Wirtschaft

Zahlte Betreiber Lösegeld? Nach Pipeline-Hack fließt wieder Treibstoff

299f4dba276cf8104338a1f426b84c30.jpg

Vielerorts konnten Tankstellen ihren Kunden kein Benzin anbieten.

(Foto: REUTERS)

Die Hackergruppe "Dark Side" sorgt mit ihrem Angriff auf den Pipeline-Betreiber Colonial für Chaos in den USA. Mehrere Bundesstaaten rufen angesichts von Versorgungsengpässen den Notstand aus. Kunden hamstern Benzin. Nun könnte sich die Lage langsam entspannen.

Nach Panik-Benzinkäufen nach dem Hackerangriff auf eine US-Pipeline deutet sich eine Entspannung der Lage an: Der Pipeline-Betreiber Colonial hat die Versorgung von Kunden mit Treibstoff inzwischen wieder aufgenommen. "Colonial Pipeline hat bedeutende Fortschritte gemacht, unser Pipeline-System sicher neu zu starten", erklärte das Unternehmen. "Die Produktlieferung hat in einer Mehrheit der Märkte begonnen, die wir beliefern."

Bis zu einer Normalisierung der Lage könnten aber noch Tage oder gar Wochen vergehen. Tausenden Tankstellen im Osten der USA ist der Treibstoff ausgegangen. Vor Zapfsäulen haben sich lange Schlangen gebildet, weil Autofahrer Panik-Käufe tätigen.

Das trieb teils skurrile Blüten: Die Behörden warnten Autofahrer davor, Benzin in Plastiktüten zu füllen, nachdem entsprechende Bilder auf Online-Plattformen zirkuliert sind. Verkehrsminister Pete Buttigieg sagte, Treibstoff dürfe nur direkt in den Tank oder in zugelassene Behälter gefüllt werden. "Jetzt ist der Moment, vorsichtig und vernünftig zu sein." Die Verbraucherschutzbehörde CPSC warnte vor potenziell "tödlichen Konsequenzen": "Füllen Sie keine Plastiktüten mit Benzin. Wir wissen, das klingt einfach, aber wenn Menschen verzweifelt sind, denken sie nicht mehr klar."

US-Präsident Joe Biden richtete deswegen einen Appell an seine Landsleute: "Kaufen Sie in den nächsten Tagen nicht mehr Benzin, als Sie brauchen", sagte er im Weißen Haus. Die Versorgung werde sich in den kommenden Tagen wieder normalisieren und "Panikkäufe werden das nur hinauszögern". Schlangen an Tankstellen zu sehen, sei beängstigend, räumte er ein. Das wichtigste sei nun aber, "nicht in Panik zu verfallen".

Colonial Pipeline war vergangene Woche Ziel eines Angriffs mit einem Erpressungstrojaner geworden. Die vom Volumen her größte Pipeline der USA, die von Houston im Bundesstaat Texas bis in den Großraum New York führt, wurde deswegen vorübergehend stillgelegt. Das führte zu Versorgungsengpässen in Bundesstaaten wie Florida, Georgia, Virginia und Maryland. Einige Gouverneure riefen den Notstand aus - was viele Autofahrer aber erst recht zu Hamsterkäufen zu veranlassen schien.

Angesichts der Versorgungsengpässe stieg der Benzinpreis im landesweiten Schnitt erstmals seit 2014 wieder auf mehr als drei Dollar (rund 2,50 Euro) pro Gallone. Für deutsche Verhältnisse wäre das immer noch sehr günstig: Eine Gallone entspricht knapp 3,8 Litern. "Jetzt kühlen sich die Dinge mit einiger Verbesserung ab", schrieb Patrick De Haan von der spezialisierten Website Gasbuddy auf Twitter. Bis zu einer vollständigen Normalisierung der Lage könnten aber Wochen vergehen: "Die Fortschritte könnten langsam sein."

Bericht über Zahlung von fünf Millionen Dollar

Die US-Bundespolizei FBI macht für den Angriff eine Hackergruppe namens "Dark Side" verantwortlich. Nach Überzeugung der Regierung leben die Kriminellen in Russland. Dafür gebe es starke Anhaltspunkte, sagte Präsident Biden. Moskau sei aber nicht in den Angriff verwickelt gewesen. "Wir glauben nicht, dass die russische Regierung in diesen Angriff involviert war." Die USA hätten Russland aber aufgefordert, gegen die Täter und solche Cyberangriffe und Erpressungsversuche vorzugehen, sagte der Staatschef.

Mehr zum Thema

Die Angreifer nutzten eine sogenannte Ransomware. Mit einem solchen Schadprogramm versuchen Hacker, Computersysteme zu sperren oder zu verschlüsseln und von den Nutzern Geld für die Freigabe der Daten zu erpressen. Einem Bericht der Finanznachrichtenagentur Bloomberg zufolge zahlte die Betreibergesellschaft Colonial den osteuropäischen Erpressern tatsächlich fast fünf Millionen Dollar. Das Unternehmen habe den Betrag nur Stunden nach der Attacke in Form einer nicht zurückverfolgbaren Kryptowährung übermittelt, hieß es unter Berufung auf zwei mit dem Vorgang vertraute Personen.

Danach hätten die Hacker Colonial ein Hilfsmittel zur Entschlüsselung zur Verfügung gestellt, um das außer Betrieb gesetzte Computersystem wiederherstellen zu können. Doch dieses habe nur langsam funktioniert, daher habe der Pipeline-Betreiber schließlich auf eigene Datensicherungsinstrumente zurückgegriffen. Von Colonial war bislang keine Stellungnahme zu erhalten.

Quelle: ntv.de, fzö/AFP/rts/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.