Trump soll Korruption verhindernVenezuela vertraut USA tonnenweise Gold an

31 Tonnen Gold aus der Reserve der venezolanischen Notenbank sollen aus Großbritannien in die USA gebracht werden. Ausgerechnet der selbst unter Korruptionsverdacht stehende US-Präsident und seine Regierung sollen sicherstellen, dass der Goldschatz nicht zweckentfremdet wird.
Seit Jahren streiten das venezolanische Regime und die Opposition, wer über das Gold des südamerikanischen Landes im Wert von mehreren Milliarden Dollar verfügen kann, das in London lagert. Als Lösung zeichnet sich nun ab, dass knapp 2500 Goldbarren aus der Reserve von Venezuelas Zentralbank in die USA gebracht werden und unter die Kontrolle der Regierung von Präsident Donald Trump kommen.
Seit der Entmachtung und Entführung des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro durch das US-Militär im Januar hat Trump bislang vor allem daran gearbeitet, über die Ölindustrie des südamerikanischen Landes verfügen zu können. Mehrere Milliarden Dollar venezolanischer Ölexporteinnahmen sind bereits auf Konten der US-Regierung geflossen. Einen transparenten Nachweis über die Verwendung dieser Gelder gibt es bisher nicht. Ein ähnliches Schicksal könnte nun dem venezolanischen Gold aus London drohen.
In den Tresoren der Bank of England unter dem Londoner Stadtzentrum lagern rund 31 Tonnen Gold, die Teil der Reserven der venezolanischen Zentralbank sind. Berichten zufolge sind das rund 15 Prozent der gesamten venezolanischen Devisenreserven. London ist einer der wichtigsten Goldhandelsplätze. Die Bank of England verwahrt hier in riesigen Tresorräumen Goldreserven von Zentralbanken aus aller Welt, darunter auch einen Teil der Reserven der Deutschen Bundesbank.
Um die venezolanischen Barren tobt allerdings seit Jahren ein Streit, der verhindert, dass Venezuelas Zentralbank auf diesen Teil ihrer Reserven zugreifen kann. Nachdem sich Maduro 2018 zum Wahlsieger hatte erklären lassen, obwohl er nach Einschätzung der Opposition und internationaler Beobachter haushoch verloren hatte, erkannte Großbritannien - wie viele andere westliche Staaten - den Oppositionskandidaten Juan Guaidó als Interimspräsidenten und offiziellen Vertreter Venezuelas an.
Land braucht dringend Geld
Auf Bitte Guaidós und unter Berufung auf diese Entscheidung verweigerte die Bank of England Venezuelas Notenbank unter Maduros Kontrolle den Zugriff, als diese Teile des Goldes verkaufen oder nach Venezuela bringen wollte. Der Streit beschäftigte die britische Justiz über mehrere Instanzen, bis der High Court zugunsten von Guaidó entschied. Zu diesem Zeitpunkt war der aber gar nicht mehr Oppositionsführer und der Status des Goldes damit wieder unklar.
Die sich nun abzeichnende Lösung geht auf eine Einigung zwischen Oppositions- und Regierungsvertretern zurück - unter massivem Druck durch extreme Geldnot in Caracas. Nach dem Erdbeben im Frühjahr braucht das Land dringend Geld für den Wiederaufbau. Die teilweise Aufhebung von US-Sanktionen hat bisher nicht zu dem erhofften Aufschwung in dem seit Jahren unter Wirtschaftskrise und Hyperinflation leidenden Land geführt. Der Deal sieht nun laut einem Bericht der "Financial Times" vor, dass das Gold wieder in den Besitz von Venezuelas Zentralbank kommt. Die darf das Gold aber nicht verkaufen, sondern nur als Sicherheit für die Aufnahme von Schulden nutzen. Diese sollen dem Wiederaufbau der vom Erdbeben zerstörten Landesteile dienen.
Die Oppositionsvertreter stimmten dieser Vereinbarung offenbar unter der Bedingung zu, dass das Gold in die USA gebracht wird und die Erlöse daraus über die Konten der Trump-Regierung fließen. So soll verhindert werden, dass die Milliarden in die Taschen der unter Korruptionsverdacht stehenden Führung in Venezuela fließen.
Dass ausgerechnet die US-Regierung unter Trump diese Aufsichtsfunktion wahrnehmen soll, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Gegen Trump selbst gibt es massive Korruptionsvorwürfe, auch in Zusammenhang mit seinem Vorgehen in Venezuela. Die Regierung in Caracas stimmte unter militärischem Druck aus Washington zu, dass der gesamte Ölexport über die USA läuft. Seitdem sind weit mehr als zehn Milliarden Dollar venezolanischer Öleinnahmen auf Konten der US-Regierung geflossen. Was mit diesem Geld geschehen ist, ist teilweise bis heute unklar.