Wirtschaft

Reserven, Exporte, RaffinerienWarum Venezuelas Ölindustrie Trumps Begehrlichkeiten weckt

04.01.2026, 10:49 Uhr
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Türme und Ölplattformen der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA am Ufer des Maracaibo-Sees. (Foto: IMAGO/ZUMA Wire)

Venezuela verfügt über die größten Ölvorräte der Welt. Gefördert wird jedoch nur ein Bruchteil der Kapazitäten. Nach dem US-Angriff will Präsident Trump Zugriff auf die dortige Ölindustrie erhalten. Das könnte mehrere Gründe haben.

Die USA wollen nach der Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro große Ölfirmen in das südamerikanische Land schicken. Das kündigte Präsident Donald Trump an. Während der Pressekonferenz in seiner Residenz in Mar-a-Lago kam Trump immer wieder auf seine heimischen Ölfirmen zu sprechen, die Milliarden an Dollar in Venezuela investieren werden. Man wolle die Ölfelder sichern, so der US-Präsident nach dem US-Angriff auf das Land. Warum die Ölindustrie des Landes wichtig ist:

Reserven

Venezuela verfügt über die größten Ölreserven der Welt. Dem Londoner Energy Institute zufolge besitzt Venezuela mit 303 Milliarden Barrel rund 17 Prozent der weltweiten Reserven und liegt damit vor dem Opec-Führer Saudi-Arabien. Die Ölförderung liegt jedoch wegen Missmanagement, mangelnder Investitionen und Sanktionen nur bei einem Bruchteil der Kapazität.

Der Großteil der Reserven ist Schweröl aus dem Orinoco-Gürtel in Zentralvenezuela. Dessen Förderung ist nach Angaben des US-Energieministeriums teuer, aber technisch relativ einfach.

Produktion

Venezuela ist Gründungsmitglied der Organisation erdölexportierender Länder (Opec). In den 1970er Jahren produzierte das Land bis zu 3,5 Millionen Barrel pro Tag, was damals mehr als sieben Prozent der weltweiten Ölförderung entsprach. Die Produktion ist seitdem zurückgegangen. In den 2010er Jahren fiel sie unter zwei Millionen Barrel pro Tag und lag im vergangenen Jahr bei durchschnittlich rund 1,1 Millionen Barrel täglich.

"Wenn die Entwicklungen letztlich zu einem echten Regimewechsel führen, könnte dies mit der Zeit sogar zu mehr Öl auf dem Markt führen", sagt Analyst Arne Lohmann Rasmussen von Global Risk Management. "Es wird jedoch dauern, bis sich die Produktion vollständig erholt." Andere Experten sehen das ähnlich. "Wenn Trump mit dem Regimewechsel Erfolg hat, könnten die venezolanischen Exporte wachsen, da die Sanktionen aufgehoben werden und ausländische Investitionen zurückkehren", sagt Saul Kavonic vom australischen Analysehaus MST Marquee.

Gemeinschaftsunternehmen

Venezuela verstaatlichte seine Ölindustrie in den 1970er Jahren und gründete die Petroleos de Venezuela S.A. (PdVSA). In den 1990er Jahren unternahm das Land Schritte, um den Sektor weitgehend für ausländische Investitionen zu öffnen.

Nach der Wahl von Hugo Chavez im Jahr 1999 schrieb Venezuela eine Mehrheitsbeteiligung von PdVSA an allen Ölprojekten vor. PdVSA gründete Gemeinschaftsunternehmen, um die Produktion zu steigern - unter anderem mit Chevron, der China National Petroleum Corporation, Eni, Total und der russischen Rosneft.

Exporte und Raffinerien

Die USA waren früher der Hauptabnehmer für venezolanisches Öl. Viele Raffinerien in den USA wurden speziell für die Verarbeitung des schweren venezolanischen Rohöls konzipiert und sind auch heute noch darauf ausgerichtet. Seit der Einführung von Sanktionen ist im letzten Jahrzehnt jedoch China zum Hauptziel geworden. Die Exporte sind zum Erliegen gekommen, seit US-Präsident Donald Trump im Dezember 2025 eine Blockade für alle Schiffe angekündigt hat, die das Land anlaufen oder verlassen.

PdVSA besitzt auch bedeutende Raffineriekapazitäten im Ausland, darunter Citgo in den USA. Gläubiger kämpfen jedoch in langwierigen Gerichtsverfahren in den USA darum, die Kontrolle darüber zu erlangen.

Quelle: ntv.de, gut/rts/AFP

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