Wirtschaft

"Absurd, widerlich, abscheulich" VW wusste von Affen-Versuchen

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VW-Manager auf verschiedenen Ebenen wussten von fragwürdigen Abgas-Tests an Affen und Menschen.

(Foto: picture alliance / Uli Deck/dpa)

Politiker verurteilen die Abgas-Tests deutscher Autobauer an Affen und Menschen als "unentschuldbar" und fordern personelle Konsequenzen. Nun gesteht VW: Viele Manager wussten über die fragwürdigen Versuche Bescheid.

Volkswagen hat eingeräumt, dass Mitarbeiter des Konzerns von den umstrittenen Tierversuchen in den USA wussten. "Informationen über die Studie der US-Forscher hatten einzelne Mitarbeiter in der Rechtsabteilung des Konzerns, in den Konzern-Außenbeziehungen, in der Technischen Entwicklung der Marke Volkswagen und bei Volkswagen of America", teilte der Wolfsburger Konzern mit. Die Studie sei aber nicht Gegenstand einer Vorstandssitzung gewesen.

Zuvor hatte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch eine umfassende Aufklärung angekündigt. "Wer auch immer dafür Verantwortung zu tragen hat, ist selbstverständlich zur Rechenschaft zu ziehen." Auch die Politik verurteilte die fragwürdigen Testreihen. "Diese Tests an Affen oder sogar Menschen sind ethisch in keiner Weise zu rechtfertigen, und sie werfen viele kritische Fragen an diejenigen, die hinter diesen Tests standen, auf", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Im Verkehrsministerium soll nach Aussagen eines Sprechers die Abgas-Untersuchungskommission zu einer Sondersitzung zusammenkommen. "Bundesminister Schmidt verurteilt klar und deutlich die jetzt bekannt gewordenen Abgastests an Tieren und Menschen", hieß es. "Der Minister hat keinerlei Verständnis für solche Tests zum Schaden von Tieren und Menschen, die nicht der Wissenschaft dienen, sondern ausschließlich PR-Zwecken."

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil nannte sie "absurd und widerlich". Der niedersächsische Wirtschaftsminister Althusmann bezeichnete sie als "unentschuldbar": "Derartige Versuche sind völlig überflüssig und schaden dem Ansehen der beteiligten Unternehmen." Weil und Althusmann, die beide im VW-Aufsichtsrat sitzen, kündigten an, sich an VW-Chef Matthias Müller zu wenden, um "zeitnahe und umfassende Aufklärung" zu fordern.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) reagierte in einem Statement "entsetzt" auf die Tests. Was bislang bekannt sei, sei "abscheulich". Es sei hinreichend belegt, dass Stickoxide gesundheitsschädlich für den Menschen seien. "Dass eine ganze Branche anscheinend versucht hat, sich mit dreisten und unseriösen Methoden wissenschaftlicher Fakten zu entledigen, macht das Ganze noch ungeheuerlicher." Hendricks zeigte sich "erschüttert", dass sich offenbar Wissenschaftler für die Begleitung dieser "widerwärtigen Experimente" zur Verfügung gestellt hätten.

VW, Daimler und BMW haben über den von ihnen gegründeten und finanzierten Lobby-Verband Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT) nicht nur Tierversuche in den USA in Auftrag gegeben. Die EUGT förderte 2013 auch eine Studie an der Uniklinik Aachen zur Wirkung von Stickstoffdioxid auf Menschen. Diese sei "lange vor Bekanntwerden des Dieselskandals initiiert und durchgeführt" worden, teilte die Uniklinik mit.

Die Belastungen, denen die Probanden ausgesetzt worden seien, hätten "deutlich unter den Konzentrationen" gelegen, wie sie an vielen Arbeitsplätzen in Deutschland auftreten könnten. "Dementsprechend kam kein Mensch zu Schaden." Die Studie habe sich "inhaltlich nicht mit der Dieselbelastung von Menschen befasst" und stehe in keinem Zusammenhang mit dem in Medien berichteten Abgas-Tests an Affen.

Quelle: n-tv.de, vog/DJ

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