Wirtschaft

Großer Finanzschwindler US-Anlagebetrüger Bernie Madoff ist tot

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Madoffs Antrag auf eine vorzeitige Haftentlassung war 2020 abgelehnt worden.

(Foto: Dennis Van Tine/MediaPunch/MediaPunch/IPx)

Er galt als Mastermind eines Finanzschwindels historischer Dimension. In einem aufsehenerregenden Prozess wurde er 2009 zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt. Nun ist der berüchtigte US-Börsenmakler Bernard "Bernie" Madoff gestorben. Er war todkrank.

Bernard L. Madoff, einer der größten Finanzschwindler der Geschichte, ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Entsprechende US-Medienberichte bestätigte eine zentrale Gefängnisbehörde der USA. Wie die "New York Times" berichtet, starb Madoff, der einst als oberster Herr der Wall Street galt und 2008 zum Gesicht einer Ära finanzieller Skandale avancierte, in einer Gefängnisklinik im Bundesstaat North Carolina.

Madoff, genannt Bernie, hatte über Jahre hinweg mithilfe eines ausgeklügelten Schneeballsystems und fantastischen Renditeversprechen Anleger um geschätzt bis zu 65 Milliarden Dollar geprellt. Er wurde im Dezember 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise festgenommen und im Juni 2009 zu 150 Jahren Haft verurteilt. Seither saß er im Gefängnis.

Im Prozess gestand Madoff, die ihm anvertrauten Summen niemals angelegt zu haben. Er bekannte sich in elf Anklagepunkten schuldig, darunter Betrug und Geldwäsche. Zu seinen Opfern zählten Banken, Privatleute und Wohltätigkeitsorganisationen aus aller Welt. Als der Schwindel in der Finanzkrise aufflog, verloren viele ihre ganzen Ersparnisse. Der Fall sorgte weltweit für Schlagzeilen.

Im Februar 2020 bat er der "New York Times" zufolge um eine vorzeitige Haftentlassung. Seinerzeit gab er an, er habe weniger als 18 Monate zu leben, weil er sich im Endstadium einer tödlichen Nierenerkrankung befinde. Der Bitte wurde nicht stattgegeben. Die amerikanische Nachrichtenagentur AP berichtet, dass Madoff nun eines natürlichen Todes gestorben sein soll.

Schauten die Banken gezielt weg?

Madoffs Karriere an der Wall Street hatte in den 1960er-Jahren begonnen. Mit Anfang 20 gründete der aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn stammende Finanzmakler kurz nach dem Studium seine eigene Investmentfirma. Mit dem Versprechen hoher Renditen sammelte er fortan viel Geld bei Anlegern ein - Familienmitglieder, Freunde und Bekannte gaben ihr Erspartes.

Tatsächlich vermehrte sich das Geld - zumindest auf dem Papier - stetig und Madoff wurde zu einer Größe in Finanzkreisen und einem Mitglied der New Yorker High Society. Erst in der Finanzkrise 2008, als viele Investoren plötzlich ihre Mittel abziehen wollten, flog das Betrugssystem auf. Als Madoffs Firma zusammenbrach, wiesen die Depots der Kunden Werte von 65 Milliarden Dollar aus. Tatsächlich waren aber gerade einmal 300 Millionen Dollar vorhanden. Madoff - eben noch ein gefeierter Finanzstar und bei US-Promis begehrter Geldverwalter - stand nun als Milliardenbetrüger da, der bis zu seinem Lebensende ins Gefängnis gesteckt wurde. Er selbst behauptete später, dass seine Gaunereien nur möglich waren, weil Finanzinstitute wie seine Hausbank JPMorgan gezielt wegschauten.

Für Aufsehen sorgten während seiner Haftzeit Berichte, wonach Madoff im Knast angeblich lebte wie ein Superstar. Im Bundesgefängnis der Kleinstadt Butner in North Carolina war er laut US-Medien eine Berühmtheit, eine Art moderner Robin Hood, wenn auch weniger freigiebig. "Er nahm Leuten das Geld weg, die reich und gierig waren und noch mehr wollten", sagte Shannon Hay, ein verurteilter Drogenhändler und Mithäftling, im Jahr 2010 dem "New York Magazine".

Quelle: ntv.de, fzö/AFP/dpa

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