Wirtschaft

Klatsche für die "Heuschrecke" S&P stuft Carl Icahn auf Ramsch

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Carl Icahn

(Foto: REUTERS)

Es ist ein bisschen verkehrte Welt, denn eigentlich ist es Mulitmilliardär Icahn, der immer bei Unternehmen Druck macht. Jetzt bekommt der aggressive Starinvestor plötzlich selber welchen.

Carl Icahn ist der wilde Mann der Wall Street - auch mit 80 Jahren. Günstig kaufen, zerschlagen, teuer verkaufen - mit diesem Geschäftsprinzip scheffelte der umstrittene US-Investor bis heute Milliarden. Die Meinung anderer hat ihn in seiner Karriere nicht geschert. Die jüngste Einschätzung der Bonitätswächter von S&P dürfte den zwanghaften Investor nun aber doch interessieren - denn sie wird ihn Geld kosten.

Icahn Enterprises
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Die Ratingagentur hat seine Holding "Icahn Enterprises" (IEP) auf Junk-Status herabgestuft. IEP ist das Vehikel für Icahns Firmenbeteiligungen. Die Holding investiert in Automotive, Energie, die Spieleindustrie, Eisenbahnwaggons, Rohstoffe (Metalle), Immobilien, Ernährungsverpackungen und Home Fashion. Als Grund für die Herabstufung gab S&P eine Verschlechterung der "Loan to Value"-Ratio (LTV) an. Durch das LTV-Ratio wird das Beleihungsrisiko eines Kredites bewertet. Das heißt, die Ratingagentur schätzt das Kreditrisiko in Icahns Holdingesellschaft mittlerweile als besonders hoch ein.

Verschlechtert hat sich die Bonität offenbar unter anderem durch missglückte Wetten im Energiesektor. Laut S&P soll sich der Wert der Anlagen in der Holding allein in den letzten eineinhalb Monaten um 600 Millionen Dollar reduziert haben. Die Lage hätte sich vor allem wegen Problemen mit Positionen in Firmen wie der Öl-Holding "CVR Energy" oder dem Hersteller von Zug- und Autokomponenten, "Federal-Mogul", verschlechtert, heißt es. Außerdem seien die Cash-Reserven zu niedrig, erklärte S&P in einer Stellungsnahme.

Es wird bereits spekuliert, dass Icahn sein Kasino-Hotel Fontainebleau in Las Vegas verkaufen könnte, um seine klammen Kassen aufzufüllen. Der Multimilliardär hatte die Bauruine bei einer Zwangsversteigerung 2010 zum Spottpreis von 150 Millionen Dollar gekauft. Vergangenen November beauftragte er die Immobilienfirma CBRE Group mit einer Markteinschätzung. CBRE schätzte das Ressort damals auf 650 Millionen Dollar. Laut S&P würde Icahns Firma aber auch ein Notverkauf nicht helfen. Die Experten befürchten, dass er Bares sofort wieder in neue Firmen investieren könnte - statt Cash vorrätig zu halten.

Hier raus, da rein: AIG statt Apple?

Die Nachricht über klamme Kassen bei Icahn zu diesem Zeitpunkt kommt überraschend. Denn eigentlich müsste die Kriegskasse nach seinem Komplettausstieg bei Apple Ende April prall gefüllt sein. Der umtriebige Investor hatte seine Anteile erst vor einem Monat verkauft. Ende des vergangenen Jahres hielt Icahn 45,8 Millionen Anteilsscheine von Apple. Marktbeobachter schätzen den Vorsteuer-Gewinn auf mindestens 4,3 Milliarden Dollar.

Allerdings halten Experten es auch für gut möglich, dass er einen Teil davon wiederum bei AIG investieren könnte, um seine Macht bei dem Versicherer zu stärken. Icahn liegt seit längerem mit dem Management im Clinch. Er strebt die Zerschlagung des Konzerns in drei neue Unternehmen -  Sachversicherung, Lebensversicherung und Absicherung von Immobiliendarlehen - an. Er will, dass AIG dadurch seinen SIFI-Status loswird und so zusätzliche Kapitalreserven mobilisieren kann. Die US-Regierung hat AIG als "too big to fail" eingestuft - das heißt, als ein für die Finanzstabilität riskantes Unternehmen. Damit verbunden sind strengere Kapitalauflagen. Das Management von AIG lehnt jedoch eine Aufspaltung ab.

Auch in der Politik mischt Icahn inzwischen mit. Erst jüngst verkündete er seine Unterstützung für Republikaner-Rechtsaußen Donald Trump. Die beiden dürften sich gut ergänzen, nicht nur das Vermögen, auch das Ego scheint ähnlich groß. Icahn gilt als eines der Vorbilder für den von Michael Douglas im Hollywood-Streifen "Wall Street" verkörperten skrupellosen Investor Gordon Gecko.

Quelle: n-tv.de, ddi

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