Inflationsdaten tun ihr ÜbrigesWarsh-Nominierung belastet US-Börsen

Mit dem Fed-Nominierten Warsh, dem abgewendeten Shutdown und den nun vorliegenden Erzeugerpreisen zum zurückliegenden Jahresendspurt zeigen sich die US-Börsen wackelig. Es gibt deutlich mehr Kursverlierer als -gewinner. Gerüchte um Musk sorgen für eine Überraschung bei Tesla.
Die Nominierung von Kevin Warsh zum neuen US-Notenbankchef und unerwartet hohe Inflationsdaten haben die Wall Street ins Minus gedrückt. Der Dow-Jones-Index fiel um 0,4 Prozent auf 48.892 Punkte. Der S&P-500 verlor ebenfalls 0,4 Prozent auf 6939,03 Stellen, der Nasdaq-Composite gab um 0,9 Prozent auf 23.461,82 Zähler nach. Die Zahl der Kursgewinner an der Nyse wurde mit 1161 (Donnerstag: 1576) angegeben, die der -verlierer mit 1602 (1159). Unverändert schlossen 58 (107) Titel.
Im Blick stand ferner eine Personalie an der Fed-Spitze. Denn US-Präsident Donald Trump hat Kevin Warsh als Nachfolger von US-Notenbankgouverneur Jerome Powell nominiert. Auf Warsh hatten die Märkte als aussichtsreichsten Kandidaten gesetzt. Trump hatte ihn bereits in seiner ersten Amtszeit für den Vorsitz in Betracht gezogen, sich damals aber für den jetzigen Amtsinhaber Jerome Powell entschieden. "In jüngerer Zeit hat Warsh für die Notwendigkeit niedrigerer Zinssätze plädiert, aber früher in seiner Karriere hat er sich als Inflationsfalke einen Namen gemacht", merkte SEB-Volkswirt Johan Javeus dazu an.
Für Kaufzurückhaltung am Aktienmarkt sorgten auch die steigenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran. Es gebe Erwartungen eines US-Angriffs auf den Iran am Wochenende, mutmaßte IG-Analyst Chris Beauchamp. Die Anzeichen deuteten darauf hin, dass die USA eine größere und längere Kampagne starten könnten, was unweigerlich die Befürchtung aufkommen lasse, dass Teheran Vergeltung üben werde, fügte der Chefmarktanalyst hinzu. Händler sprachen daher von einem hohen Schlagzeilenrisiko am Wochenende. Deshalb mieden Anleger risikoreiche Vermögenswerte wie Aktien.
Dass ein neuerlicher Regierungsstillstand in letzter Sekunde vermieden wurde, stützte die Börsen nicht. Auf die Stimmung drückten zudem frische Daten zu den Erzeugerpreisen. Diese waren im Dezember stärker gestiegen als erwartet, was Sorgen vor einer wieder anziehenden Inflation in den kommenden Monaten schürte.
Apples Kostenprognose im Fokus
In dieser Gemengelage geriet der Geschäftsausweis von Apple ein wenig in den Hintergrund. Der Technologiegigant legte bessere Geschäftszahlen als erwartet vor, schafft es aber nicht, die aktuell etwas gedrückte Stimmung für den Technologiesektor aufzuhellen nach dem Einbruch von Microsoft am Vortag. Apple hat im ersten Geschäftsquartal dank boomender iPhone-Verkäufe einen Rekordgewinn verbucht. Investoren interessieren sich aber besonders für die Kostenprognosen des Unternehmens.
Die neue Nachfrage nach KI-Servern und -Geräten hat jüngst zu einem starken Preisanstieg bei Vorprodukten geführt, die in Apple-Geräten verbaut werden. Besonders stark waren die Preisanstiege bei Speicherkomponenten und -medien. Es wird erwartet, dass sich die höheren Kosten später im Jahr auf Apple auswirken werden, wenn Zulieferer die Preiserhöhungen durchsetzen. Die Aktie gewann 0,5 Prozent.
Die Renditen von US-Staatsanleihen zeigten sich zweigeteilt. Während sie am kurzen Ende des Marktes leicht nachgaben, stiegen sie am langen Ende etwas. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen erhöhte sich um 2,5 Basispunkte auf 4,25 Prozent. Auf der einen Seite gaben die Inflationsdaten den Renditen Auftrieb. Auf der anderen Seite hieß es, die Nominierung Warshs könnte kurzfristig den Weg zu Zinssenkungen ebnen. Marktteilnehmer vermuteten hinter den geringen Bewegungen am Anleihemarkt auch Zweifel der Anleger daran, ob es Warsh gelingen werde, die anderen Mitglieder des Board of Governeurs der Fed auf seine Seite zu ziehen.
Dollar steigt, Gold und Silber fallen
Der US-Dollar stieg mit der Fed-Personalie - der Dollar-Index legte um 0,8 Prozent zu. ING-Analyst Francesco Pesole erinnerte an die falkenhaften Ansichten Warshs in der Vergangenheit - "insbesondere was den Bilanzabbau betrifft". Die Wahl von Warsh dürfte dazu beitragen, den Dollar etwas zu stabilisieren und das asymmetrische Risiko einer tiefen, andauernden Dollarschwäche zu verringern", ergänzte Analystin Krishna Guha von Evercore ISI und verwies ebenfalls auf den falkenhaften Ruf Warshs. Zudem stehe er für die Unabhängigkeit der Fed.
Gold und Silber stürzten nach ihrer jüngsten Rally ab, auch belastet vom festeren Dollar. Damit kam es nach der jüngsten Rekordjagd, die Gold bis knapp an die Marke von 5600 Dollar je Feinunze geführt hat, zu kräftigen Gewinnmitnahmen. Am Ende verbilligte sich das Edelmetall um mehr als zehn Prozent auf 4850 Dollar je Feinunze. Der Preis für Silber rutschte unter die erst vor einer Woche überwundene 100-Dollar-Marke und verlor sogar über 27 Prozent auf 84,20 Dollar je Feinunze. "Die Märkte stellen sich auf Trumps Wahl von Kevin Warsh und die Aussichten für die Geldpolitik ein", sagte Michael Hans, Chefinvestor bei Citizens Wealth.
Auch die Ölpreise wurden mit der Aufwertung des Dollars etwas gebremst. Sie waren allerdings in den vergangenen Tagen wegen der Iran-Spannungen kräftig gestiegen, die auch nun weiter stützte.
Musk-Gerüchte beflügeln Tesla
Gefragt bei den Einzelwerten waren unter anderem die Aktien des Elektroautopioniers Tesla, die um 3,3 Prozent zulegten. Medienberichte über Gespräche von SpaceX mit anderen Unternehmen von Elon Musk - darunter Tesla und dem KI-Startup xAI - schürten unter Anlegern die Hoffnung, dass das Technologie-Imperium des Milliardärs weiter zusammengeführt werden könnte.
Verizon Communications legte um 11,8 Prozent zu. Nach positivem Geschäftsausweis stiegen Chevron um 3,4 Prozent, Exxon Mobil gewannen 0,8 Prozent. Die Zahlen seien solide, aber manche Anleger hätten auf mehr gehofft, hieß es.
American Express (-1,8 Prozent) verfehlte die Gewinnschätzungen des Marktes, auch Visa (-3 Prozent) verloren nach Geschäftsausweis. Sandisk sprangen um 6,8 Prozent nach oben, der Anbieter von Speichermedien pulverisierte die Gewinnerwartungen des Marktes.