Wirtschaft

Finanzielle Stabilität in Gefahr Scholz stellt Uniper Hilfe in Aussicht

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Uniper lotet mit der Bundesregierung mögliche Hilfsschritte aus.

(Foto: picture alliance / SVEN SIMON)

Der Energieversorger Uniper setzt nach der massiven Drosselung russischer Gaslieferungen einen Hilferuf ab - und wird erhört. Die Bundesregierung verweist auf das Prozedere in der Corona-Krise. Wer unverschuldet in Not gerät, könne mit Hilfe rechnen.

Der Energiekonzern Uniper kann mit Hilfen des Bundes rechnen. Bundeskanzler Olaf Scholz sagte, dass die Bundesregierung grundsätzlich bereit sei, Firmen zu helfen, die wegen eines externen Schocks angeschlagen seien. Diese Bereitschaft habe sie schon in der Corona-Krise gezeigt, sagte der SPD-Politiker. Deutschland habe auch die Fähigkeit dazu. "Das wird aber im Einzelfall zu prüfen sein", fügte er hinzu. Uniper hatte zuvor als erster großer deutscher Versorger in der Gaskrise Alarm geschlagen und den Staat um Hilfe gebeten. Laut Wirtschaftsministerium ist man in Gesprächen über Stabilisierungsmaßnahmen.

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Auf die generelle Frage nach der Sicherheit der Gasversorgung sagte der Kanzler, dass sich die Regierung sehr früh auf mögliche Probleme bei den Lieferungen eingestellt habe. Man müsse dabei "übervorsichtig" agieren, um sich auf alle möglichen schwierigen Situationen einzustellen, sagte er.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck erneuerte derweil seine Befürchtungen eines vollständiges Lieferstopps durch Russland. Es drohe ab dem 11. Juli "eine Blockade von Nord Stream 1 insgesamt", sagte er. Nach dem Muster, das man gesehen habe, wäre es nicht "superüberraschend", wenn irgendein kleines Teil gefunden werde. "Und dann sagt man: Ja, das können wir halt nicht wieder anmachen, jetzt haben wir bei der Wartung irgendwas gefunden und das war's dann. Insofern ist die Situation durchaus angespannt" und im Winter könne es wirklich problematisch werden. Die Gasversorgung über den Sommer sei gewährleistet.

Mitte Juni hatte Russland unter Verweis auf technische Probleme die Lieferungen durch Nord Stream 1 bereits stark gedrosselt. Als Reaktion darauf hatte die Bundesregierung die Alarmstufe im Notfallplan Gas ausgerufen. Derweil zeigen die Appelle und Maßnahmen zur Verringerung des Gasverbrauchs nun offenbar Wirkung: Bundesweit lag der Gasverbrauch zwischen Januar und Mai bei rund 460 Milliarden Kilowattstunden, wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft mitteilte. Das waren demnach 14,3 Prozent weniger als in den ersten fünf Monaten des Vorjahres. Neben der milden Witterung im Frühjahr seien auch die hohen Gaspreise ein wesentlicher Grund dafür.

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Die aktuellen Füllstände der Speicher in Deutschland liegen laut Bundesnetzagentur bei rund 61 Prozent. Nach der russischen Drosselung werde pro Tag 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte Gas eingespeichert, sagte Habeck. Das sei ungefähr die Hälfte dessen, was vor dem "Cut" von Nord Stream 1 passiert sei. Es seien aber noch erhebliche Mengen.

Doch bereits die gegenwärtige Drosselung bringt den Energieversorger Uniper in Bedrängnis. Das mehrheitlich dem finnischen Versorger Fortum gehörende Unternehmen hatte für das laufende Jahr seine Prognose kassiert. Bereits im ersten Quartal waren wegen des Russland-Engagements Milliardenverluste bei den Düsseldorfern aufgelaufen. Für Stabilisierungsmaßnahmen kommt nach Angaben von Uniper eine Reihe von Instrumenten in Frage, zum Beispiel Garantie- und Sicherheitsleistungen, Erhöhung der aktuellen Kreditfazilität bis hin zu Beteiligungen in Form von Eigenkapital.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa

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