Tarifverhandlungen gescheitert Piloten machen sich bei Lufthansa-Tochter Cityline streikbereit

Erst vergangene Woche legen Lufthansa-Piloten ihre Arbeit nieder und fordern höhere Löhne. Mehrere Hundert Flüge fallen aus, rund 100.000 Passagiere sind betroffen. Nun droht auch bei der Tochtergesellschaft Cityline eine Arbeitsniederlegung.
Nach dem Pilotenstreik bei der Lufthansa-Kerngesellschaft droht auch bei der Regionaltochter Lufthansa Cityline in absehbarer Zeit ein Arbeitskampf. Nach ergebnislosen Gehaltsverhandlungen hat die Tarifkommission beim Vorstand der Vereinigung Cockpit (VC) die Urabstimmung über einen Streik beantragt. Dessen Entscheidung wird laut VC noch in dieser Woche erwartet.
Die Verhandlungen waren im August 2025 gestartet. Trotz mehrerer Verhandlungsrunden habe bis zuletzt kein verhandlungsfähiges Angebot der Fluggesellschaft vorgelegen. "Statt konkreter Verbesserungen beharrte die Arbeitgeberseite darauf, dass jede Erhöhung der Vergütung an anderer Stelle kompensiert werden müsse", erklärte VC-Verhandlungsführerin Tanja Viehl. "Wer Verbesserungen nur unter dem Vorbehalt von Einschnitten an anderer Stelle anbietet, meint keine Verbesserung, sondern eine Nullrunde mit Umverteilung."
Cityline verbindet Ziele in Europa mit den Drehkreuzen München und Frankfurt. Im Einsatz sind rund 30 Flugzeuge. VC fordert eine Lohnerhöhung von jeweils 3,3 Prozent rückwirkend zum 1. Februar 2024, zum 1. Januar 2025 und zum 1. Januar 2026. Die Pilotinnen und Piloten "sind bereit, geschlossen für ihre Vergütungsbedingungen einzutreten", erklärte Viehl. Sie betonte gleichzeitig, dass VC "jederzeit zu konstruktiven Sondierungsgesprächen bereit" bleibe.
Vorige Woche gab es bereits einen eintägigen Streik der Piloten bei der Kernmarke Lufthansa und deren Frachttochter Cargo. Dazu kam zeitgleich ein Arbeitskampf des Kabinenpersonals bei der Kernmarke (Lufthansa Classic) sowie bei der Cityline. Es fielen insgesamt rund 800 Flüge aus, und etwa 100.000 Passagiere waren betroffen.
Auflösung der Regionaltochter
Der Betrieb der Regionaltochter Cityline soll nach Aussagen des Konzern-Managements im kommenden Jahr auslaufen. Ihre Verbindungen sollen bis dann auf die neue Unternehmenstochter Lufthansa City Airlines übergehen. Laut VC hat dieser Umstand aber nichts mit den laufenden Tarifverhandlungen zu tun.
Die VC erklärte, selbst wenn der Konzern unternehmerische Entscheidungen über die Zukunft einzelner Flugbetriebe treffe, entbinde dies nicht von der Verantwortung, laufende Tarifverhandlungen ernsthaft und konstruktiv zu führen. Die Gewerkschaft bleibt nach eigenen Angaben "jederzeit zu konstruktiven Sondierungsgesprächen bereit". Voraussetzung dafür sei jedoch die Bereitschaft des Arbeitgebers, "tatsächliche Verbesserungen anzubieten - ohne versteckte Gegenfinanzierung und ohne taktische Verzögerung".
Unabhängig von den Piloten hat die Kabinengewerkschaft Ufo in der vergangenen Woche einen Warnstreik auch bei der Cityline abgehalten. Sie will einen tariflichen Sozialplan für die Beschäftigten erzwingen.