Wirtschaft

Fabriken werden "transformiert" VW erhöht Tempo bei Elektromobilität

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Neben dem e-Golf soll es bis 2029 bis zu 75 reine Elektro-Modelle bei VW geben.

(Foto: dpa)

Der weltgrößte Autobauer investiert in den nächsten Jahren einen zweistelligen Milliardenbetrag, um in Zukunft mit klimafreundlichen Antrieben zu glänzen. Was Umweltschützer und Verbraucher freuen wird, dürfte für einige VW-Angestellte eine bittere Nachricht sein.

Volkswagen beschleunigt den Wechsel in die Elektromobilität. In den kommenden fünf Jahren (2020 bis 2024) will der weltgrößte Autobauer knapp 60 Milliarden Euro in klimafreundliche Antriebe und die Digitalisierung stecken. Das beschloss der Aufsichtsrat in Wolfsburg. Für den letzten fünfjährigen Planungszeitraum bis 2023 hatte der Konzern ein Investitionsvolumen von 44 Milliarden für diese Themen angesetzt.

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Das nun beschlossene Budget entspricht etwas mehr als 40 Prozent der für den Zeitraum geplanten Gesamtausgaben. Allein 33 Milliarden sind für die Elektromobilität vorgesehen. "Wir erhöhen in den folgenden Jahren mit unseren Investitionen noch einmal das Tempo", sagte Vorstandschef Herbert Diess. "Wir wollen unsere Skalenvorteile nutzen und größtmögliche Synergien heben."

Ein Schwerpunkt der Investitionen ist die Erweiterung der Produktion für reine Elektrofahrzeuge. So will Volkswagen nach dem Umbau des Werks Zwickau für die Fertigung von E-Autos der ID-Serie als nächstes die Fabriken in Emden und Hannover "transformieren". Auch in China und in den USA sollen Standorte teilweise oder ganz von Verbrenner- auf Elektrofertigung umgestellt werden.

Das neue elektronische Aushängeschild ist der ID.3, der im sächsischen Zwickau produziert wird. Mit dem strombetriebenen Kompaktwagen will der Autobauer die E-Mobilität aus der Nische holen und massentauglich machen. Die ersten Fahrzeuge will Volkswagen Mitte kommenden Jahres ausliefern. Ziel sei es, bis 2029 rund 26 Millionen Elektrofahrzeuge zu verkaufen, teilte VW mit. Zudem sollen im selben Zeitraum fast sechs Millionen Hybridfahrzeuge abgesetzt werden.

Handelskonflikte und Brexit belasten

Binnen zehn Jahren (bis 2029) plant der Konzern bis zu 75 reine Elektro-Modelle, bisher waren bis 2028 etwa 70 Modelle geplant. Außerdem sollen etwa 60 Hybridfahrzeuge in dieser Zeit auf den Markt gebracht werden. Das Geld für die Investitionen will VW weiter sowohl durch den Mittelzufluss aus dem laufenden Geschäft als auch durch Sparprogramme selbst erarbeiten. Das heißt auch, dass weiterhin Arbeitsplätze verloren gehen, weil das Arbeitsvolumen in der Elektromobilität geringer ist als bei herkömmlichen Verbrennern.

"Wir treiben die Transformation des Volkswagen Konzerns mit aller Entschlossenheit voran und fokussieren mit unseren Investitionen auf die Zukunftsfelder der Mobilität", erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch. Diess kündigte an, dass "in einem sich eintrübenden konjunkturellen Umfeld" Produktivität, Effizienz und Kostenposition steigen müssten, "um so unsere gesetzten Ziele abzusichern".

Handelskonflikte und die durch den Brexit ausgelöste Unsicherheit haben der Automobilbranche weltweit zugesetzt. Zudem machen ihr die enormen Entwicklungskosten, die mit der Umstellung auf Elektromobilität verbunden sind, zu schaffen. Volkswagen ist zudem in mehrere Rechtsstreitigkeiten verwickelt, seitdem der Autobauer 2015 eingeräumt hatte, weltweit in rund elf Millionen Dieselfahrzeugen eine illegale Software eingesetzt zu haben.

Quelle: ntv.de, fzö/rts/dpa/AFP