Wirtschaft

Futuristische Megastadt geplant Saudi-Arabien baut Wirtschaftszone am Meer

Um sich vom Öl unabhängiger zu machen investiert Saudi-Arabien in die Errichtung einer Industriemetropole. Größer als Mecklenburg-Vorpommern soll "Neom" werden, mit einem Budget so hoch wie das Bruttoinlandsprodukt von Polen. Geschäftsführer wird ein Deutscher.

Saudi-Arabien plant die Einrichtung einer gigantischen Industrie- und Wirtschaftszone am Roten Meer. Dafür investiert das Königreich 500 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) in den Bau einer futuristischen Megastadt. Das Budget entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Polen. "Neom" soll mit 26.500 Quadratkilometern Fläche größer werden als Mecklenburg-Vorpommern und dreimal so groß wie Zypern.

Der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman stellte das Megaprojekt persönlich in Riad vor. "Neom" ziele durch die Förderung verschiedener Wirtschaftsbereiche wie Biotechnologie, Energie und Wasser oder die mediale Entwicklung darauf ab, die Ökonomie des Landes unabhängiger vom Öl zu machen. Zur Stromversorgung von "Neom" sollen ausschließlich Windkraft und Sonnenenergie genutzt werden.

Streit mit Ägypten vorprogrammiert

Das künftige Industriezentrum liegt strategisch günstig zwischen Asien, Europa und Afrika, nahe der Schifffahrtsroute durch den Suezkanal. Es soll im Nordwesten des Landes in direkter Nähe der Ägyptischen Sinai-Halbinsel und dem Königreich Jordanien aufgebaut werden. Teil des Vorhabens ist auch eine riesige Brücke über das Rote Meer nach Ägypten, die "Asien und Afrika verbinden soll".

Für Zorn im Nachbarland Ägypten könnten die auf einem Satellitenbild eingezeichneten Grenzen der neuen Stadt führen. Diese beinhalten auch die zwischen den beiden Ländern umstrittenen Inseln Tiran und Sanafir. Die ägyptische Regierung hatte im April 2016 ein Abkommen mit Saudi-Arabien unterzeichnet, das die beiden unbewohnten Inseln im Golf von Akaba unter Kontrolle der Golfmonarchie stellen sollte. Das löste wütende Proteste in der Bevölkerung aus.

Rechtliche Sonderregelungen für "Neom"

Geschäftsführer des Projekts soll der ehemalige Siemens-Chef Klaus Kleinfeld werden, wie bin Salman mitteilte. Der 59-jährige Deutsche war als Chef des US-Metallkonzerns Arconic im April unter dem Druck des aktivistischen Hedgefonds Elliott zurückgetreten. Auf der Podiumsdiskussion mit bin Salman sagte Kleinfeld, er denke über das Projekt weniger als Stadt, sondern als viele Dörfer und Gemeinschaften, die zusammen "einen Haufen Geld verdienen" könnten. Nach dieser Äußerung lächelte der Kronprinz ihn breit an.

Für die Mega-Wirtschaftszone soll offiziellen Angaben zufolge ein "separater Ordnungsrahmen" gelten, losgelöst von den strengen Gesetzen Saudi-Arabiens. Das Projekt ist Teil des saudi-arabischen Wirtschaftsumbaus "Vision 2030". Das Budget soll von der Regierung, dem saudi-arabischen Staatsfonds PIF sowie von in- und ausländischen Investoren aufgebracht werden. Die sehr guten Beziehungen von bin Salman in die USA werden hierfür als Vorteil gesehen. Die erste Bauphase soll 2025 abgeschlossen sein.

Quelle: n-tv.de, fhe/dpa/AFP/rts

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