Wirtschaft

Plädoyer für Grexit und Drachme Sinn verlangt Verweigerung der Kredite

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Hans-Werner Sinn ist in der Griechenland-Frage für ein Ende mit Schrecken.

(Foto: dpa)

Seit Jahren verlangt Ifo-Chef Sinn den Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Für ihn ist klar, dass Athen an keinem schnellen Abschluss der Verhandlungen interessiert sei. Der griechische Finanzminister Varoufakis sei ein gewiefter Taktiker.

Der Chef des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hat die Bundesregierung aufgerufen, sich einem weiteren Kreditpaket für Griechenland entgegenzustellen. Auf die Frage, ob sich Deutschland weiteren Milliardenprogrammen verweigern solle, antwortete der Ökonom in Berlin: "Ja, das glaube ich."

Deutschland habe dazu die Sperrminorität im Rat des europäischen Rettungsfonds ESM, über den ein drittes Hilfsprogramm für Athen finanziert würde. Am Wochenende waren die Gespräche der Experten ohne Ergebnisse zu Ende gegangen.

Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis bestand in einem Interview hingegen auf einem Schuldenerlass und längeren Laufzeiten für die gewährten Kredite. Sinn sieht in Varoufakis einen gewieften Taktiker. Die griechische Seite habe kein Interesse daran, die Verhandlungen schnell zu einem Abschluss zu führen.

Mit Hilfe der ELA-Notkredite der griechischen Zentralbank werde es den Griechen ermöglicht, ihr Geld ins Ausland zu schaffen. Bei einem Euro-Austritt Athens bliebe die Europäische Zentralbank (EZB) und damit die Euro-Länder auf genau diesem Betrag sitzen. "Man hat eine gute Drohposition bei den Verhandlungen geschaffen", erklärte der Ökonom. Sinn bezifferte das ins Ausland geschaffte Kapital auf über 100 Milliarden Euro.

Plädoyer für die Drachme

Zur Lösung der Misere in dem wankenden Euro-Mitgliedsland empfahl Sinn den Grexit und die Umstellung auf die Drachme. "Wir können den Griechen nicht zumuten, dass sie ihre Löhne und Gehälter weiter senken", sagte Sinn. Durch die sofortige Abwertung der Drachme würden Importe teurer und die Griechen begännen wieder bei den heimischen Produzenten zu kaufen. Nur so kann nach Meinung des ifo-Präsidenten die extreme Arbeitslosigkeit gesenkt werden.

Der Bundesregierung empfahl er Ehrlichkeit. Einen Großteil der gewährten Mittel werde Deutschland nicht wieder sehen. "Wenn der Schuldner nicht zurückzahlen kann, kann der Gläubiger zappeln wie er will", meinte Sinn. Nach seinen Berechnungen hat alleine Berlin das Euro-Sorgenkind mit bisher 87 Milliarden Euro über Wasser gehalten.

Quelle: n-tv.de, wne/DJ

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