Wirtschaft

Nachschub aus Spanien in Gefahr Werden jetzt Obst und Gemüse knapp?

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Obst und Gemüse wird es auch weiterhin geben, aber der Nachschub aus Spanien ist in Gefahr, warnt der Fruchthandelsverband.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Frühjahr 2020 führte der Lockdown in manchen Supermärkten zu leeren Regalen. Das droht nun wieder, allerdings nicht bei Mehl, Hefe und Toilettenpapier, sondern bei Obst und Gemüse.

Der Deutsche Fruchthandelsverband sieht die Versorgung mit Obst und Gemüse aus dem Ausland gefährdet. Grund sei die Verschärfung der Corona-Einreise-Verordnung durch die Bundesregierung, teilte der Verband in Bonn mit. Innerhalb von wenigen Stunden seien die Einreisebedingungen auch für die Fahrer von Lebensmitteltransporten so verschärft worden, dass es kaum noch möglich sei, Obst und Gemüse zum Beispiel aus Spanien nach Deutschland zu importieren.

Verbandsgeschäftsführer Andreas Brügger sagte, die Fahrer aus den festgelegten Hochrisikogebieten wie Portugal und Spanien müssten seit Sonntag bei Grenzübertritt einen negativen PCR-Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 72 Stunden sei. In der Praxis sei das kaum machbar. "Spanien ist zurzeit mit einem Anteil von rund 30 Prozent eines der Hauptlieferländer für Obst und Gemüse", erläuterte Brügger. Gemeinsam mit anderen Verbänden habe man die Bundesregierung frühzeitig auf die möglichen Konsequenzen hingewiesen, "leider ohne Ergebnis".

Der Verband forderte europaweit verbindliche Regelungen, wie sie mit der Green-Lanes-Richtlinie der Europäischen Union bereits definiert seien. Die Richtlinie sieht Grenzübergänge innerhalb der EU mit Sonderfahrspuren vor, die eine schnelle Durchfahrt von Güterfahrzeugen ermöglichen. "Wir brauchen auch in Corona-Zeiten einen Versorgungskorridor für frisches Obst und Gemüse, sonst drohen leere Regale im Handel", sagte Brügger.

Sechs weitere EU-Staaten betroffen

Für Einreisende aus jenen rund 25 Ländern, die das Robert-Koch-Institut am Freitag als "Hochrisikogebiete" einstufte, gelten verschärfte Einreisebedingungen. Von den schärferen Maßnahmen sind neben Spanien auch Einreisende aus sechs weiteren EU-Staaten betroffen: Portugal, Tschechien, Slowenien und die Baltenstaaten Estland, Lettland und Litauen. Auch die USA und Ägypten stehen auf der neuen Liste der Hochrisikogebiete, ebenso die Balkanländer Bosnien, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien.

Die Einstufung als "Hochrisikogebiet" gilt seit diesem Sonntag. Sie betrifft Länder, bei denen der so genannte Inzidenzwert bei mehr als 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen liegt. Auch Länder mit einer besonderen Ausbreitung der hochinfektiösen Virus-Mutation sind aufgeführt. Aktuell sind das Großbritannien, Irland, Brasilien und Südafrika. "Hochrisikogebiet" ist eine neue Kategorie, bislang waren nur "Risikogebiete" ausgewiesen worden.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/AFP