Wirtschaft

Trotz Klima-Protesten Siemens hält an Kohle-Projekt fest

Die scharfe Kritik von Klimaschützern nützt nichts: Siemens entscheidet sich, eine zugesagte Lieferung an ein großes Kohlebergwerk-Projekt in Australien einzuhalten. Allerdings reagiert das Unternehmen auf andere Art auf die Proteste.

Der Industriekonzern Siemens hält trotz Protesten von Klimaschützern an einer wichtigen Zulieferung für ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien fest. Das teilte Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser auf Twitter mit. "Wir haben alle Optionen überprüft", schrieb Kaeser nach einer außerordentlichen Vorstandssitzung. Doch das Unternehmen sei zu dem Schluss gekommen, dass es alle vertraglichen Verpflichtungen erfüllen müsse.

Allerdings schrieb Kaeser auch, dass Siemens ein "wirksames Nachhaltigkeits-Gremium" einrichten wolle, um künftig den Umweltschutz besser umzusetzen.

Klimaaktivistin Luisa Neubauer kritisierte Siemens heftig für die Entscheidung. "Joe Kaeser macht einen unentschuldbaren Fehler", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. "Diese Entscheidung ist aus dem Jahrhundert gefallen." Statt Verantwortung für das Pariser Klimaschutz-Abkommen zu übernehmen, gefährde Siemens damit das Ziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad einzudämmen.

Die Menschheit sei an einem Punkt in der Geschichte angekommen, "an dem jeder CEO in dieser Größenordnung gefragt ist sich zu entscheiden: für oder gegen das Klima, für oder gegen die Rechte zukünftiger Generationen und den Schutz der Menschen und Tiere, die heute betroffen sind", sagte Neubauer.

Im Mittelpunkt der Debatte steht eine geplante Erweiterung des Kohlebergbaus in Australien. Für das Projekt im Bundesstaat Queensland soll Siemens eine Zugsignalanlage liefern.

Die Adani Group will damit im nordostaustralischen Kohlegürtel eines der größten Kohlebergwerke der Welt aufbauen, das aus fünf Untertageminen und sechs Tagebaustätten besteht. Pro Jahr sollen dort künftig bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle aus dem Boden geholt werden.

"Katastrophalstes Kohleminen-Projekt der Welt"

Das Projekt wird von Umweltschützern seit Jahren bekämpft. Bei der Kritik geht es neben dem Klimaschutz auch um den Verbrauch von Wasser, die Zerstörung von Lebensraum und den Transport der Kohle über das Great Barrier Reef, dem größten Korallenriff der Welt.

Am Freitag traf sich Siemens-Chef Kaeser mit Klimaaktivisten.

Am Freitag traf sich Siemens-Chef Kaeser mit Klimaaktivisten.

(Foto: imago images/Metodi Popow)

Entsprechend harsch fallen die Reaktionen aus dem Lager der Klimaschutzaktivisten aus. Mit dem 'Ja' zum "katastrophalsten Kohleminen-Projekt der Welt" trete Kaeser die Nachhaltigkeitsbestrebungen seines Unternehmens "für ein Auftragsvolumen von nur 20 Millionen Euro in die Tonne", fasste Aktivist Nick Heubeck von Fridays for Future zusammen.

In Zeiten der "Klimakrise" müssten, so Heubeck weiter, gerade auch Konzerne ihre Versprechen zum Klimaschutz einhalten. "Dazu gehört eben auch, sich nicht am Bau eines Wahnsinns-Projekts zu beteiligen, das im Alleingang das weltweite 1,5-Grad-Ziel gefährdet." Heubeck kündigte an, das Vorhaben auch auf der Aktionärsversammlung von Siemens Anfang Februar anzusprechen.

Wirbel um Aufsichtsrat-Posten

Kaeser hatte am Freitag erklärt, dass die Entscheidung nicht einfach sei. Es gebe unterschiedliche Interessenlagen - von Aktionären, Kunden und auch der Gesellschaft. Nach scharfer Kritik von Klimaaktivisten wie Fridays for Future, aber auch aus der Politik, hatte Kaeser sich zu einem Gespräch mit Vertretern der Klimabewegung bereit erklärt.

Dabei hatte er der Aktivistin Luisa Neubauer auch einen Sitz in einem Aufsichtsgremium von Siemens Energy angeboten, dem Energiegeschäft, das Siemens im Frühjahr abspalten und im September an die Börse bringen will.

Neubauer lehnte das Angebot ab und bat ihrerseits darum, den Sitz an einen Vertreter oder eine Vertreterin der Scientists for Future weiterzugeben. Bei Scientists for Future sind Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen organisiert, die die Klimaschutzbewegung Fridays for Future unterstützen. Kaeser befand daraufhin, Siemens habe genug Experten und Wissenschaftler.

Quelle: ntv.de, mli/dpa