Wirtschaft

Geglückter Rosneft-Deal Russland umgeht westliche Sanktionen

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Kann sich freuen: Rosneft-Chef Igor Setschin hätte wohl einspringen müssen, wäre nicht rechtzeitig ein Käufer gefunden worden.

(Foto: REUTERS)

In letzter Minute kann Russland Anteile am Staatskonzern Rosneft zu Geld machen und seinen löchrigen Haushalt stopfen. Aber der Deal mit Glencore und Katar ist nicht nur eine finanzielle Lösung.

Der Verkauf von Anteilen des staatlichen Ölkonzerns Rosneft an den Rohstoffkonzern Glencore und das Emirat Katar ist ein voller Erfolg für Russlands Präsident Wladimir Putin - in finanzieller wie in politischer Hinsicht. Der katarische Staatsfonds und Glencore übernehmen je 9,75 Prozent und damit insgesamt 19,5 Prozent an Rosneft. Dies spült umgerechnet 10,5 Milliarden Euro in die Kasse des Staates, wie Rosneft-Chef Igor Setschin sagte. Die Investoren finanzierten den Kauf teils aus Eigenmitteln, teils aus Krediten.

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Der finanzielle Erfolg des für viele überraschenden Coups beruht für Putin darin, dass die Regierung nun Löcher im russischen Haushalt stopfen kann. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Rosneft-Anteile waren bereits für die Haushaltsplanung im laufenden Jahr vorgesehen, wie Sergey Rozhenko, Manager der Consultingagentur Arup, gegenüber dem "Standard" sagte. Wäre der Deal nicht bis zum Jahresende abgeschlossen worden, hätte die Regierung das von Putin ausgegebene Defizitziel von 3,7 Prozent verfehlt.

Hauptursache für die klamme russische Staatskasse ist der weiterhin niedrige Ölpreis. Putin will den darunter leidenden Staatshaushalt offenbar aber nicht über Schulden finanzieren. Er habe eine Abneigung gegen neue Schulden, gerade in einem Umfeld, in dem die Anleihemärkte nicht besonders einladend erschienen, kommentierte Leonid Bershidsky bei "Bloomberg".

Ineffizienz der Sanktionen

Als Alternativen galten ein Einstieg des kasachischen Staatsunternehmens Kasmunaigas, der chinesischen Sinopec und der russischen Ölkonzerne Surguteftegas und Lukoil, zuletzt aber vor allem der Ankauf des staatlichen Aktienpakets durch Rosneft selbst. Genug Liquidität wäre für Letzteres zwar vorhanden gewesen. Doch Rosneft-Chef Setschin hätte die Bargeld-Reserven des Konzerns in Höhe von umgerechnet 18 Milliarden Euro anzapfen oder neue Schulden aufnehmen müssen, was beides wenig verlockend erschien. Dennoch soll der jetzige Deal wohl aber auf Kosten der Bewertung von Rosneft gegangen sein, wie aus der russischen Industrie und Finanzwelt verlautete. Denn bei dem Verkauf seien Firmenanteile niedriger bewertet worden als in der Vergangenheit.

Gewiss ist der Deal aber auch ein politischer Erfolg für den Kreml: Denn er offenbart die Ineffizienz westlicher Sanktionen, die im Zuge der Krimkrise gegen die russische Öl- und Gas-Industrie verhängt wurden. Diese verbieten zwar Investitionen in Projekte mit Rosneft und auch den Verkauf bestimmter Technologien für die Exploration und Förderung von Öl. Beteiligung von Investoren aus den USA oder Europa am Aktienkapital sind offenbar jedoch kein Problem.

Waren westliche Banken angesichts der Sanktionen bisher misstrauisch gegenüber Deals mit staatlich kontrollierten russischen Konzernen, könnte sich dies nach dem Rosneft-Geschäft ändern. Bei diesem soll laut Medienberichten bereits die italienische Bank Intesa Sanpaolo mitmischen, welche sowohl Glencore als auch Katar bei der Finanzierung des Aktienkaufs unterstützen soll.

Russlands Ölindustrie wieder attraktiv

Der Name Glencore ist aus russischer Sicht "das Sahnehäubchen auf dem Deal", schreibt Bershidsky: Der Rohstoffhändler habe seinen Hauptsitz zwar in der Schweiz, ist aber ein wichtiger Teil der westlichen Industrie. Der Glaube von Glencore-Chef Ivan Glasenberg an den Erfolg dieses Engagements sei ein Signal an die Märkte. "Die Russische Förderindustrie ist zurück auf der Landkarte als ein attraktiver Ort für Investitionen, trotz der seit zwei Jahren bestehenden US-europäischen-Sanktionen", kommentierte auch Michael Moynihan, Russland-Analyst beim Beratungsunternehmen Wood Mackenzie.

Der Aktienmarkt reagierte prompt: Die an der Moskauer Börse gehandelten Rosneft-Aktien schossen am Donnerstag um mehr als sechs Prozent nach oben. Zum Wochenschluss kamen sie jedoch zuletzt etwas zurück. Russische Ölfirmen seien wegen des niedrigen Ölpreises und der westlichen Sanktionen eher unterbewertet, sagte der Analyst Waleri Nesterow von der Sberbank der Zeitung "Wedomosti". Dies könne sich aber ändern. Russland will in Absprache mit dem Ölkartell Opec die Förderung drosseln, damit die Weltmarktpreise wieder steigen.

Größter Eigner bei Rosneft bleibt auch nach dem Deal mit Glencore und Katar der russische Staat, vertreten durch die Holding Rosneftegas, mit 50 Prozent plus einer Aktie. Der britische Energieriese BP hält 19,75 Prozent. Glencore ist seit längerem in Russland aktiv und besitzt auch Anteile an der Ölfirma Russneft (25 Prozent) und dem Aluminiumproduzenten Rusal (10 Prozent). Der Staatsfonds aus Katar ist am Flughafen von St. Petersburg beteiligt und steigt nun erstmals in die russische Energiebranche ein.

Quelle: ntv.de

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