Wirtschaft

Ifo-Index sinkt erneut "Sind in einem Abschwung"

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Den deutschen Managern bereitet der Blick in die Zukunft derzeit viel Kopfzerbrechen.

(Foto: imago/BildFunkMV)

Gegenwart und Zukunft - auf beides blicken die Chefetagen deutscher Unternehmen zunehmend pessimistisch. Der Index der Wirtschaftsforscher des Ifo-Instituts fällt auf den tiefsten Stand seit fast drei Jahren.

Unternehmen und Betriebe zwischen Flensburg, Rügen, Fichtelberg und Zugspitze startet mit Gegenwind ins neue Jahr. "Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem Abschwung", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Führungskräfte beurteilten ihre Geschäftslage schlechter, ebenso die Aussichten für die kommenden sechs Monate.

Das Barometer für das Geschäftsklima sank im Januar von 101,0 auf 99,1 Punkte. Das ist bereits der fünfte Rückgang in Folge und der niedrigste Wert seit Februar 2016. Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang auf 100,6 gerechnet. Für den Index befragt das Münchner Ifo-Institut monatliche rund 9000 Manager.

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Politik muss dringend handeln

Thomas Gitzel von der VP Bank verwies auf die schleppende Auslandsnachfrage. In China laufe es nicht rund und nun räche sich die jahrelange Fokussierung der deutschen Industrie auf das Land. "Gut, dass wenigstens die Binnenwirtschaft für positive Impulse sorgt, ansonsten wäre das Bild ein trostloses." Für die Bundesregierung sollten nun Bürokratieabbau und Investitionen wichtiger sein als Steuersenkungen. "Gut ist, dass im ersten Quartal Nachholeffekte zu erwarten sind." Möglicherweise sorge der BIP-Zuwachs im ersten Quartal sogar für eine leicht positive Überraschung, sagte er weiter.

LBBW-Chefökonom Uwe Burkert sprach von einer erneuten Enttäuschung. "Dabei war die Einschätzung der Lage sogar noch erträglich. Aber die Erwartungen: unterirdisch." Die Politik müsse sich der Risiken stärker annehmen, "sonst werden wir die realwirtschaftlichen Folgen bald deutlicher spüren".

"Die Nachrichtenlage wird immer frostiger", sagte Andreas Scheuerle von der Dekabank. Doch robuster Arbeitsmarkt, kräftige Lohnsteigerungen, Steuerentlastungen und geringe Inflation wärmten das Herz der Konsumenten. "In den Unternehmensumfragen kommt dies aber nicht oder zu wenig zum Tragen", sagte er weiter.

Dämpfer im Bau

Im verarbeitenden Gewerbe sank das Geschäftsklima erneut merklich. Laut Ifo war das vor allem auf deutlich pessimistischere Erwartungen der Firmen zurückzuführen. In allen wichtigen Industriezweigen, außer der chemischen Industrie, verschlechterte sich das Geschäftsklima. Die Kapazitätsauslastung sank um 0,7 Prozentpunkte auf 86,3 Prozent. Sie lag allerdings immer noch über dem langjährigen Durchschnitt von 83,7 Prozent.

Im Dienstleistungssektor ging der Geschäftsklimaindex von einem hohen Niveau zurück. Verantwortlich dafür waren weniger optimistische Erwartungen. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Lage hingegen besser. Auch im Handel sank der Index merklich. Der Ausblick der Händler auf die kommenden Monate trübte sich deutlich ein. Mit der aktuellen Lage waren sie jedoch etwas zufriedener.

Das Bauhauptgewerbe erlebte erstmals seit langer Zeit einen deutlichen Dämpfer. Das Geschäftsklima verschlechterte sich markant. Die aktuelle Geschäftslage befindet sich jedoch weiterhin auf einem sehr hohen Niveau.

Das Ifo-Institut hat kürzlich seine Konjunkturprognosen für Deutschland kräftig gesenkt. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte demnach 2019 nur noch um 1,1 Prozent zulegen. Die Probleme der Auto-Industrie mit dem neuen Abgasmessstandard sowie Unsicherheiten wie der Brexit und die US -Handelspolitik drücken derzeit die Stimmung.

Laut "Handelsblatt" hat auch die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr nach nach unten korrigiert. Im neuen Jahreswirtschaftsbericht wird nur noch ein Plus von 1,0 Prozent angenommen. In ihrer Herbstprognose war die Bundesregierung noch von einem Plus von 1,8 Prozent ausgegangen - auch das war bereits eine Herabsenkung. Der Bericht wird am Mittwoch vorgestellt.

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte vor einigen Tagen seine Prognosen für die Weltwirtschaft und das BIP in Deutschland vorgestellt. Demnach geht der Fonds für die Bundesrepublik in diesem Jahr von einem Wachstum von 1,3 Prozent aus - im Oktober hatte er noch mit 1,9 Prozent gerechnet.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts/AFP

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