Wirtschaft

"Anfangsverdacht des Betruges" Winterkorn gerät ins Visier der Ermittler

Im VW-Abgasskandal interessiert sich nun auch die Staatsanwaltschaft für den früheren VW-Vorstandschef Martin Winterkorn. Gegen ihn wird wegen des Anfangsverdachts des Betruges ermittelt.

Der frühere Volkswagen-Chef Martin Winterkorn gerät in der Abgasaffäre nun auch wegen Betrugsverdacht ins Visier der Staatsanwaltschaft. Es hätten sich "zureichende tatsächliche Anhaltspunkte" dafür ergeben, dass Winterkorn früher als von ihm öffentlich behauptet Kenntnis von der manipulierenden Software und deren Wirkung gehabt haben könnte, teilten die Ermittler mit.

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Winterkorn hat mehrfach beteuert, erst im September von den millionenfachen Abgasmanipulationen erfahren zu haben. Gegen ihn ermittelte die Staatsanwaltschaft bereits wegen des Verdachts der Marktmanipulation. Insgesamt ermittelt die Staatsanwaltschaft im Dieselskandal inzwischen gegen 37 Personen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft besteht gegen Winterkorn und alle anderen Beschuldigten der "Anfangsverdacht des Betruges und der strafbaren Werbung nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb".

Verfahren wegen Marktmanipulation läuft

Im Zuge der Ermittlungen durchsuchte die Staatsanwaltschaft insgesamt 28 Objekte am Unternehmenssitz von VW in Wolfsburg sowie in Gifhorn und Braunschweig. Die Auswertung des sichergestellten Materials werde voraussichtlich mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Bisher wurde gegen 21 Beschuldigte wegen des Abgasbetrugs ermittelt, darunter befand sich nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft keine Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder.

Die Ermittlungen wegen des Verdachts der Marktmanipulation richten sich gegen Winterkorn, VW-Markenchef Herbert Diess und den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch. Sie stehen unter dem Verdacht, die Börse zu spät über den Abgasskandal informiert zu haben, in dessen Folge die VW-Aktie rasant an Wert verlor.

Winterkorn hatte erst vor wenigen Tagen vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages zur VW-Abgasaffäre erklärte, er habe nicht früher von illegalen Abschalteinrichtungen in den Motoren gewusst. Den Begriff "Defeat Device" (Abschalteinrichtung) habe er nicht vor September 2015 gekannt.

Winterkorn hatte erst vergangene Woche vor dem Bundestags-Untersuchungsausschuss jegliche persönliche Verstrickung in den Abgasskandal bestritten und sich selbst als Opfer dargestellt. Er sei bestürzt, dass Millionen von VW-Kunden enttäuscht worden seien, erklärte der 69-Jährige.

Winterkorn war kurz nachdem die Abgasmanipulationen im September 2015 öffentlich bekannt wurden, von seinem Amt an der Spitze von Europas größtem Autobauer zurückgetreten. Betroffen von den Diesel-Abgasmanipulationen sind weltweit rund elf Millionen Fahrzeuge des Konzerns.

Quelle: n-tv.de, cas/AFP/rts

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