"Landmaxxing" als StatussymbolUS-Milliardäre kaufen statt Häusern ganze Viertel auf
Von Hannes Vogel
Bei Amerikas Superreichen gibt es einen neuen Trend: "Landmaxxing". Während Millionen Amerikaner sich kein Eigenheim mehr leisten können, kaufen Tech-Mogule wie Mark Zuckerberg, Elon Musk, Larry Ellison oder Jeff Bezos ganze Nachbarschaften auf.
Als Mark Zuckerberg sein Anwesen in Crescent Park in Palo Alto plante, hatte er ein Problem: Nachbarn. Der Meta-Chef, dessen Geschäftsmodell in der Vermarktung intimster Nutzerdaten besteht, möchte selbst mit seiner Frau und den drei Töchtern in völliger Privatsphäre leben. Also löste der Multimilliardär das Problem kurzerhand mit Geld. Mehr als 110 Millionen Dollar hat Zuckerberg laut "New York Times" seit 2011 ausgegeben, um im Umkreis seiner Residenz mindestens elf weitere Grundstücke aufzukaufen. "Wie auf einem Monopoly-Spielbrett" habe Zuckerberg sich die angrenzenden Straßenzüge unter den Nagel gerissen. Verkäufern soll Zuckerberg das Zwei- oder Dreifache der Immobilienwerte geboten haben. Nichts sollte seinem Traum vom ungestörten Luxusleben im Weg stehen.
So wie Zuckerberg machen es zuletzt immer mehr Tech-Bosse, Hedgefonds-Manager oder Konzern-Erben in den USA. Der Geldadel kauft sich nicht mehr nur Traumhäuser auf der ganzen Welt, sondern errichtet gigantische Wohnanlagen und erwirbt dafür ganze Stadtviertel oder Landstriche.
"Landmaxxing" heißt dieser Trend unter Amerikas Superreichen: Sie vergrößern und optimieren ihren Immobilienbesitz für bessere Sicht, mehr Privatsphäre, erhöhte Sicherheit. Die Investments in Grund und Boden diversifizieren zudem ihr Portfolio und gelten als Schutz gegen Inflation. Für viele sind die riesigen Anwesen auch ein neues Statussymbol: Der ultimative Vermögens-Flex sei für die Milliardäre "nicht ein größeres Haus, sondern mehr Land drumherum", postete der Luxusmakler Danny Hertzberg aus Florida auf Instagram.
Bezos kauft 79-Millionen-Dollar-Villa - und reißt sie ab
Dafür blättert die Geldelite schwindelerregende Summen hin: Hedgefonds-Titan Ken Griffin etwa hat für sein 110.000-Quadratmeter-Anwesen in Palm Beach unweit von Donald Trumps Mar-A-Lago-Palast fast eine halbe Milliarde Dollar bezahlt. Seit 2012 hat Griffin dafür systematisch umliegendes Land aufgekauft. Nach Fertigstellung soll die Residenz mindestens eine Milliarde Dollar wert sein und damit das wohl teuerste Privatanwesen in den USA.
Amazon-Gründer Jeff Bezos hat etwa einhundert Kilometer weiter die US-Atlantikküste hinunter ebenfalls ein Vermögen im Sand versenkt: Auf der künstlich aufgeschütteten, privaten Insel Indian Creek in der Bucht von Miami hat er gleich drei Grundstücke für mehr als 230 Millionen Dollar gekauft, darunter eine 79-Millionen-Dollar-Villa mit gut 1800 Quadratmetern, die er für den Bau seiner neuen Mega-Mansion abreißen will - trotz Luxuspool, Marmorküche und schalldichtem Privatkino.
Fünf Grundstücke weiter hat auch Mark Zuckerberg sich eine Luxusvilla mit eigenem Frisörsalon, Bibliothek mit Geheimgang und 5000-Liter-Aquarium für 170 Millionen Dollar geschnappt - laut Medienberichten die teuerste Immobilie Miamis. Die Tech-Milliardäre sind in guter Gesellschaft: Weitere Nachbarn sind unter anderem Ivanka Trump, Ex-NFL-Star Tom Brady und der Investor Carl Icahn. Nur 41 Parzellen gibt es überhaupt auf der Insel, in ihrer Mitte liegt der exklusive Indian Creek Country Club. Erreichen kann man die von einer Privatpolizei ständig überwachte Insel nur per Boot oder über eine einzige Brücke, auf der ein Schlagbaum allen unerwünschten Gästen den Weg versperrt. "Milliardärsbunker" nennen lokale Immobilienmakler den künstlichen Sandhaufen, in dessen Gemeinderat etwa Donald Trumps Schwiegersohn Jared Jushner sitzt.
