Wirtschaft

Im Namen des Klimaschutzes VW und BMW fordern Trump heraus

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VW, BMW, Ford und Honda einigen sich mit dem US-Bundesstaat Kalifornien auf strengere Abgasregelungen.

(Foto: REUTERS)

In einer Vereinbarung mit dem US-Bundesstaat Kalifornien verpflichten sich vier Autohersteller zu mehr Klimaschutz. Trumps Pläne, Abgasregulierungen seines Vorgängers rückgängig zu machen, entsprechen offenbar nicht den wirtschaftlichen Interessen der Autohersteller.

Lange haben sie für das gekämpft, was sie plötzlich wieder abschaffen wollen. Volkswagen, BMW, Ford und Honda einigen sich mit dem US-Bundesstaat Kalifornien auf strengere Abgasregelungen. Damit widersetzen sie sich den Plänen der US-Regierung unter Präsident Donald Trump, den nationalen Klimaschutz zurückzufahren. Gemeinsam mit der kalifornischen Umweltbehörde Carb wolle man eine bedeutsame Reduzierung von Treibhausgasen sicherstellen, heißt es in einer Erklärung. Die Autohersteller wollen sich darin bereiterklären, die Effizienz ihrer Neuwagen bis 2026 auf durchschnittlich 50 Meilen pro Gallone zu erhöhen.

Zu dieser Vereinbarung sind die vier Autohersteller laut der "Washington Post" nach fünf Wochen geheimer Verhandlungen mit dem Bundesstaat Kalifornien gekommen. Der Kurswechsel überrascht. Eigentlich sind die amerikanischen Autohersteller dafür bekannt, einstimmig für die Interessen der gesamten US-Autoindustrie zu sprechen.

In den vergangenen Jahren taten sie das im Kampf gegen strengere Richtlinien, mit Erfolg: Kurz nach der Amtseinführung Trumps plädierten sie dafür, die Abgasregulierungen seines Vorgängers Barack Obama zu überdenken. Die amerikanischen Kunden würden vor allem große Fahrzeuge kaufen, für die die neuen Standards nicht realistisch seien, argumentierten sie. Bei Trump stieß das auf offene Ohren.

Spaltung des Automarktes

Wie es aussieht, gingen den vier Autobauern Trumps Pläne, die unter Obama verschärften Sprit- und Abgasvorschriften für Autos auf Bundesebene zurückzudrehen, jedoch zu weit. Bei ihren Lobby-Anstrengungen für lockerere Standards hatten sie wohl nicht bedacht, dass Kalifornien befugt ist, eigene Vorschriften festzulegen.

Die Folge: Nach der politischen Spaltung des Landes droht nun ein zweigeteilter Automarkt. Denn neben dem liberalen Kalifornien haben bereits dreizehn weitere Staaten und die Hauptstadt angekündigt, Obamas strengere Standards beizubehalten. Zusammen machen sie 30 Prozent des US-Automarktes aus.

Für die produzierende Autoindustrie hat das katastrophale Folgen. Denn sie müssten verschiedene Modelle für zwei unterschiedliche Automärkte produzieren. Modelle regional abweichenden Regeln anpassen zu müssen wäre nicht nur umständlich und teuer, sondern auch riskant. Falls 2020 ein Demokrat ins Weiße Haus einziehen würde, könnte die Autoindustrie wieder dazu verpflichtet werden, strengere Regeln einzuhalten.

Ein guter Deal für die Autohersteller

Trump würde die mit Kalifornien vereinbarten Standards kaum als einen "good Deal" bezeichnen. Ihm ist der liberale Bundesstaat mit dem größten Automarkt schon lange ein Dorn im Auge. Für die vier Autohersteller ist der "Deal" dagegen vorteilhafter als Obamas Regelungen. Denn Volkswagen, BMW, Ford und Honda haben jetzt mehr Flexibilität, die jährlichen Emissionsziele zu erreichen. Anstatt 4,7 Prozent müssen die Fahrzeuge jährlich nur 3,7 Prozent effizienter werden. Zusätzlich haben die vier Autobauer ein Jahr länger Zeit, um auf 50 Meilen pro Gallone zu kommen. Obamas Vorschlag sah eine Einführung 2025 vor.

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Gemeinsam machen Volkswagen, BMW, Ford und Honda knapp ein Drittel des US-Automarktes aus. Nancy Pelosi, Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, forderte in einem Tweet auch andere Autohersteller dazu auf, sich an der Vereinbarung mit Kalifornien zu beteiligen.

Sollten sich auch andere große Player, wie beispielsweise General Motors, anschließen, könnte sich das auf den gesamten nordamerikanischen Markt auswirken. So hat Kanada bereits angekündigt, sich nicht nach den Standards aus Washington zu richten, sondern nach den kalifornischen.

Quelle: n-tv.de