Wirtschaft

Börsengang der Bilder-App Snapchat könnte ein Fass ohne Boden sein

ARCHIV - Das Snapchat-Logo hängt am 17.11.2016 unter einer US-Flagge an der Außenfassade der New York Stock Exchange in New York, in New York. Die Macher der populären Foto-App Snapchat hatten laut Medienberichten zu diesem Zeitpunkt bereits den mit Spannung erwarteten Börsengang auf den Weg gebracht. (zu dpa

Snapchat-Fahne an der Wall Street: Der Umsatz explodierte zuletzt auf 404 Millionen Dollar.

(Foto: dpa)

Die Bilder-App wagt den Sprung aufs Parkett. Doch die Anleger sollten nicht vorschnell investieren: Der Börsenantrag offenbart gefährliche Schwachpunkte.

Nun ist es also so weit: Snap, die Konzernmutter der Bilder-App Snapchat, hat den Gang an die Börse in Stein gemeißelt und offiziell den Prospekt für den Börsengang bei der US-Wertpapieraufsicht SEC eingereicht. Beim IPO sollen demnach drei Milliarden Dollar eingesammelt werden – Analysten schätzen den Wert von Snap hingegen locker auf das Achtfache. Und dennoch ist das Vorgehen zum Scheitern verurteilt.

Denn erstmals unterfüttert Snapchat die Annahmen auch mit offiziellen Zahlen. Zwar ist der Umsatz nach mickrigen 58 Millionen Dollar 2015 im vergangenen Jahr auf 404 Millionen Dollar explodiert. Doch bei den Nutzerzahlen zeigt sich die Krux.

Im Vergleich zum Vorjahr sind die im vierten Quartal 2016 um imposante 48 Millionen auf insgesamt 158 Millionen angestiegen. Doch im Vergleich zum Vorquartal ist das nur noch ein Plus von knapp drei Prozent. Das abgeschwächte Wachstum erinnert an einen anderen Börsengang, der komplett in die Binsen ging: Twitter wagte auch den Sprung aufs Parkett, als das Wachstum gerade stagnierte.

Gefährliche Abhängigkeit

Das Problem bei dem Vergleich: Seitdem schaffte der blaue Vogel nicht mehr die Wende. Der Aktienkurs dümpelt aktuell bei 16 Euro – kurz nach ihrem Start war sie auf 50 Euro geklettert. Die Nutzerzahlen stiegen vor dem Börsengang immens an. Seitdem stagnieren sie an der 300-Millionen-Marke.

Und noch eine andere Zahl macht Snapchat so gefährlich für Anleger. Wie aus den jetzt vorgelegten Zahlen hervorgeht, überweist die App in den kommenden fünf Jahren zwei Milliarden Dollar an Google. Denn in deren Wolke existiert der Bilderdienst.

Jede Störung bei Google, sei es nur die kleinste Serverunterbrechung, macht Snapchat unbrauchbar. Die Bilder-App ist dem Giganten praktisch ausgeliefert. Gleichzeitig muss Snapchat auch darauf hoffen, den Zugang zu iPhones zu behalten. Wir erinnern uns nur, wie glorreich Google Maps letztlich an iOS gescheitert ist.

Quelle: n-tv.de

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