Wirtschaft

"Wir müssen aufpassen" Coba-Chef warnt Kleinsparer

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"Wir werden noch mindestens ein, zwei Jahre niedrige Zinsen haben": Martin Blessing (Archivbild).

(Foto: dpa)

Mit einem flammenden Appell wendet sich Commerzbank-Chef Blessing an die deutsche Öffentlichkeit: Der Mann an der Spitze der zweitgrößten Bank Deutschlands fürchtet angesichts dauerhaft niedriger Zinsen die Gefahr neuer spekulativer Übertreibungen.

Die Lage ist offenbar ernst: Commerzbank-Chef Martin Blessing warnt vor einer möglichen Überhitzung an den Finanz- und Immobilienmärkten. "Wir werden noch mindestens ein, zwei Jahre niedrige Zinsen haben. Wir müssen aufpassen, dass sich dadurch an den Immobilien- oder Finanzmärkten keine neuen spekulativen Übertreibungen bilden", erklärte Blessing der "Bild"-Zeitung.

Der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) für den Euroraum liegt bereits seit November auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent. Wenn die Zinsen weiter so niedrig blieben, würden am Ende die Sparer weniger haben, sagte Blessing weiter.

Der Chef der zweitgrößten Bank Deutschlands appellierte an die Bundesregierung, die Lage der Kleinsparer ernstzunehmen. Von der Politik forderte er vor allem Reformen: "Der Staat soll seine Strukturreformen voranbringen, damit hilft er allen Sparern am meisten."

Für die private Altersvorsorge sieht er keine konkreten Risiken. "Die Lebensversicherung ist nicht gefährdet", betonte Blessing. Eine weitere staatliche Förderung lehnte er ab. "Je mehr staatliche Eingriffe es gibt, desto schwieriger wird eine sinnvolle und bezahlbare Altersvorsorge", mahnte Blessing.

Bafin beäugt die Versicherer

Welche volkswirtschaftliche Schäden die Dauerniedrigzinsen im Markt mittlerweile anrichten, lässt sich auch anhand einer Warnung von ganz anderer Stelle erkennen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) fürchtet, dass das historisch niedrige Zinsniveau durchaus auch größere Versicherer in Bedrängnis bringen könnte.

"Die Gleichung 'Groß entspricht gut und klein ist gefährdet' ist so pauschal keinesfalls zutreffend", sagte der Chef der Versicherungsaufsicht bei der Bafin, Felix Hufeld, der "Welt am Sonntag". Es gebe eine Vielzahl kleinerer Versicherer, die sehr solide seien. "Und es kann durchaus größere geben, die durch eine Kombination aus falscher Anlagepolitik, hohen Kosten und teuren Garantien aus der Vergangenheit größere Aufgaben vor sich haben."

Kein "Stroh" zu Gold

Die niedrigen Zinsen auf sichere Wertpapiere belasten die Branche zunehmend, weil die Versicherer den Kunden langfristige Zinsgarantien gegeben haben, die teilweise über Jahrzehnte gelten. "Kurz- bis mittelfristig ist die Branche stabil, aber langfristig kann niemand aus Stroh Gold machen, auch die Lebensversicherer nicht", sagte Hufeld.

Die Versicherer müssten die Kosten weiter senken. Das sei sehr schmerzhaft, da in der Verwaltung bereits viel gespart worden sei. "Die Vertriebskosten sind zwar absolut nicht gestiegen, doch verglichen mit der gesunkenen Marge ist ihr Anteil bei der Lebensversicherung zu hoch", sagte Hufeld.

Er forderte die Branche auf, neue Produkte zu entwickeln. Große Versicherer wie die Allianz und Ergo haben bereits alternative Produkte eingeführt, bei denen sie Kunden nicht mehr die üblichen lebenslangen Garantien geben und ihnen dafür mehr Rendite versprechen.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/rts