Wirtschaft

Minus 18 Prozent - war's das? Anleger strafen Curevac ab

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Wie heiß sind die Wetten auf Curevac?

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Die Befürchtungen bewahrheiten sich: Der Impfstoff von Curevac erweist sich als Enttäuschung. Die Bundesregierung plant jetzt ohne das Tübinger Unternehmen. An der Börse wird gleichwohl noch ein Funken Hoffnung gehandelt. "Die Aktie wird zum Spielball der Spekulanten", warnt ntv-Börsenreporterin Corinna Wohlfeil.

Anleger nehmen bei Curevac wieder in Scharen Reißaus. Nachdem sich die enttäuschenden Studienergebnisse des Corona-Impfstoffkandidaten von Mitte Juni bestätigt haben, rauschen die Aktien des Biotech-Unternehmens 18 Prozent in die Tiefe. Die mit Spannung erwartete abschließende Analyse stellt klar: Die Wirksamkeit des Vakzins ist mit lediglich 48 Prozent zu niedrig.

Der mRNA-Impfstoff des Tübinger Unternehmens hat sich damit wie befürchtet als wenig nützlich erwiesen. Das ist eine herbe Enttäuschung, denn die Hoffnungen waren groß, und der Impfstoff bereits fest in die Kampagne der Bundesregierung eingeplant. Der Rückschlag ist vor allem nahezu tragisch, weil Curevac gewissermaßen die mRNA-Technologie erfunden hat.

Doch um auf den Impfstoff zu bauen, ist die Wirksamkeit zu gering. Das gilt sowohl für die Politik, die das Vakzin für 2022 nun schon nicht mehr einplant, als auch für die Börse. Nach einer Phase zwischen Hoffen und Bangen seit Mitte Juni ist die Reaktion der Anleger nun erwartungsgemäß heftig. Schon seit Wochen fährt die Curevac-Aktie Achterbahn. Den Tiefpunkt hatte sie nach dem Schockmoment erreicht, als die Daten der Zwischenanalyse veröffentlicht wurden. Anleger straften das Papier mit einem Kurssturz bis unter 40 Euro ab. Dann ging es wieder aufwärts.

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"Aktie wird zum Spielball der Spekulanten"

Heute hält sich der Kurs über der Marke bei rund 54 Euro. Was Beobachtern zu denken gibt, ist die Schwankungsbreite. Sie lag am Vormittag zwischen minus 10 bis minus 20 Prozent und verheißt damit möglicherweise nichts Gutes. "Die Aktie wird zum Spielball der Spekulanten", sagt ntv-Börsenreporterin Corinna Wohlfeil. Was die Anleger treibt, ist unklar: Ein Grund für Wetten auf steigende Kurse könnte der Hinweis in der finalen Auswertung sein, dass es eine "signifikante Schutzwirkung" bei Studienteilnehmern zwischen 18 und 60 Jahren gibt. Allerdings ist das die Gruppe, die bei einer Corona-Infektion sowieso weniger gefährdet ist.

Konkret heißt es hierzu in der Curevac-Analyse, bei dieser Altersgruppe sei eine Wirksamkeit von immerhin 53 Prozent gegen eine Erkrankung jeglichen Schweregrades und von 77 Prozent gegen moderaten und schweren Krankheitsverlauf festgestellt worden. Vor einem Krankenhausaufenthalt oder Tod seien die geimpften Studienteilnehmer in diesem Alter vollständig geschützt gewesen - sechs Fälle habe es in der Kontrollgruppe gegeben, die ein Placebo erhielten. Bei Studienteilnehmern über 60 Jahren, die neun Prozent der untersuchten Fälle dargestellt hätten, sei derweil keine statistisch eindeutige Bestimmung der Wirksamkeit möglich gewesen.

Das Bundesgesundheitsministerium hat seine Entscheidung getroffen und zum Rückzug geblasen. Curevac gibt sich ungeachtet dessen weiterhin optimistisch. Man stehe mit der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA in laufendem Austausch für die Fortsetzung des Zulassungsverfahrens des Vakzins. Es ist eine schwache Hoffnung. Denn Vorstandschef Franz-Werner Haas hatte selbst vor kurzem gesagt, dass Curevac für einen Zulassungsantrag eine Wirksamkeit von 50 Prozent erreichen müsse.

Eine heiße Wette

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Um den Vertrauensverlust an der Börse auszubügeln, reicht es wohl nicht. Die mRNA-Wettbewerber Biontech und Moderna sind mit ihren Erfolgen bereits weit voraus: Der Biontech-Kurs hat auf Jahressicht 230 Prozent zugelegt, Moderna sogar mehr als 270 Prozent. In beiden Fällen liegt die Wirksamkeit der Impfstoffe deutlich höher. Und selbst wenn Curevac eine Zulassung erhalten sollte, ist der Verkaufserfolg doch eher fraglich. Schließlich ist selbst Konkurrenz, die noch nicht auf dem Markt ist, bereits ein gutes Stück weiter. Der noch nicht zugelassene Impfstoff des US-Pharmakonzerns Novavax beispielsweise soll in einer vergleichbaren klinischen Studie eine deutlich höhere Wirksamkeit von rund 90 Prozent zeigen.

Doch Curevac hat vielleicht noch ein Eisen im Feuer: Ein mRNA-Vakzin der zweiten Generation befindet sich in Kooperation mit GlaxoSmithKline (GSK) noch in der Entwicklung. Daten hierzu gibt es im kommenden Jahr. Aber es könnte auch noch dicker für Curevac kommen. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin prüft derzeit, ob Verdachtsmomente für Marktmissbrauch vorliegen. Grund sind die Kursbewegungen der Aktie nach den ersten enttäuschenden Zwischenergebnissen. Jemand aus den Unternehmen Curevac oder Bayer könnte möglicherweise sein Insiderwissen genutzt und rechtzeitig Aktien abgestoßen haben. Bayer ist Kooperationspartner von Curevac. Angesichts der Gesamtsituation ist für Anleger wohl eher Vorsicht geboten.

Quelle: ntv.de

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