Wirtschaft

Bis zu 2500 Stellen pro Jahr VW-Betriebsrat rechnet mit Jobabbau

imago63879564h.jpg

Bei Volkswagen sollen möglichst viele Babyboomer in Altersteilzeit gehen.

(Foto: imago/Westend61)

Nach dem Diesel-Skandal will VW-Markenchef Herbert Diess seine Sparte umkrempeln - ein Umbau, der nach Ansicht des Betriebsrats nicht ohne den Wegfall tausender Jobs zu machen ist.

Der Volkswagen-Betriebsrat erwartet im Zuge des Umbaus bei dem Autobauer auch den Wegfall von Jobs. "Das können 1500 im Jahr sein, oder auch 2500 - je nachdem, wie viele Menschen die Altersteilzeit in Anspruch nehmen, und das auf zehn Jahre gesehen", sagte VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh dem "Handelsblatt". In Zukunftsbereichen wie der Softwareentwicklung und Mobilitätsdienstleistungen wie etwa Carsharing würden aber im gleichen Atemzug auch neue Stellen entstehen. Betriebsbedingte Kündigungen schloss Osterloh erneut aus.

VW Vorzüge
VW Vorzüge 137,28

Derzeit verhandelt die Arbeitnehmerseite mit der renditeschwachen Kernmarke VW Pkw über einen sogenannten Zukunftspakt, der dem Konzern einerseits Flexibilität beim Umbau, aber auch der Belegschaft Sicherheit geben soll. Generell soll geklärt werden, wie die Standorte auf Branchentrends wie Digitalisierung und alternative Antriebe reagieren. Dabei geht es um Produkte, Stückzahlen, Investitionen und die Belegschaftsstärke.

46ffbf8f7b76d8d5f66c6cac8b62a2a9.jpg

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh.

(Foto: dpa)

Die geringe Profitabilität der Kernmarke gilt an der Börse als eine Achillesferse des Zwölf-Marken-Konzerns, der mit den milliardenschweren Folgen des Diesel-Skandals zu kämpfen hat. Im zweiten Quartal hatte sich die Rendite von fast null auf 2,9 Prozent vom Umsatz erholt. Die französischen Konkurrenten Peugeot und Renault schneiden hier doppelt so gut ab. Sanierungsexperte Herbert Diess, seit gut einem Jahr an der Spitze des Markenvorstands, will VW auf Vordermann bringen.

Osterloh warnt vor überzogenen Zielen

Im Frühjahr waren Diess und Osterloh darüber hart aneinander geraten. Seither rauften sich Management und Betriebsrat zusammen und diskutierten in Arbeitsgruppen über die Neuausrichtung. "Wir sind auf einem guten Weg, aber es wird hart verhandelt", sagte Osterloh zu den Gesprächen mit Diess. Osterloh warnte, der Versuch, "überzogene Ziele auf dem Rücken der Belegschaften durchzusetzen", könne den Abschluss der Gespräche verzögern. Ob es schon Ende des Monats soweit sei, könne er daher nicht sagen.

Bereits Ende August hatte Osterloh einen möglichen Jobabbau bei VW nicht ausgeschlossen. "Wir werden einen Wandel der Beschäftigung erleben, bei dem wir sicherlich nicht jeden Arbeitsplatz halten können. Aber ich mache mir erstmal keine Sorgen, weil wir den Riesenvorteil der Babyboomer haben", sagte er zu den geburtenstarken Jahrgängen vor und nach 1960. "Die können über unsere Altersteilzeitregelung das Unternehmen eher verlassen. Darüber haben wir die Chance, einen Umbau in der Belegschaft vorzunehmen." VW hat weltweit gut 610.000 Mitarbeiter.

Quelle: ntv.de, jug/dpa/rts