Wirtschaft

Abschied vom billigen Geld US-Notenbank hebt Leitzins an

In den USA steigen die Zinsen: Die US-Notenbank Fed erhöht den für den Dollarraum maßgeblichen Leitzins - zum vierten Mal seit der Finanzkrise. Parallel zum Zinsentscheid kündigen die Währungshüter milliardenschwere Entscheidungen an.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) zieht die Zinsschraube an. Das für Geld- und Kreditgeschäfte in den USA entscheidende Niveau des US-Leitzinssatzes liegt ab sofort bei 1,00 bis 1,25 Prozent und damit 0,25 Prozentpunkte höher als bisher, teilte die Fed nach der Juni-Sitzung des für Zinsentscheidungen zuständigen Offenmarkt-Ausschusses mit.

Der Schritt war an den Märkten in dieser Form erwartet worden. Es ist die vierte Zinsanhebung der US-Notenbank seit der Finanzkrise. Die Fed hatte bereits im Dezember 2015, im Dezember 2016 sowie im März 2016 ihren Leitzins - die sogenannte Federal Funds Rate - erhöht.

Dow und Euro reagieren

Im Handel an der Wall Street geraten die Kurse dennoch deutlich in Bewegung: Der US-Leitindex Dow Jones schnellte im Verlauf auf ein weiteres Rekordhoch bei 21.379 Punkten. Der marktbreite S&P-500-Index mit seinen 500 Aktien aus der US-amerikanischen Unternehmenslandschaft näherte sich in einer ersten Reaktion seinem bisherigen Allzeithoch bei 2446 Punkten an. Der Euro zieht in den Minuten nach der Zinsentscheidung kräftig an.

An der Technologiebörse Nasdaq setzte sich die Erholung nach dem jüngsten Rückschlag zaghaft fort: Der Auswahlindex Nasdaq 100 gewinnt zuletzt 0,2 Prozent auf 5764 Punkte. Er hatte in der Vorwoche bei 5897 Punkten eine Bestmarke gesetzt, war dann aber um über 260 Punkte abgerutscht.

Yellen tritt vor die Presse

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Das Gravitationszentrum der US-Geldpolitik: Die Zentrale der federal Reserve in Washington, D.C.

(Foto: REUTERS)

Größere Bedeutung als der bloßen Zinsanhebung messen Beobachter den Begründungen bei, mit der die Währungshüter ihren geldpolitischen Kurs erklärten. Die konjunkturellen Risiken seien auf kurze Sicht "insgesamt ausgewogen", hieß es. Auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Zinsentscheidung erklärte Fed-Chefin Janet Yellen, sie rechne in den kommenden Jahren mit einem moderaten Wachstum der US-Wirtschaft.

Die US-Notenbanker orientieren sich bei ihren geldpolitischen Entscheidungen unter anderem am US-Arbeitsmarkt und an der Inflationsrate. Beides bewege sich gegenwärtig im erwarteten Zielkorridor, hieß es. Allerdings hatte die Inflation zuletzt nachgelassen. Die Fed wolle diese Entwicklung genau beobachten, teilten die Währungshüter mit. Dies könne Auswirkungen auf zukünftige Zinsentscheidungen haben.

Die US-Wirtschaft entwickele sich bislang moderat, erklärte die Fed weiter. Die Inflation dürfte sich mittelfristig bei zwei Prozent stabilisieren. Vor diesem Hintergrund hält die US-Notenbank an ihrem bisherigen Fahrplan schrittweiser Zinserhöhung fest.

Fed kündigt Anleihenverkauf an

Zeitgleich mit dem jüngsten Zinsentscheid kündigte die Fed allerdings auch an, die über die vergangenen Jahre angekauften Anleihen in Zukunft langsam und schrittweise abstoßen zu wollen. Details zum Zeitplan des lang erwarteten "Exits" ließ die Fed zunächst offen. Fed-Chefin Yellen sprach vor der Presse davon, sie erwarte den Beginn des Bilanzabbaus noch in diesem Jahr. Die Aktion, die Beobachter als die mit Abstand umfangreichste geldpolitische Operation der Wirtschaftsgeschichte beschreiben, werde "einige wenige Jahre" benötigen, sagte Yellen.

Der Anleihekauf im Billionen-Volumen war Teil der energischen Bemühungen, die Geldpolitik über das übliche Maß hinaus zu locken und so die Folgen der Finanzkrise zu überwinden. Über Jahre hinweg hatte die Fed Monat für Monat Wertpapiere im Wert von bis zu 85 Milliarden Dollar aufgekauft und so insgesamt 3,5 Billionen Dollar in die Märkte gepumpt.

Der Ausstieg aus dem Anleihenkaufprogramm wird nicht ohne Folgen bleiben. Experten gehen davon aus, dass eine Vermarktung der gehaltenen Wertpapierbestände die Geldpolitik zusätzlich zu den Zinserhöhungen weiter straffen. Der Abbau der Bilanz sei aus der Sicht der Fed, so Yellen vor der Presse, allerdings "kein aktives Instrument der Geldpolitik".

Quelle: ntv.de, mmo/DJ/dpa/rts

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