Wirtschaft

Ausstieg aus dem Lockdown Was Industrie und Handel fordern

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Wann und wie die Geschäfte wieder öffnen dürfen, wollen Vertreter von Bund und Ländern heute diskutieren.

(Foto: imago images/Manngold)

Seit rund vier Wochen herrscht in Teilen des deutschen Wirtschaftslebens Stillstand. Vor den Beratungen von Bund und Ländern zur Exit-Strategie formulieren die Branchenvertreter ihre Forderungen. Natürlich wollen alle möglichst schnell wieder öffnen, doch damit allein ist es nicht getan.

Der Stillstand in der Corona-Krise trifft die deutsche Wirtschaft hart. Vor allem im Handel wird der Ruf nach einer Wiedereröffnung der Geschäfte immer lauter. Die Industrie mahnt einen verbindlichen Fahrplan für eine schrittweise Lockerung der Beschränkungen an. Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder wollen am Nachmittag in einer Videokonferenz über das weitere Vorgehen in der Krise beraten.

Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth, warnte: "Wenn die Läden in den Innenstädten noch lange flächendeckend schließen müssen, droht eine gewaltige Pleitewelle und somit ein bleibender Schaden für unsere vitalen Stadtzentren." Der Einzelhandel müsse flächendeckend wieder öffnen dürfen, sobald dies gesundheitspolitisch vertretbar sei. Besonders der Modehandel hat das Gefühl, dass ihm die Zeit davonläuft. Der Sprecher des Handelsverbandes Textil (BTE), Axel Augustin, betonte: "Jeder Tag, den wir warten müssen, tut weh. Eigentlich muss es spätestens Anfang Mai wieder losgehen, sonst wird es wirklich übel für uns".

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels setzt sich dafür ein, "dass die Buchhandlungen bei möglichen Lockerungen der Einzelhandelsschließungen zu den ersten Geschäften gehören, die wieder öffnen dürfen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, Alexander Skipis. Bücher seien essenzieller Teil der "geistigen Grundversorgung" und Buchhandlungen somit für die Gesellschaft systemrelevant.

 

Industrie will Zeitplan

Industriepräsident Dieter Kempf forderte einen verbindlichen Fahrplan für schrittweise Lockerungen der Beschränkungen. "Für den unternehmerischen Neustart bedarf es einer möglichst klaren zeitlichen Vorgabe durch die Politik", sagte Kempf. "Unsere Unternehmen müssen bald wissen, in welchen Stufen das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben wieder anlaufen soll - und zwar einheitlich in der Bundesrepublik."

Hotels und Gastronomiebetriebe gehen davon aus, auch nach der Öffnung noch einige Zeit von Einschränkungen betroffen zu sein. "Es wird weiter weniger Veranstaltungen, Tagungen oder Kongresse geben", sagte die Hauptgeschäftsführerin des Gaststättenverbandes Dehoga, Ingrid Hartges. Mit Blick auf eine künftige Lockerung der Maßnahmen verlangte sie vor allem ein einheitliches Vorgehen von Bund und Ländern. Auch der Deutsche Tourismusverband spricht sich dafür aus, dass ein Neustart mit weitgehend einheitlichen Regeln für eine Öffnung und klaren Vorgaben für die Betriebe erfolgen sollte.

Die Chefin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, warnte unterdessen vor nationalen Alleingängen beim allmählichen Wiederhochfahren von Industrie und Logistik. "Die Lieferketten in der Automobilindustrie sind komplex und grenzüberschreitend", argumentierte Müller. "Es muss gewährleistet sein, dass Produktion und Logistik abgestimmt wieder anlaufen können." Die Branche brauche offene Grenzen und ein "europaweit abgestimmtes Vorgehen auch zur Wiederaufnahme der Produktion".

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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