Wirtschaft

Fieberkurve der WeltwirtschaftSo reagieren die Ölpreise

21.04.2026, 16:24 Uhr
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Millionenfacher Alltag: Der Iran-Krieg und seine Folgen verteuern Ölprodukte wie Benzin und Diesel. (Foto: picture alliance / PHOTOPQR/L'INDEPENDANT/MAXPPP)

Der Krieg in der Golf-Region bringt die Welt an den Rand des größten Energiepreisschocks seit Jahrzehnten. Staaten wie Japan, Indien und China sind durch die Blockade der Straße von Hormus von Teilen ihrer Öl-Versorgung abgeschnitten. Kriegsschäden in wichtigen Raffinerien verknappen das Angebot. Wie bewegen sich die Ölpreise?

Rohöl ist der wichtigste Rohstoff der Weltwirtschaft: Die fossile Energiequelle treibt nicht nur Autos, Lkw, Schiffe und Flugzeuge an, sondern wird auch in der Stromproduktion, bei der Heizwärme und als Ausgangsstoff für synthetische Produkte gebraucht. Die Ölpreise sind eng an die konjunkturelle Entwicklung ganzer Weltregionen geknüpft: Industriestaaten sind auf eine verlässliche Versorgung mit Rohöl und Ölprodukten wie Benzin, Diesel, Heizöl oder Kerosin angewiesen.

Wichtigster Gradmesser für die Wechselwirkungen aus Angebot und Nachfrage sind die Notierungen für die Nordseesorte Brent. Hier haben sich die Preise seit Beginn des Iran-Kriegs deutlich nach oben entwickelt, wie ein Blick auf die aktuellen Daten zeigt:

Hinweis: Die Infografiken zur Entwicklung der Ölpreise werden laufend aktualisiert.

Angegeben wird der Preis für Rohöl in US-Dollar je Barrel. Die im Ölhandel gebräuchliche Mengenangabe Barrel bezieht sich dabei auf ein Fass mit einem Inhalt von 42 US-Gallonen, was rund 159 Litern entspricht. Die Volumenangabe dient mittlerweile nur noch zur Abrechnung: Angekauft, gelagert und ausgeliefert wird das Öl längst nicht mehr in einfachen Blechfässern. Rohöltanker mit einem Fassungsvermögen von zwei Millionen Barrel und mehr transportieren das schwarze Gold über das Meer zu den Abnehmern.

Die zweite wichtige Notierung im Ölgeschäft ist die US-Referenzsorte West Texas Intermediate, auch bekannt unter der Abkürzung WTI. Diese Ölsorte, die sich durch eine schwefelarme Zusammensetzung auszeichnet, ist für die Weiterverarbeitung in Raffinerien besonders gut geeignet und dient daher als Richtschnur für die Preisentwicklung im US-Rohstoffhandel.

Andere Ölsorten, wie etwa das Rohöl aus Vorkommen in Venezuela, sind sehr viel dickflüssiger und schwerer zu verarbeiten. Für die Gewinnung von leichten Treibstoffen wie Benzin und Kerosin haben sie daher nur eine untergeordnete Bedeutung. Ähnliche Einschränkungen gelten für andere Rohölsorten wie etwa Saharan Blend aus Algerien, Bonny Light aus Nigeria oder Minas aus indonesischen Lagerstätten.

In Kriegs- und Krisenzeiten steigen die Notierungen der führenden Rohölsorten regelmäßig an: Industrienationen sind auf eine konstante Versorgung mit Rohöl- und Ölprodukten wie Benzin, Diesel, Kerosin oder Heizöl angewiesen. Deutschland und andere Länder horten große Mengen an Erdöl als strategische Reserve. Verdüstern sich die Aussichten, spekulieren Händler kurzfristig auf eine zusätzliche Nachfrage.

Die Wechselwirkungen zwischen Ölpreis und Weltwirtschaft sind vielschichtig und kompliziert. Mittelfristig etwa trüben sich die Konjunkturaussichten im Fall eines dauerhaft hohen Ölpreises ein. Industrie und Verbraucher müssen - vereinfacht dargestellt - mehr Geld für Transport, Strom und Wärme ausgeben, die Konsumbereitschaft sinkt. Langfristig können dauerhaft hohe Ölpreise die Effizienz in der Energieerzeugung oder etwa in der Wärmedämmung verbessern.

Starke Effekte entwickelt der Ölpreis auch in den Förderstaaten: Rohstoffreiche Länder benötigen möglichst konstant hohe Einnahmen aus dem Ölverkauf, um die eigenen Staatsfinanzen im Gleichgewicht zu halten. Starke Schocks gefährden somit nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung in den Industrienationen, sondern können auch Schwellenländer rasch in tiefe Krisen stürzen.

Quelle: ntv.de, mmo

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