Wirtschaft

Minus von mehr als 20 Prozent S&P-500 mit schwachem ersten Halbjahr

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Auch die veröffentlichten US-Konjunkturdaten trugen an der Wall Street nicht zur Entspannung bei.

(Foto: IMAGO/Xinhua)

Zinssorgen halten die Wall Street fest im Griff. Für die erste Jahreshälfte fallen die Kurseinbußen aufgrund von Konjunktur- und Inflationsängsten so hoch aus wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Der marktbreiten S&P-500 verzeichnet die schwächste Entwicklung in den ersten sechs Monaten seit 1970.

Zum Halbjahresende hat die Wall Street mit einer negativen Tendenz geschlossen. Die anhaltenden Ängste vor weiteren Zinserhöhungen durch die US-Notenbank und das sich daraus ergebende Risiko einer Rezession hatten den Markt weiterhin fest im Griff. Daneben sorgten auch die veröffentlichten US-Konjunkturdaten für keine Entspannung. Zudem dürften verstärkte Umschichtungen zum Halbjahres- und Quartalsende das Sentiment belastet haben, hieß es.

Der Dow-Jones-Index verlor 0,8 Prozent auf 30.775 Punkte, nachdem er im Tagestief schon bis auf 30.432 Punkte abgerutscht war. Der S&P-500 gab um 0,9 Prozent nach und der Nasdaq-Composite reduzierte sich um 1,3 Prozent. Der S&P-500 verzeichnete mit einem Minus von mehr als 20 Prozent das schwächste erste Halbjahr seit 1970. Es gab dabei 1282 (Mittwoch: 1144) Kursgewinner und 2007 (2059) -verlierer. Unverändert schlossen 140 (146) Titel.

S&P 500
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Im Blick standen dabei die wichtigen Teuerungsdaten. Der PCE-Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben ist in der Kernrate auf Jahresbasis etwas niedriger ausgefallen als noch im Vormonat. Auf Monatsbasis hat er allerdings in der Nichtkernrate deutlich zugelegt. Die gemischt ausgefallenen Daten werden genau beobachtet, da dieser PCE-Preisindex der bevorzugte Inflationsindikator der Fed ist. Für Enttäuschung sorgte auch der Chicago Einkaufsmanagerindex. Er ist im Juni etwas stärker gefallen als erwartet.

"Ich glaube nicht, dass sich Aktien erholen werden, solange der US-Zinsmarkt keine bedeutenden Zinssenkungen der Fed einpreist", so Stephen Innes von SPI Asset Management. "Die Zinserwartung der Fed ist in den vergangenen Wochen zurückgegangen - von einem Höchststand von 4 Prozent auf etwa 3,50 Prozent. Aber das ist eine Menge Zinserhöhungsrisiko, das der Markt verdauen muss", so der Teilnehmer weiter.

Dollar mit Abgaben

Der Dollar gab zwischenzeitliche Gewinne mit den Preisdaten wieder ab. Der Dollar-Index fiel um 0,3 Prozent. Der Greenback könnte in nächster Zeit fest tendieren, da die US-Notenbank die Zinssätze deutlich anhebt, aber es ist unwahrscheinlich, dass dies von Dauer ist, hieß es von Indosuez Wealth Management. Die Dollar-Stärke dürfte so lange anhalten, bis die Inflation in den USA ihren Höhepunkt erreicht oder bis die Fed ihre Haltung ändert, wobei die Möglichkeit einer Rezession in Betracht gezogen wird, so die Analysten.

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 96,42

Mit deutlichen Aufschlägen zeigten sich die Anleihen. Die Zehnjahresrendite reduzierte sich um 9,1 Basispunkte auf 3,0 Prozent und fiel im Verlauf sogar unter die Marke von 3,0 Prozent. Händler sprachen vor einer weiter erhöhten Sorge vor einem konjunkturellen Abschwung, was dem "sicheren Hafen" Anleihen kräftigen Zulauf beschert habe. Die Zehnjahresrendite habe in den vergangenen Wochen vor diesem Hintergrund kontinuierlich nachgegeben, hieß es. Am 14. Juni hatte diese noch bei 3,48 Prozent gelegen.

Die Ölpreise gaben weiter nach. Hier ging es um bis zu 3,6 Prozent bergab. Am Vortag hatten die wöchentlichen US-Lagerdaten gezeigt, dass sich die Benzinnachfrage nicht erhöht, sondern reduziert hat. Der Markt sieht zudem den anstehenden Besuch von US-Präsident Joe Biden in Saudi-Arabien als einen möglichen Plan Washingtons, die Saudis davon zu überzeugen, mehr Öl zu fördern, obwohl die US-Regierung darauf besteht, dass es bei dem Treffen nicht um dieses Thema geht, hieß es.

Der Goldpreis verzeichnete den vierten Handelstag in Folge Abgaben. Ein "starker US-Dollar und steigende Zinserwartungen belasten das Edelmetall weiterhin, wobei Gold erneut nicht von der anhaltenden Risikoaversion an den Märkten profitieren konnte", so Fawad Razaqzada, Marktanalyst bei City Index und FOREX.com.

Pfizer und Biontech steigen

Walgreens Boots Alliance (-7,3 Prozent) hat zwar die Prognosen übertroffen. Doch das reichte nicht für ein Kursplus, zumal der Gewinn deutlich gegenüber dem Vorjahr zurückging. Mit dem Aktienkurs von Universal Health Services ging es 6,1 Prozent nach unten, nachdem der Betreiber von Kliniken seine Ergebnisprognose für das zweite Quartal gesenkt hat.

Biontech
Biontech 156,30

Die Kooperationspartner bei Corona-Impfstoffen, Pfizer und Biontech, haben mit der US-Regierung eine Abmachung zur Lieferung von 105 Millionen Impfdosen für 3,2 Milliarden Dollar getroffen. Zudem erhält die Regierung die Option zur Lieferung weiterer Dosen. Pfizer gewannen 2,9 Prozent, Biontech stiegen um 5,0 Prozent.

Der Ölkonzern Exxon Mobil verkauft sein kanadisches Schiefergasgeschäft für rund 1,5 Milliarden Dollar an den kanadischen Konkurrenten Whitecap Resources. Damit zieht sich der Ölriese aus Regionen zurück, die reich an Erdgas sind, aber relativ abgelegen, und in denen Pipelines und andere Infrastruktur fehlen. Der Kurs gab um 2,8 Prozent nach.

Quelle: ntv.de, chf/DJ

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