auch in Deutschland notiert. Seit der Platzierung Ende April 2013 stieg der Börsenwert von RTL um knapp 16 Prozent auf zuletzt fast zehn Milliarden Euro. Mit der Entwicklung hinkte das RTL-Papier dem MDax deutlich hinterher, schnitt aber besser ab als die Anteile des Wettbewerbers Prosiebensat1.

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Quelle: n-tv.de, mmo/dpa/rts

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