Wirtschaft

Auch Toilettenpapier wird teurer Warum Preise für Gemüse sprunghaft steigen

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Wertvolle Ware: Vor einem Jahr wurden viele Obst- und Gemüsesorten noch für die Hälfte oder weniger des aktuellen Preises angeboten.

(Foto: picture alliance / Zoonar)

Obst und Gemüse in den Supermärkten sind derzeit teilweise doppelt und dreifach so teuer wie vor einem Jahr. Auch bei Toiletten- und Küchenpapier stehen deutliche Preissteigerungen an. Das Wetter, Corona und der Wirtschaftsaufschwung in China machen Produktion und Transport schwerer.

Vor einem Jahr bot Thomas Weiden ein Pfund Rispentomaten in seinem Edeka-Markt in Mönchengladbach noch für 1,99 Euro an - aktuell ist es doppelt so teuer. Der Preissprung ist kein Einzelfall. Fast neun Euro kostet im Einzelhandel derzeit ein Kilo Paprika aus konventionellem Anbau, Bio-Paprika derzeit sogar oft deutlich über zehn Euro. Die Verbraucherpreise für Obst und Gemüse haben sich teilweise verdoppelt oder verdreifacht.

Für die Branche kommt der Preisanstieg nicht überraschend: Bereits Ende Januar hatte der Deutsche Fruchthandelsverband vor einem Versorgungsengpass mit Obst und Gemüse aus dem Ausland gewarnt. Grund war die Verschärfung der Corona-Einreise-Verordnung durch die Bundesregierung. Die aktuell hohen Preise hängen allerdings vor allem mit dem erhöhten Personalaufwand bei der Ernte zusammen.

Denn sowohl in Deutschland als auch in den südeuropäischen Ländern kommen oft Saisonkräfte aus Osteuropa zum Einsatz. "Die Hygienemaßnahmen, die veränderte Unterbringung, das ist im Moment ein enormer Aufwand, der sich im Preis widerspiegelt", sagt Marktleiter Weiden ntv. Auch bei der Ernte dürfen sich die Arbeiter dann nicht zu nahe kommen, was die Produktivität verringert und die Erntezeit verlängert. Zudem verzögerten die Corona-bedingten Grenzkontrollen den Transport, erklärt Weiden.

Ein Preistreiber ist außerdem das Wetter. Denn der Großteil der Paprika, die derzeit in den Supermärkten und Discountern erhältlich ist, kommt aus Spanien oder Nordafrika. Seit Jahresbeginn sind die Temperaturen in den Anbauländern deutlich unter dem üblichen Durchschnitt. Allein Spanien hat das schlimmste Winterchaos seit 50 Jahren erlebt, sogar Madrid war zugeschneit.

Deutsches Gemüse lässt auf sich warten

Viele Gewächshäuser für den industriellen Gemüseanbau liegen zwar in Spaniens Küstenregionen, wo das Wetter relativ mild ist. Doch auch dort war es in den vergangenen Monaten deutlich zu kalt. Als Folge fiel die Ernte geringer aus, die Preise dagegen steigen.

Mit einer Entspannung ist zu rechnen, wenn das Gemüse auch in deutschen und niederländischen Gewächshäusern reift. Doch "darauf müssen wir noch ein bisschen warten", sagt Weiden. Denn auch hierzulande ist es in diesem Jahr kälter als in den Vorjahren.

Derzeit zwar noch entspannt ist die Lage beim Toilettenpapier. Doch die Preise dafür dürften bald deutlich anziehen. Markenhersteller wie Hakle oder Zewa haben Preiserhöhungen schon angekündigt. Auch Küchenpapier ist davon betroffen.

Grund für die Erhöhung: Die Weltmarktpreise für Öl und Zellstoff steigen immer weiter. Die Hersteller von Toiletten- und Küchenpapier müssen die gestiegenen Rohstoffpreise an die Händler weitergeben. "Einen solchen Anstieg habe ich in mehreren Dekaden noch nicht erlebt", sagte Hakle-Chef Volker Jung gegenüber der "Lebensmittel-Zeitung". "Wir sind mit den Händlern in Gesprächen und bereiten sie auf die Situation vor." Er sehe keine andere Möglichkeit, als die Preise zu erhöhen. "Andernfalls sind wir im Sommer kaputt", so der Manager in der Zeitung.

Zellstoffpreise steigen weiter

Auch die beiden Weltmarktführer Essity (Zewa, Tempo) und Kimberly-Clark (Kleenex) haben bereits angekündigt, wegen der explodierenden Rohstoffkosten die Preise anzupassen. Laut "Lebensmittel-Zeitung" sollen die Preise "im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich" erhöht werden.

Doch es könnte noch teurer werden: Vor allem die Zellstoffpreise sollen laut einer Prognose im Jahresverlauf um bis zu 35 Prozent steigen. Da der Zellstoff für die Toiletten- und Küchenpapierhersteller 50 bis 70 Prozent der Produktionskosten ausmacht, könnte es weitere Preissteigerungen geben.

Grund für den explodierenden Zellstoffpreis ist vor allem die starke Nachfrage aus China. Die chinesische Wirtschaft habe sich bereits stärker von den Folgen der Corona-Pandemie erholt und wachse kräftig, so Branchenbeobachter in der "Lebensmittel-Zeitung".

Quelle: ntv.de, mbo

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