Wirtschaft

Chefin unter Dauerfeuer Was wird aus Yahoo?

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Steht unter großem Druck: Yahoo-Chefin Marissa Mayer.

(Foto: REUTERS)

Die Kritik an Yahoo-Chefin Mayer zeigt Wirkung. Nach jahrelangen missglückten Sanierungsversuchen denkt der Konzern plötzlich darüber nach, sein Internet-Kerngeschäft zu verkaufen. Und Mayer könnte bald ihren Job verlieren.

Seit mehr als drei Jahren führt Marissa Mayer den Internetpionier Yahoo – mit überschaubarem Erfolg. Weil es ihr bisher nicht gelungen ist, den angeschlagenen Konzern neues Leben einzuhauchen, verlieren Investoren zunehmend die Geduld. Die Kritik an Mayer ist nach zahlreichen Umbauversuchen mittlerweile so heftig, dass sich viele fragen, wie lange sie den Konzern noch führen wird. Oder wie es Scott Galloway, Marketing-Professor an der renommierten Stern School in New York, formulierte: Sie habe ihren Job nur noch, weil sie schwanger sei. Mayer sei der "überbezahlteste Vorstandschef der Geschichte", legte Galloway in einem Gespräch mit "Bloomberg" nach.

Die Börse drückt ihre Skepsis anders aus – die Yahoo-Aktie hat seit Jahresbeginn etwa ein Drittel ihres Werts eingebüßt. Die Befürchtung der Anleger: Der von Mayer groß angekündigte Turnaround wird nicht gelingen.

Angesichts der Dauerkritik geht die Führung des Konzerns nun auf verärgerte Großaktionäre zu. Das sogenannte Board wird dem in der Regel gut informierten "Wall Street Journal" zufolge während der kommenden drei Tage über die Zukunft des Unternehmens sprechen. Dabei geht es vor allem darum, wovon sich Yahoo trennt. Mayer will die wertvolle Beteiligung an dem chinesischen Online-Giganten Alibaba verkaufen. Doch einige Investoren laufen dagegen Sturm und verlangen, sich vom Kerngeschäft zu trennen – also von der Suchmaschine und Online-Werbung. Und es deutet einiges darauf hin, dass Mayer eine Niederlage hinnehmen muss.

Mitte November hatte der Yahoo-Aktionär Starboard Value die Konzernchefin Mayer in einem offenen Brief aufgefordert, nicht wie geplant die 30 Milliarden Dollar schwere Alibaba-Beteiligung abzuspalten. Yahoo will die Erlöse des Verkaufs unter den Aktionären aufteilen. Es ist jedoch unklar, ob dieser komplexe Spin-Off wie von Mayer versprochen steuerfrei über die Bühne geht. Die US-Steuerbehörde will das nicht garantieren.

Der Hedgefonds Starboard, bis dahin vehementer Verfechter des Verkaufs, bekam kalte Füße und verlangte von Yahoo, stattdessen sein Kerngeschäft loszuschlagen. Dabei würden dann zwar auch Steuern anfallen. Sie dürften angesichts des großen Werts von Yahoos Alibaba-Aktien sehr viel geringer sein.

Die Forderung des Großinvestors stößt deshalb auch bei anderen Aktionären auf offene Ohren. Die Web-Seiten gehören zwar noch zu den meistbesuchten im Netz. Yahoo Mail und Yahoo News liegen zusammengenommen an dritter Stelle in den USA – nur Google und Facebook werden häufiger besucht. Doch das Kerngeschäft schrumpft stetig, vor allem die wichtigen Werbeumsätze gehen zurück.

Wie dramatisch die Lage eingeschätzt wird, zeigt ein Blick auf die Marktkapitalisierung von Yahoo. Der Konzern wird an der Börse mit rund 31 Milliarden Dollar bewertet – die 15-Prozent-Beteiliung an Alibaba mit rund 30 Milliarden Dollar und die an Yahoo-Japan mit 8,5 Milliarden Dollar. Rein rechnerisch ist Yahoo mit seinem Kerngeschäft ohne die Beteiligungen daher wertlos.

"Der Ausblick ist furchtbar"

Mayer, eine ehemalige Google-Managerin, war Mitte 2012 an die Yahoo-Spitze gewechselt. Unter ihrer Führung verleibte sich das Unternehmen zahlreiche Start-ups ein und setzt verstärkt auf das mobile Internet. Mayer hat zudem versucht, Yahoo als Google-Rivalen bei der Websuche und gegen Netflix im Geschäft mit Online-Video-Content zu positionieren. Das alles hat viel Geld gekostet, bislang aber wenig Erfolg gezeigt, was Nutzerzahlen und Umsatz angeht. Hinzu kommt ein regelrechter Exodus von Führungskräften.

Nachdem die Zahlen zum dritten Quartal im Oktober veröffentlicht wurden, hatte die Kritik an Mayer an Schärfe gewonnen. "Der Ausblick ist furchtbar", sagte Sameet Sinha vom Vermögensverwalter B. Riley. Viele Analysten meinten, es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis die Yahoo-Chefin gefeuert werde. Das Unternehmen müsse gründlich umgekrempelt werden, sagte Coloin Gillis von BGC Financial. Und das sei nicht gerade das Spezialgebiet Mayers. Dem "Wall Street Journal" zufolge wird das Führungsdirektorium in den kommenden Tagen auch über die Zukunft der Konzernchefin sprechen.

Im Dezember wird Mayer Zwillinge zur Welt bringen. Sie hatte im Vorfeld angekündigt, danach beruflich nur zwei Wochen auszusetzen. Es ist durchaus möglich, dass ihre Baby-Pause gegen ihren Willen länger dauert als geplant.

Quelle: n-tv.de

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