Wirtschaft

Nicht genug E-Autos verkauft VW verpasst EU-Klimaziele - Strafen drohen

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Ein VW ID.4 rollt in Zwickau vom Band - das Elektroauto ist eines der zahlreichen neuen Stromer aus Wolfsburg.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die strengen Klimaziele der EU bringen VW in Schwierigkeiten. Der Konzern verkauft nicht genug Elektroautos, um seine Gesamt-Abgasbilanz zu schönen. Vorstandschef Diess räumt nun ein, dass es dieses Jahr wohl nicht mehr klappen wird. Damit drohen hohe Strafen.

Der Volkswagen-Konzern wird voraussichtlich nicht genügend Elektroautos absetzen, um die EU-Klimavorgaben für 2020 zu schaffen. "Wir arbeiten jetzt unter Hochdruck daran, so nah wie möglich an die Ziele heranzukommen", sagte VW-Chef Herbert Diess im Interview mit der "Wirtschaftswoche". "Nächstes Jahr wird das einfacher werden, und ab 2022 sollten wir keine Probleme mehr haben, die Flottenziele zu erreichen." Erreicht der Wolfsburger Konzern die Vorgaben für 2020 nicht, drohen hohe Strafen seitens der EU.

VW habe "relativ spät damit begonnen", die Flotte auf emissionsärmere Fahrzeuge umzustellen, räumte Diess ein, obwohl die Branche gewusst habe, dass die Flottenziele kommen würden. "Vor 2025 werden wir nicht wesentlich schneller sein können, weil es nicht genügend Batterien gibt", sagte er. "Zwischen 2025 und 2030 dagegen könnten wir noch zulegen."

Wie hoch die Strafen der EU werden, ist noch nicht klar - möglich sind aber Milliarden-Summen, wie es in der "Wirtschaftswoche" heißt. Die EU ruft 95 Euro pro zu viel ausgestoßenem Gramm CO2 je verkauftem Auto auf. Wie viele Autos der VW-Konzern dieses Jahr verkauft, steht naturgemäß noch nicht fest. Dementsprechend ist auch noch nicht klar, wie weit der CO2-Grenzwert überschritten wird. Legt man für eine Modellrechnung aber zehn Millionen verkaufte Autos und im Flottendurchschnitt nur ein Gramm CO2 zu viel zugrunde, nähert sich die Strafzahlung schon der Milliardengrenze. Ein VW-Sprecher sagte gegenüber ntv.de, man rechne lediglich mit einer Millionenstrafe.

Offen für Daimler-Kooperation

Diess zeigte sich zudem bereit für eine Zusammenarbeit mit anderen Autoherstellern bei der Entwicklung eines Auto-Betriebssystems, etwa mit Daimler. Moderne Autos sind IT-Produkte, die ähnlich wie PCs oder Smartphones ein Betriebssystem benötigen, und beide Autobauer programmieren derzeit ein eigenes Betriebssystem.

"Wir wären offen für eine Zusammenarbeit", sagte Diess der "Wirtschaftswoche". "Genauso wie wir auch offen sind für Kooperationen bei unseren Elektroautoplattformen." Zunächst aber müsse VW die Software für die vielen eigenen Marken und Modelle "gut hinbekommen".

Der CEO erwartet, dass sich ähnlich wie bei Smartphones auch bei Autos nur einige wenige Betriebssysteme weltweit durchsetzen werden. Google bietet bereits ein Auto-Betriebssystem an. "Wir könnten das Betriebssystem natürlich zukaufen", sagte Diess. Allerdings würde sich VW dadurch "in einem zentralen Bereich in die Abhängigkeit eines Unternehmens mit ganz anderen Interessen begeben". Das halte er für keine Option, der Konzern wolle eine solche Abhängigkeit vermeiden.

Machtkampf-Lösung in wenigen Wochen?

Diess bestätigte der Zeitschrift, dass zwischen ihm und dem Konzernbetriebsrat ein Machtkampf um Personalfragen entbrannt ist und zeigte sich zuversichtlich, dass in den nächsten Wochen eine Lösung gefunden werde. Bei Volkswagen müssen die Posten des Finanzvorstands und des Einkaufsvorstands neu besetzt werden. Zudem soll über eine mögliche Verlängerung von Diess' Vertrag, der noch bis 2023 läuft, entschieden werden.

"Die Personalien sind eine komplexe Sache, bei der die verschiedenen Stakeholder - der Betriebsrat, die Eigentümerfamilien, das Land Niedersachsen - mitgenommen werden wollen", sagte Diess der "Wirtschaftswoche". Die Lage sei "nicht einfach", dulde aber keinen weiteren Aufschub. Der Posten des Einkaufsvorstands sei schon längere Zeit unbesetzt. Diess betonte, er spiele dabei nicht gegen VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh, sondern mit ihm "in der gleichen Mannschaft".

Quelle: ntv.de, vpe/DJ