Wirtschaft

Megadeals auf dem Radar Wie Hedgefonds mit Flugdaten Geld machen

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Die Flugrouten von Firmenjets verraten wertvolle Informationen über die Pläne eines Unternehmens.

(Foto: REUTERS)

Wenn Konzernchefs zu Fusionsgesprächen aufbrechen, sollten sie den Privatjet besser stehen lassen. Fliegen ist bequem, gibt aber auch viele Daten preis. In den Händen von Hedgefonds ein gefundenes Fressen.

Hedgefonds greifen tief in die Trickkiste, um sich einen Vorteil am Aktienmarkt zu verschaffen. Die Ideen reichen von schnelleren Internetleitungen - direkt neben den Servern der Börse - bis hin zu hausinternen Meinungsforschern, wie beim Brexit-Referendum. Auch die Auswertung von Flugdaten ist mittlerweile ein beliebtes Instrument, um Fusionen und Übernahmen vorauszusagen, wie "Bloomberg" berichtet. Dabei kaufen Hedgefonds wertvolle Informationen von Analyse-Firmen wie Quandl, die den Spuren von Firmenjets folgen.

Mithilfe dieser Daten wussten einige Investoren zum Beispiel im vergangenen April bereits vorab, welche Rolle Warren Buffett in der größten Übernahmeschlacht der vergangenen Jahre spielte. Seine Anlagegesellschaft Berkshire Hathaway unterstütze hinter den Kulissen den texanischen Ölkonzern Occidental Petroleum mit einer Finanzspritze von 10 Milliarden Dollar beim Versuch, den Konkurrenten Anadarko Petroleum zu übernehmen. Pikantes Detail: Dieser hatte vorher bereits einem Angebot des Energieriesen Chevron zugestimmt.

Eigentlich wusste niemand von dem Deal. Doch einen Tag vor der öffentlichen Ankündigung Buffetts verbuchte die Aktie auffällig hohe Gewinne. Warum? Der Gulfstream-Firmenjet von Occidental wurde in Nebraska auf dem Flughafen von Omaha, dem Sitz von Berkshire Hathaway, geortet. Hedgefonds bezahlten für diese Information laut Reuters über 100.000 Dollar. Eine Investition, die sich gelohnt hat. Mit ihrer Vermutung, Berkshire Hathaway würde sich mit Occidental verbünden, lagen sie richtig. Kurz darauf machte Buffett sein Milliarden-Investment in den Ölkonzern bekannt.

Erfolgsrezept oder doch nur Glücksgriff?

Dass die Auswertung von Flugdaten tatsächlich einen entscheidenden Wissensvorsprung über unternehmerische Aktivitäten verschaffen kann, belegt eine Studie der Universität Oxford und der ETH Zürich aus dem vergangenen Jahr. Computer-Wissenschaftler zeigten anhand von rund drei Dutzend Flügen börsennotierter Unternehmen mit ihren Privatjets, dass es in sieben Fällen anschließend zu Transaktionen gekommen ist.

Investments nur auf Grundlage von Flugdaten zu tätigen, ist dennoch gewagt. Zumal Informationen über Privatjetflüge nicht allzu schwer zugänglich sind. Daten über Verkehrsflugzeuge sind seit langem auf verschiedenen Online-Trackern der US-Luftfahrtbehörde FAA öffentlich zugänglich. Rund 28.000 Privatjets fliegen jedoch unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung. Denn die Eigentümer haben die Identität ihrer Flugzeuge sperren lassen.

Mit einer neuen Technologie namens Automatic Dependent Surveillance-Broadcast (ADS-B) wird sich das allerdings ändern. Viele Flugzeuge sind bereits mit dem System, das Transpondercode, Modelltyp, Position und Fluggeschwindigkeit sendet, ausgestattet. Ab 1. Januar 2020 ist ADS-B verpflichtend. Spätestens dann wird es möglich sein, den gesamten Flugverkehr zu beobachten. Mit der richtigen Antenne, die schon für 100 Dollar zu haben ist, kann jeder die Daten erfassen.

Johnson & Johnson
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Dennoch setzten immer mehr Hedgefonds auf Flugdaten der Firmenjets. Seit der Fusion des US-Konzerns Johnson & Johnson (J&J) mit dem Schweizer Biotechnologieunternehmen Actelion 2017 sehen viele Investmentfirmen darin ein Erfolgsrezept. Damals wetteten drei Fonds auf die Übernahme. Sie kauften Actelion-Aktien, weil der Firmenflieger von J&J in Basel gesichtet wurde, wo er drei Tage blieb. Als der 30 Milliarden Dollar schwere Deal kurz darauf bekanntgegeben wurde, verteuerte sich die Aktie um fast 20 Prozent - für die Fonds ein Milliardengeschäft.

Insgesamt sind solche Erfolge jedoch eher die Ausnahme. Historisch betrachtet, sei die Auswertung von Flugdaten nicht sonderlich nützlich, sagte ein Hedgefonds-Analyst.

Quelle: n-tv.de

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