Wirtschaft

Atmosfair legt um 40 Prozent zu Mehr Passagiere kompensieren ihre Flüge

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Die Hälfte der Deutschen fände es sogar akzeptabel, wenn Tickets für Flüge deutlich mehr kosteten.

(Foto: dpa)

Ganz verzichten wollen die wenigsten auf eine Flugreise, aber immer mehr Menschen gleichen das dadurch verursachte CO2 mit Spenden aus. Klimaschutzorganisationen wie Atmosfair verzeichnen deutliche Zuwächse. Das macht sich auch bei der Lufthansa bemerkbar.

Immer mehr Bürger und Unternehmen spenden an Klimaschutzorganisationen wie Atmosfair, um bei Reisen verursachte Treibhausgase auszugleichen. Besonders durch den heißen und trockenen Sommer 2018 macht sich das bemerkbar. "Wir sehen schon seit dem vergangenen Sommer einen deutlichen Zuwachs", sagt Julia Zhu von der Klimaschutzorganisation Atmosfair. 9,5 Millionen Euro Ausgleichszahlungen seien 2018 bei der Organisation eingegangen, 40 Prozent mehr als im Vorjahr.

Dieser Trend setze sich fort und könnte noch zunehmen. "2019 geht sehr stark weiter, es könnte noch einmal mehr werden als im vergangenen Jahr", sagt Zhu. Die "Welt" berichtet, dass im Jahr 2018 insgesamt knapp eine halbe Million Flüge kompensiert wurden. Im Vergleich zu den insgesamt 120 Millionen Flügen ab Deutschland ist das jedoch nur ein kleiner Teil.

Atmosfair ist einer von mehreren Anbietern, bei denen man Flüge, Kreuzfahrten und anderes "kompensieren" kann, indem man Geld spendet. Damit werden weltweit Projekte etwa zum Energiesparen oder zur Erzeugung von Ökostrom gefördert. Andere Anbieter sind etwa Klima-Kollekte, Primaklima, Myclimate, ClimatePartner, Klimamanufaktur und Arktik. Atmosfair ist nach eigenen Angaben Marktführer in Deutschland. Die Organisation plädiert grundsätzlich dafür, Flüge zu vermeiden oder immerhin zu reduzieren anstatt sie zu kompensieren.

Bei dem kleineren Anbieter Myclimate stieg die Nachfrage sogar noch stärker. Im ersten Quartal 2019 hätten Privatpersonen demnach 220 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum kompensiert, im April sogar 440 Prozent mehr.

Effekt auch bei der Lufthansa - nur andersherum

Dass die Anbieter einen solchen Zuwachs verzeichnen, zeigt sich auch bei der Lufthansa. Dort stieg zwar die Nachfrage nach detaillierten "Green Reports" zu Firmenflügen, so zitiert die "Welt am Sonntag" die Lufthansa-Tochter AirPlus. Mit diesen "Green Reports" könnten Unternehmen nachvollziehen, wie viel klimaschädliche Gase ausgestoßen wurden, um dann bei anderen Dienstleistern wie Atmosfair für Ausgleichsmaßnahmen zu zahlen.

Bei der Lufthansa direkt zahlen immer weniger Fluggäste die freiwilligen Kompensationen, wie die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf die Ökobilanz der Fluglinie berichtete. Die CO2-Kompensation betrug demnach 2018 nur noch 6539 Tonnen, im Vorjahr waren es noch 16.886. Die Geldzahlungen gingen von rund 333.600 Euro auf 127.400 Euro zurück.

Dem Bericht zufolge ist ein Grund für den Rückgang, dass die Lufthansa-Tochter AirPlus ihr Angebot einer speziellen Kreditkarte für Firmenkunden einstellte. Damit konnten Unternehmen bei der Bezahlung des Fluges automatisch die Emissionen ausgleichen lassen und entsprechend mehr zahlen. Die Kreditkarte sei nicht wie erhofft nachgefragt worden. Fortan soll das Angebot zur Kompensation bei dem Anbieter Myclimate direkt in der Lufthansa-Buchungsmaske eingebaut werden.

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sind drei von vier Erwachsenen persönlich bereit, auf Kurzstreckenflüge zu verzichten. Die Hälfte der Deutschen fände es akzeptabel, wenn Tickets für Flugreisen deutlich mehr kosteten. Doch diese Einstellungen scheinen sich nicht im Verzicht aufs Fliegen niederzuschlagen. Nach Einschätzung des Airline-Verbandes IATA wird die globale Passagierzahl jedoch um 5 Prozent auf 4,6 Milliarden zulegen.

Quelle: n-tv.de, aeh/dpa/AFP

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