Wirtschaft

Annäherung im Handelsstreit Trump und Xi schicken Börsen auf Höhenflug

An den Börsen kehrt nach Wochen der Unsicherheit der Optimismus zurück: Die Annäherung im Handelsstreit treibt die Kurse weltweit nach oben. Vor allem die Autoindustrie profitiert. Die Lufthansa leidet dagegen unter einer Einigung von Russland und Saudi-Arabien.

Die versöhnlichen Töne im US-Handelskonflikt mit China sowie im EU-Haushaltsstreit mit Italien haben dem deutschen Aktienmarkt zum Wochenauftakt kräftige Gewinne beschert. In Frankfurt schloss der Dax 1,9 Prozent höher bei 11.465 Zählern, der EuroStoxx50 gewann 1,4 Prozent auf 3218 Punkte. Auch in den USA ging es an den Börsen aufwärts: Der Dow Jones stieg bis zum frühen Nachmittag in New York um ein Prozent auf 25.801 Punkte. Der S&P 500 erhöhte sich um 0,8 Prozent auf 2783 Zähler. Der Nasdaq-Composite verbesserte sich um 1,2 Prozent auf 7421 Punkte. Auch an den Börsen in Asien waren Investoren in Feierlaune.

Der Preis für die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee stieg zeitweise um bis zu 5,3 Prozent auf 62,60 Dollar je Barrel (159 Liter). Das ist der größte Kurssprung seit zwei Jahren. Rohöl profitierte von der Aussicht auf eine Kürzung der Fördermengen durch das Exportkartell Opec und seiner Verbündeten. Unabhängig davon will auch Kanada seine Produktion drosseln. Offenbar lösten nun zahlreiche Anleger ihre Wetten auf weitere Kursverluste auf, sagte Carlo Alberto De Casa, Chef-Analyst des Brokerhauses ActivTrades.

Auslöser des Kursschubs war die Annäherung im Handelsstreit der USA und China am Wochenende. Beim G20-Gipfel in Argentinien haben sich US-Präsident Donald Trump und sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping darauf geeinigt, neue Verhandlungen aufzunehmen. Außerdem wurde vereinbart, dass die Volksrepublik ihre Zölle auf Autoimporte aus den USA senkt und beseitigt. Gegenwärtig liegt der Zollsatz bei 40 Prozent. Im Gegenzug wollen die USA auf die nächste Runde von Strafzöllen verzichten, die für Anfang Januar angedroht war.

Nach Branchen betrachtet profitierten die Aktien aus dem Automobilsektor am stärksten von der Entspannung im Handelskonflikt. So standen die Papiere von BMW, Daimler und Volkswagen mit Kursgewinnen zwischen 4,7 und 6,7 Prozent an der Spitze des Dax. Im MDax verbuchten die Anteilsscheine der Autozulieferer Schaeffler, Rheinmetall, Hella und Norma Kursaufschläge zwischen 5,5 und 6,7 Prozent.General Motors, Ford und Tesla legten bis zu 3,2 Prozent zu.

Experten treten auf Euphoriebremse

"Das was in Argentinien vereinbart wurde, klingt schon alles sehr konstruktiv", sagte ein Händler. "Man konnte vergangene Woche nicht davon ausgehen, dass das so positiv ausgeht."

Experten warnten allerdings vor zu viel Euphorie. Der Konflikt zwischen den USA und China sei nur aufgeschoben, nicht aufgehoben, sagte Investmentanalyst Uwe Streich von der LBBW. Bereits am Dienstag stehe wohl ein weiteres "Schicksalstreffen" auf der Agenda. Dann wollen sich die Bosse von VW, Daimler und BMW in Washington mit der US-Regierung treffen, um über die angedrohten Zölle für deutsche Fahrzeuge zu diskutieren.

Zu den wenigen Verlierern im Dax gehörte die Lufthansa. Die Aktien der Fluggesellschaft litten unter den massiv gestiegenen Ölpreisen, die vom erneuerten Pakt zwischen den beiden wichtigen Förderstaaten Russland und Saudi-Arabien sowie einer gedrosselten Produktion in Kanada profitierten. Anleger fürchten daher steigende Treibstoffkosten.

Quelle: n-tv.de, chr/hul/rts/dpa

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