Auch Salesforce-Gründer Marc Benioff hat auf Hawaii laut US-Medien fast 2,5 Quadratkilometer Land gekauft. Oracle-Milliardär Larry Ellison hat im kalifornischen Malibu und in Manalapan in Florida enormen Grundbesitz angehäuft. Erst 2022 kaufte er dort eine Villa nur 20 Minuten von Mar-A-Lago entfernt. Elon Musk hat in Austin eine geheime Wohnanlage für seine mindestens 14 Kinder und ihre verschiedenen Mütter errichten lassen. Dafür kaufte er mindestens drei Villen in der texanischen Großstadt.
Treiber des Immobilienmarktes
Um solche gigantischen Anwesen zu schaffen, bliebe seinen superreichen Klienten gar nichts anderes übrig, als sie aus mehreren Grundstücken zusammenzustückeln, zitiert das "Wall Street Journal" den Luxus-Makler Chad Harroll aus Miami: "Vor fünf Jahren war das noch kein Thema."
Laut einer Studie des Makler-Konzerns Coldwell Banker ist "Landmaxxing" inzwischen ein wesentlicher Treiber des insgesamt eher stagnierenden US-Immobilienmarkts. Demnach hat sich das Interesse an Luxus-Anwesen in den ersten fünf Monaten dieses Jahres verdoppelt. Die Anfragen nach einzigartigen Immobilien wie Chateaus, Burgen oder Privatinseln hätten im Jahresvergleich gar um 146 Prozent zugelegt. 2,2 Milliarden Dollar mehr hätten Superreiche in diesem Zeitraum in Luxusanwesen gepumpt. Die "wachsende globale Klasse ultra-reicher Haushalte" sei damit verantwortlich für fast 60 Prozent des gesamten Wachstums im Luxussegment.
Das Streben der Multimilliardäre nach immer größeren Anwesen ist ein weiterer Beleg für die zunehmende Polarisierung der US-Wirtschaft. Während die Superreichen immer mehr Land erwerben, können sich Millionen Amerikaner angesichts steigender Zinsen, horrender Verkaufspreise und explodierender Lebenshaltungskosten kein Wohneigentum mehr leisten. "Landmaxxing" ist ein Symptom der Wackelturm-Wirtschaft in den USA, die hauptsächlich von den Konsumausgaben der Top-Vermögenden getrieben wird. Und in der es für eine winzige Vermögenselite immer weiter steil bergauf geht, während Millionen Menschen im finanziellen Sinkflug bleiben.
Privilegien für Zuckerbergs "Fledermaushöhle"
Verstärkt wird dieser Eindruck dadurch, wie sich der Geldadel in den Gegenden verhält, die er aufkauft: Oftmals unterwirft er sie geradezu. "Kein Viertel möchte besetzt werden", zitiert die "New York Times" einen Nachbarn der Zuckerbergs in Crescent Park, dessen Grundstück auf drei Seiten vom Anwesen des Milliardärs umgeben ist. "Aber genau das haben sie gemacht. Sie haben das Viertel okkupiert." Unter ihrem Mega-Grundstück haben Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan einen bunkerartigen Komplex mit 650 Quadratmetern errichten lassen, den die Nachbarn die "Fledermaushöhle" nennen, in Anspielung auf Batmans Hauptquartier. Acht Jahre lang hat Zuckerberg daran gebaut, mit massiver Lärmbelästigung und Stau für die Anwohner. Auf der Straße patrouillieren seine Sicherheitsleute auf öffentlichen Gehwegen und fragen Besucher, was sie dort wollen.
Viele von Zuckerbergs Nachbarn haben laut "New York Times" das Gefühl, dass Milliardäre wie er vor dem Gesetz gleicher sind als normale Menschen. Die Gemeinde Palo Alto etwa hatte Zuckerbergs Antrag, ein Mega-Anwesen zu bauen, 2016 abgelehnt. Doch danach erlaubte sie ihm, immer mehr Land aufzukaufen und sein Vorhaben am Ende durchzudrücken. In einem seiner Häuser wurde eine Privatschule für seine Kinder untergebracht, obwohl das gesetzlich eigentlich nicht erlaubt war. "Milliardäre sind es überall gewohnt, sich ihre eigenen Regeln zu machen - Zuckerberg und Chan sind da keine Ausnahme, außer dass sie nebenan wohnen", sagte der Nachbar dem Blatt. "Doch warum die Stadt so tatenlos zuschaut, ist mir ein Rätsel."
