Wirtschaft

Bei neuer Finanzkrise Ökonom bringt Minuszinsen ins Gespräch

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"Eines Tages werden wir eine neue schwere Finanzkrise bekommen."

(Foto: picture alliance / dpa)

Drastische Minuszinsen sowie nur kleine Geldscheine und Münzen: Diese Maßnahmen verlangt Ex-IWF-Chefökonom Rogoff beim Ausbruch einer neuen Finanzkrise. Zudem fordert er eine weitgehende Abschaffung des Bargelds.

Der frühere IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff fordert drastische Minuszinsen im Falle einer erneuten Finanzkrise. Zudem sollen Sparer nicht mehr auf Bargeld ausweichen können: Die verfügbaren Geldscheine sollten sich auf Kleinstbeträge von 20ern bis hin zu Münzen beschränken, sagte Rogoff der "Welt am Sonntag".

Rogoff, der an der US-Eliteuniversitat Harvard lehrt, hält es für wünschenswert, dass Zentralbanken Negativzinsen von bis zu minus 6 Prozent einführen: "Eines Tages werden wir eine neue schwere Finanzkrise bekommen und dann könnten wir negative Zinsen von minus 6 oder minus 5 Prozent brauchen, um schnell aus der Krise zu kommen." Allerdings rechnet er damit, dass es bis zu einer Koordination der Zentralbanken noch rund 15 oder 20 Jahre brauche.

Die Forderung nach einer weitgehenden Abschaffung des Bargelds begründet Rogoff mit Kriminalität und Steuerhinterziehung: Nur ein ganz kleiner Teil der Scheine mit hohem Nennwert werde legal genutzt, "der Rest kursiert unter Kriminellen, Handwerkern, die schwarz arbeiten, und Menschen, die ihre Steuern nicht gezahlt haben".

Rogoff begrüßte zwar, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den 500-Euro-Schein abschafft, sieht diese Entscheidung allerdings nur als einen ersten Schritt hin zu einer Wirtschaft mit sehr viel weniger Bargeld. "Es bringt nicht viel, nur den 500er abzuschaffen, solange es noch 100er und 200er gibt. Beide Scheine müssen als Nächstes gehen". Die Nutzung kleinerer Scheine gesteht er den Barzahlern immerhin noch zu: Der 10er sollte für kleinere Ausgaben beibehalten werden, der 20er "möglicherweise" auch sowie Münzen.

Quelle: n-tv.de, wne/DJ

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