Wirtschaft

Aufarbeitung des Offshore-Skandals Nobelpreisträger attackiert Panama

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"Erstaunlich, wie sie versucht haben, uns zu behindern" - Joseph Stiglitz hatte den Versprechen der panamaischen Regierung vertraut.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nach der weltweiten Empörung über die "Panama Papers" engagiert die Regierung renommierte Berater für eine Reform ihres Finanzwesens. Doch zwei der Experten treten nun im Streit zurück und erheben schwere Vorwürfe.

Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz hat Panamas Regierung scharf kritisiert und die Ernsthaftigkeit angezweifelt, mit der sie versucht, den Finanzsektor nach dem Skandal der sogenannten "Panama Papers" zu reformieren. Zugleich trat er aus einem internationalen Komitee zurück, das die Regierung bei ihren Reformbemühungen beraten sollte. "Ich dachte, die Regierung sei entschlossener, aber in Wirklichkeit ist sie es nicht", sagte Stiglitz der Nachrichtenagentur Reuters. "Es ist erstaunlich, wie sie versucht haben, uns zu behindern."

Die angeblich unabhängige Kommission mit sieben Mitgliedern war gegründet worden, nachdem im vergangenen April die Veröffentlichungen von Millionen von Dokumenten zu von Panama aus verwalteten Briefkasten- und Scheinfirmen weltweit für Empörung gesorgt hatten. Neben Stieglitz trat auch der Schweizer Anti-Korruptionsexperte Mark Pieth aus dem Gremium zurück.

Nach Stiglitz' Darstellung hatte die Regierung dem Komitee anfangs volle Unabhängigkeit versprochen. Vergangene Woche jedoch sei den Mitgliedern mitgeteilt worden, dass anders als vereinbart, ihr Abschlussbericht nicht in jedem Fall veröffentlicht werden solle. "Wir können nur annhemen, dass die Regierung unter Druck geraten ist von denjenigen, die von dem derzeitigen intransparenten Finanzsystem in Panama profitieren", sagte Stiglitz.

Beweise für schwere Verbrechen

Auch Pieth, hauptberuflich Strafrechtsprofessor in Basel, erhob schwere Vorwürfe gegen die Führung in Panama. "Wir wurden gefragt, ihnen einen Gefallen zu tun. Wir wurden zunächst den Medien weltweit vorgeführt, und dann werden wir aufgefordert, den Mund zu halten, wenn ihnen etwas nicht gefällt", sagte Pieth Reuters.

Pieth sagte weiter, die Papiere enthielten Beweise für schwere Verbrechen wie Geldwäsche für Gewinne aus Kinderprostitution. "Ich habe mir die sogenannten Panama Papiere genau angeschaut. Ich muss zugeben, dass selbst mich als Experten für Organisiertes Verbrechen und Wirtschaftskriminalität überrascht hat, so viel von dem, worüber wir oft in der Theorie sprechen, in der Praxis bestätigt zu sehen."  

Panamas Regierung ging auf die Vorwürfe nicht ein. In einer Mitteilung bedauerte die Regierung lediglich die Rücktritte von Stiglitz und Pieth und führte sie auf "interne Differenzen" in der Kommission zurück. Laut einem weiteren Mitglied der Kommission wollen die verbliebenen fünf die Arbeit des Gremiums fortsetzen.

Quelle: n-tv.de, mbo/rts

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