Profiteure des Iran-KriegsÖlkonzerne fahren satte Gewinne ein

In den vergangenen Tagen melden bereits Shell sowie ExxonMobil und Chevron in den USA hohe Profite. Nun legen BP und Aramco nach. Doch der BP-Chefin reicht das nicht.
Die stark gestiegenen Ölpreise füllen die Kassen der Ölkonzerne. Der Gewinn des britischen Mineralölkonzerns BP stieg im zweiten Quartal um mehr als das Doppelte, der saudi-arabische Ölriese Aramco steigerte seinen Gewinn um 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.
Aramco, eines der wertvollsten Unternehmen der Welt, teilte mit, der Gewinn sei im zweiten Quartal auf 122,6 Milliarden Riyal (32,7 Milliarden Dollar) gestiegen. "Trotz der beispiellosen Versorgungsstörungen über die Straße von Hormus haben wir erneut unter Beweis gestellt, dass wir in der Lage sind, die Kontinuität unserer Geschäftstätigkeit zu gewährleisten", erklärte Aramco-Chef Amin Nasser. Aramco lieferte täglich Millionen Liter Rohöl über die Ost-West-Pipeline. Sie verbindet die Anlagen des Unternehmens am Persischen Golf mit den Exportterminals am Roten Meer.
BP teilte mit, der Gewinn sei auf 3,9 Milliarden Dollar (3,4 Milliarden Euro) gestiegen, der Umsatz um 47 Prozent auf 70,1 Milliarden Dollar. Die Ergebnisse von April bis Juni spiegelten die höheren Verkaufspreise für Öl und Gas wider. Grund seien aber auch "verbesserte Raffineriemargen und eine bessere Leistung im Kundengeschäft".
Die neue BP-Konzernchefin Meg O'Neill, die seit April im Amt ist, schlug allerdings auch selbstkritische Töne an und stellte eine Neuausrichtung in Aussicht. "Wir schöpfen unser Potenzial nicht aus", sagte sie. "Unsere Leistung in den vergangenen Jahren hat unsere eigenen Erwartungen nicht erfüllt, geschweige denn die unserer Aktionäre." Sie legte fünf Prioritäten für BP fest, die unter anderem eine Stärkung der Bilanz, eine Vereinfachung des Portfolios und eine höhere Investitionsdisziplin umfassen, um die Ertragskraft des Konzerns zu verbessern.
Teil des neuen Kurses sei eine weitere Abkehr von der bisherigen Erneuerbare-Energien-Strategie. So habe BP den Verkauf seines US-Biogas-Geschäfts Archaea eingeleitet, das erst 2022 für 4,1 Milliarden Dollar erworben worden war. Am Freitag hatten die Briten den Rückzug aus der Öl- und Gasförderung in der heimischen Nordsee angekündigt. Für das laufende Jahr rechnet BP nun mit Investitionen in Höhe von 13,5 bis 14 Milliarden Dollar, was über den bisherigen Planungen liegt.
Chevron verfünffacht sogar Gewinn
Mehrere Ölkonzerne haben bereits hohe Gewinne im zweiten Quartal von April bis Juni gemeldet. Shell verdreifachte seinen Gewinn auf 10,8 Milliarden Dollar (rund 9,4 Milliarden Euro) im zweiten Quartal, wie das Unternehmen am Donnerstag bekannt gab. Am Freitag veröffentlichten die US-Konzerne ExxonMobil und Chevron ihre Quartalszahlen - ExxonMobil konnte den Gewinn auf 14,5 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln, Chevron verfünffachte den Gewinn auf 12,1 Milliarden Dollar.
US-Präsident Donald Trump sagte am Montag, die Ölkonzerne machten "zuviel Geld". Das gefalle ihm nicht. In den USA sind die Spritpreise seit Beginn des Iran-Kriegs um mehr als 37 Prozent gestiegen - für Trump und seine Republikaner ein Problem vor den Kongresswahlen im November.