Wirtschaft

Von Holz bis Stahl Viele Rohstoffpreise brechen ein

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Der Preis für Bauholz hat in den letzten zwei Jahren eine Achterbahnfahrt erlebt.

(Foto: picture alliance/AP Photo)

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Lieferengpässe und steigende Preise beherrschen seit Monaten die Schlagzeilen. Alles scheint knapp zu sein und teuer. Zumindest begründen von den Autobauern bis zu den Lebensmittelherstellern viele Unternehmen so ihre teils heftigen Preiserhöhungen. Doch für viele Rohstoffe und Vorprodukte hat sich dieser Trend inzwischen umgekehrt. Für einige Güter sind die Großhandelspreise an den Börsen regelrecht eingebrochen. Einige Beispiele:

Kupfer

Kupfer (LME)
Kupfer (LME) 8.112,00

Der Kupferpreis gilt als einer der Gradmesser für die globale Konjunktur. Und so mies die wirtschaftlichen Aussichten weltweit von Amerika über Euro und China bis zu den großen Schwellenländern gerade sind, so hat sich auch der Preis des für alle Arten von Bauten, Industrieanlagen und Maschinen benötigten Metalls entwickelt. 2020 und 2021 war der Kurs für Kupfer-Futures, also Anrechtsscheine für Kupferlieferungen in der Zukunft, an den Börsen steil angestiegen, da Rohstoffhändler mit einer schnellen Erholung der Wirtschaft rechneten. Sie erwarteten, dass das Angebot mit der Nachfrage nicht standhalten würde. Nachdem der Preis Anfang März dieses Jahres einen Rekordwert von mehr als 10.800 US-Dollar pro Tonne erreicht hatte, sackte er um mehr als 30 Prozent auf zeitweise knapp 7000 Dollar ab.

Eisen und Stahl

Preise für andere Rohstoffe hatten schon vergangenes Jahr, als die Konjunktur in vielen Teilen der Welt noch besser lief und die russische Invasion in der Ukraine für viele noch unvorstellbar schien, Rekordhöhen erreicht. Dazu gehört unter anderem Eisenerz. Im Juli vergangenen Jahres kostete eine Tonne bis zu 220 Dollar. Heute sind es nur noch rund 110 Dollar pro Tonne. Ähnlich entwickelt sich der Stahlpreis, obwohl darin ja nicht nur der Rohstoff Erz, sondern auch jede Menge Energie steckt, deren Preis in Form von Kohle und Gas weiter auf Rekordniveau liegt.

Weizen

Auch der Preis für einen der wichtigsten Agrarrohstoffe und Grundnahrungsmittel in vielen Ländern stieg bereits in den vergangenen Jahren. Mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine und Sorge um die Lieferungen aus diesen beiden wichtigen Agrarexportländern schoss der Future-Kurs an der als Leitbörse für Rohstoffe geltenden Terminbörse in Chicago auf nie dagewesene 12,50 US-Dollar pro Scheffel (etwa 27 Kilogramm). Dann sank der Kurs wieder um mehr als ein Drittel auf heute etwa 7,80 Dollar. Damit liegt der Weizenpreis trotz des jüngsten Einbruchs allerdings noch immer fast doppelt so hoch wie in den Vor-Corona-Jahren. Für viele ärmere Länder, deren Bevölkerung auf Weizenimporte angewiesen ist, ist das weiterhin viel zu teuer.

Palmöl

Der Preis für Palmöl, das nicht nur in vielen Lebensmitteln, sondern auch anderen Produkten wie Kosmetika steckt, ist seit einem Rekordhoch im April diesen Jahres sogar um rund die Hälfte eingebrochen. Baumwolle, die noch im Mai 2022 auf einem Rekordhoch notierte, ist inzwischen wieder gut 30 Prozent billiger.

Diese Entwicklung ist aber keineswegs bei allen landwirtschaftlichen Produkten zu beobachten. Viele tierische Erzeugnisse von Fleisch über Milchprodukte bis zu Eiern liegen weiterhin auf Rekordniveau.

Halbleiter

Sinkende Preise zeichnen sich aber keineswegs nur bei börsennotierten Rohstoffen ab. Selbst bei Computerchips, deren Knappheit inzwischen seit rund zwei Jahren weltweit Schlagzeilen macht, purzeln die Preise – allerdings nicht bei allen Arten. DRAM-Speicherchips verbilligten sich laut dem taiwanischen Marktforschungsunternehmen TrendForce im vergangenen Quartal gegenüber dem Vorjahr um mehr als zehn Prozent. Die Entwicklung könnte sich den Experten zufolge in den kommenden Monaten verschärfen. Prozessoren, die nicht nur Computer und Smartphones antreiben, sondern in allen Arten von elektronischen Produkten, Autos und auch Waffen verbaut sind, sind weiter heiß begehrt und könnten noch teurer werden.

Holz

Handelt es sich bei der Entwicklung der genannten Rohstoffe um einen Trend, der sich fortsetzen und nach einiger Zeit auch bei den Verbrauchern ankommen wird? Das ist unsicher. Eine Warnung vor verfrühter Hoffnung ein Ende der globalen Preisrally ist der Kurs von amerikanischem Bauholz. Der für die US-Bauwirtschaft wohl wichtigste Rohstoff war einer der ersten großen Lieferengpässe, die Teile der Wirtschaft lahmlegten. Dann platzte die Blase, der Preis brach innerhalb weniger Wochen um mehr als 70 Prozent ein, um Ende vergangenen Jahres bis zu diesem Frühjahr allerdings erneut, um etwa das Dreifache zuzulegen und wieder abzustürzen. Derzeit kosten 1000 "Board Feet", die Standardeinheit für die entsprechenden US-Börsen-Futures 550 Dollar und damit weniger als ein Drittel des Rekordhochs vom 2020. Wenn die Weltkonjunktur wieder anspringt und die Nachfrage steigt, könnte sich der Preistrend auch bei anderen Rohstoffen schnell wieder umkehren.

Quelle: ntv.de

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